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fei est not re plaisir “ nicht verboten sein. Hr. von Beust regiert also weiter.

Mehr, als vor der Schutbubenwuth der unbeachteten Kleindeutschen, wird sich daS Ministerium vor seinen beiden hohen Gönnern zu geniren haben. Sachsen ist vermöge seiner Lage und Geschichte dasjenige deutsche Land, dessenwegen die beiden Großmächte sich zuerst selbst in die Haare gerathen werden. DaS Ministerium hat also die Aufgabe, der Existenz Sachsens Galgenfristen zu verschaffen, das glückliche Königreich zwischen den beiden Piraten durchzusteuern, so lange eS noch Tag ist. Die Piraten entern aber bereits. Zwar versichern einzelne Blätter, mit den österreichischen Truppen an der sächsischen Grenze habe eS nichts zu sagen, die seien zu lumpig und bettelhaft; zwar versichern andere Blätter, Preußen gedenke seine Truppen auf den FriedenSfuß zu setzen, indessen versichern endlich dritte Blätter, daß Preußen nur auf den ersten Tatzenschlag von Seiten Oesterreichs in das sächsische Land warte, um sofort von seiner Seite den zweiten zu thun. Daß Sachsen dabei gar nicht gefragt wird, versteht sich von selbst. DaS ganze Land wird als ein deutscher Unterthan betrachtet, mit dem man bekanntlich machen kann, was man will. ES geschieht lediglich auS einem gewissen Anstand, aus dem Stolze, der nicht duldet, sich so sans fa^on vom Teufel holen zu lassen, wenn das Ministerium Truppen um Dresden zusammenzieht.

Ueber die Soldatenbrutalitäten vom ersten Weihnachtstage erhalten wir folgende briefliche Mittheilung, die wir wörtlich geben:

„Eine schon seit längerer Zeit in Dresden bestehende Gesellschaft, deren Mitglieder größtentheils Künstler sind, wollten, wie sie alljähr­lich zu thun gewohnt waren, auch am Abend des vergangenen ersten Weihnachtstags im heitern Kreise sich vergnügen. Sie hatten, um die jetzt in Dresden zur Zeit des Belagerungszustandes eingeführte Feierabendzeit nicht respektiren zu müssen, bei dem Polizeiamt sich die Erlaubniß auSgewirkt, nach dieser Zeit noch beisammen bleiben zu dürfey. Aber waS geschieht? Gegen 10 Uhr AbendS tritt ein Haupt­mann , gefolgt von einer Abtheilung Milttair in das Lokal dieser Ge­sellschaft und fordert dieselbe auf, sich zu entfernen, indem die Feier­abendstunde bereits eingetreten sei. Umsonst beruft sich die Gesellschaft auf die erhaltene polizeiliche Erlaubniß; sie erhält von dem würdigen Diener deS Standrechts die barsche Antwort, die Polizei hätte hierin nichts zu befehlen, sondern blos die bewaffnete Macht, sie möchte nur augenblicklich den Saal verlassen, sonst müsse er andere Maaßregeln ergreifen. — Da die Gesellschaftsmitglieder die Ausführung dieser Dro­hung nicht herbeiführen, und wahrscheinlich , auch von der eigenen Bra- vour vtkM Helden ün^'feiner Me nossen sich keine Beweise verschaffen wollten, leisteten sie der gethanen Aufforderung Folge.

