über welche also der FiScus mit einer wahren Thaler. Vampyrlust herfällt 553,000 Gewerbsteuer, d h. eine Steuer von den wieder „blühenden" Handel und Gewerben . . 67,500 Klassensteuer, d. h. die Abgaben der Staatsdiener und reichen Tagediebe ...... 74,000
II. Indirekte Steuern, d. h. Steuern, zu welchen das arme, von jedem Wahlrecht ausgeschlossene, zu solchen Dingen aber ganz zweckmäßige „Lumpenpack" das Meiste bezahlt .......... 1,360,280
III. Wege- und Brückengelder , d. h. Abgaben, die auf einer totalen Brutelschneiderei beruhen .... 72,000
IV. Domanialeinkünste . . ........ 409,980 V. Ertrag der Gesundbrunnen ........ 15,320
VI. Aufkommen auS den Forstnutzungen, eine Bagatelle von 866,550 (Wird durch das neue Forstgesetz in der Zukunft auf 1,400,000 Thlr. steigen, wofür die Armen das Plaisir haben, der Wohlthat der „freien
Concurrenz" entgegenzugehen.)
VII. Aufkommen von den Jagden ....... 3,100
VIII. Auskommen von den Fischereien ...... 3,500 IX Ertrag der Berg-, Salz- und Hüttenwerke . . 334,750 X. Einkommen von den Posten ....... 43,500 XI. Aufkommen von den StaatSeisenbahnen (???) . 171,500
XII. Einnahme auS dem Kapitalvermögen des Staats (!!!) 520,760
XIII. . . .......... 000,000
XIV. Aufkommen vom Landgestüte ....... 6,000
XV. Sonstige Einkünfte, wie Hundesteuer, Strafgelder rc. 89,460 XVI. Einnahme - Rückstände aus sechs Finanzperioden . 167,700
Ucberhaupt jährliche Einnahme 4,758,000
Macht auf den Kopf circa 6 Thlr. jährlich oder | Thlr. monatlich, auf jede Familie circa 30 Thlr. jährlich. Die finanzielle „Schwindelei" besteht bekanntlich darin, die Abgaben der „geliebten Unterthanen" unter die verschiedensten Titel