Dem Anführer der Militairmannjchaft schien jedoch diese Folge­leistung nicht rasch genug von Statten zu gehen, er schreit den ab- ziehenden Gesellschaftsmitgliedern nach: „Na, ihr Hunde, wollt ihr machen, däß ihr sortkommt! " und so treibt er dieselben förmlich vor

Kaum vor der Thür des Hauses angekomnien, glaubt sich ein in Dresden allgemein geachtetes Mitglied dieser Gesellschaft nunmehr außer Gefahr und will sich von dieser Hetze erholen, alö er im Nu von der nachrückenden Rotte, ihren Führer an der Spitze, angefallen und ihm mit einem Säbel der Kopf gespalten wird, so daß er besinnungslos zur Erde fällt. — Auf seinen Hülferuf bestehlt der Wütherich ihn auf die Wache zu arretiren und unter dem herzlosen AuSruf: „es ist nur ein wenig Blutverlust " wird dieser Mann, welcher Bürger von Dresden ist, ohne alle Ursache und Veranlassung, blos auS rein brutalem und bestialischem Uebermuthe der Standrechtshelden, auf den Tod verwundet, als Arrestant auf die Wache geschleppt, von welcher er erst den andern Morgen in seine Wohnung gebracht wurde.

Die ganze Bevölkerung Dresdens ist empört und obgleich der Ofsi- zier sofort in Untersuchung hierüber gezogen ist, so weiß man recht gut, was eine solche zu bkdeutcn hat."

Frankfurt, den 1. Januar. — Die Minorität der konstitui- renden Versammlung deS Freistaats hat beschlossen, auSzu treten. Sie hofft auf diese Weise das Verfaffungöwerk auf weniger unparla- mentarilche Art zu vernichten, als wenn sich der Bund bewogen füh­len sollte, seine „Vermittelung" anzubieten.

Ueber daö Gespenst, daS man Interim nennt, und in dessen Schooße Deutschlands Zukunft liegt, verbreiten sich die schauerlichsten Gerüchte. ES soll die Absicht haben, die Auslieferung der unglückli­chen Flüchtlinge in der Schweiz zu verlangen, um sie mit den in Deutschland ergriffenen Rebellen vor die geheime Inquisition zu stel­len , es soll mit finstern Plänen über neue Preßgesetze , VereinSgesetze u. s. w. umgehen, es soll sie Kammern überwachen wollen u. s. f. — Au all' den Gerüchten mag viel oder weniges Wahres sein, daS ist aber gewiß, daß sic nicht von müßige», sonder» von höchst thätigen

Köpfen ausgesonnen werden, — um das Volk allmählich an die „Schauer der Zukunft" zu gewöhnen. Das Weitere bleibt nicht aus!

Wie», 26. Dec. — Der Tschechenführer Palazky hat den Kaiserstaat, wie sich die Zeitungen auSdrücken, „in die größte Aufre­gung " gebracht. (Ein Wort — und das mit Blut gekittete Reich zittert bis in das iNark seiner Rippen, Hr. von Haynau, Jellachich, Radetzky erblassen zu leblosen Schatten; ein le ben S frisch es Wort, — und das alte, verfaulte, auf Leichen gebaute Haus der feilen Lüge, des heimtückischen Verraths, des mittelalterlichen Scheins stürzt zusam­men. ) Palazky setzt der österreichischen Reichsverfassung sieben föderirte Staaten entgegen, er will kein deutsches, er will ein italienisches, tsche­chisches , ungarisches :c. Oesterreich. Das ist alles sehr schön und gut, aber daß man so etwas wollen kann, und daß die Zeit es wollen muß, daß sie noch mehr, viel mehr wollen muß, das war eS eben, waS die blödsinnigen Regenten des Kaiserreichs an die Hyänen und Tiger ket­tete, was einer Sophie ihren Rache- und Blutdurst dictirte, das war es gerade, was dem gekrönten Wahnsinn lehrte, das Leben auf eine Karte zu setzen, über die Lande seines Reiches die Würgengel zu sen­ken. Oesterreich hat nur einen Feind: sich selbst, seine Geschichte, seine Traditionen, sein mittelalterliches Dasein. Es stirbt an sei- uem eigenen Glanze, an seinem Stolz, seinem dynastischen Ruhme. Nur die Säbelherrschaft und der Centralstaat können sein Ende noch eine Weile hinschieben, aber daS Mittel ist Gift gegen Gift, schnell wirkendes gegen daö am schnellsten wirkende. Palazky möge sich also hüten. Statt seiner 7 Föderativstaaten könnte er 7 und mehr Jahre Gefängniß erhalten.

Hanau, 1. Januar. — Drei Steckbriefe und vier Verhaftun­gen ! Verhaftet sind Usener, Laudre, Lind und Loßberger. Andere Freischärler - denn um diese und ihren Zug nach Baden handelt eS sich — sind mehrfach verhört, aber nicht in Gewahrsam gebracht. ES scheint, als beabsichtige man, dem Prozesse wegen HochverrathS einen gefälligeren Titel zu geben, z. B. Prozeß wegen Brandschatzung, Re­quisitionen, vielleicht sogar wegen Mord und Todtschlag. Auf diese Weise nimmt der „wahlberechtigte Bürger" weniger Anstand, dem Prozeß seinen Lauf zu lassen. Unser Ministerium — — — nun eS versteht sich, daß unser Ministerium von der ganzen Sache nichts weiß, beziehungsweise vor der „unabhängigen Justiz" in größter Demuth und Schaamhaftigkeit zurückweicht. Unabhängige Justiz! Als ob's nicht eben ein Zeichen von der gefesselten, in Ketten und Banden gelegten Justiz wäre, wenn die Justiz zu gewissen Akten schreitet, die ohne ein gewisses Blickewerfen nach „Oben" gar nicht möglich wären.

Der Proceß Waldeck, Mohr, Temme rc. rc., alle Verhaftungen und Verfolgungen der „Wühler" sind nichts als — erhabene Zeug- m'sse für die unabhängige Justiz. Es wird im Namen Gottes ge- standrechtet, — wer will nun etwas?

Dritter Bericht der demokratischen Partei der kur­hessischen Ständeversammtung

(Fortsetzung, l

Man wird sich erinnern, daß im vergangenen Sommer nach lan­gen, heftigen Debatten jene Adresse von der Majorität angenommen wurde, worin der Regierung anheimgestellt ward, rasch und entschlossen den Anschluß zu betreiben, daß während der Verhandlungen in der Ständeversammlung Hr. Pfeiffer in Berlin fortwährend unterhandelte, und daß die Linke damals gegen jenen Beschluß protestirte, weil sie an dessen verderblichen Folgen keinen Antheil haben wollte. Wieder­holt wurde damals von Mitgliedern der Rechten geäußert und von der Regierung wurde dem nicht widersprochen, daß eine solche Ermächti­gung noch kein Anschluß sei, der vielmehr erst durch späteren Beschluß der Ständeversammlung erfolgen könne. Obwohl wir diese Aeußerun­gen schon damals aus dem richtigen Gesichtspunkt ansahen, so konnten wir doch nur mit Erstaunen von jener Seile gleich in der ersten Sitzung ein Wahlgesetz zu dem demnächstigen Dreikönigsreichstag als zu einer vollendeten Thatsache verlangen hören. Wirklich erklärte die LandtagS- kommission schon in der nächstfolgenden Sitzung, der Anschluß sei er­folgt, am 6. August vom Kurfürsten ratificirt worden, ein Kurfürst­licher Bevollmächtigter nehme an den Verhandlungen des Verwal- tungörathâ thätigen Antheil und eS sei Kurhessen auch Antheil an der Besetzung des provisorischen Bundesschiedsgerichts zugestanden. Zugleich legte die Landtagscommission einige auf diese Dinge bezügliche Acten- stücke und endlich eine nach dem Muster deS in dem Entwürfe der 3 Könige octroyirten Wahlgesetzes mit Rücksicht auf die speciellen Ver­hältnisse Kurhesscnö bearbeitete Gesetzvorlage vor. Es war somit nach dieser ofsiciellen Erklärung der Anschluß an das Bündniß definitiv, ohne weitere Mitwirkung der Ständeversammlung, erfolgt.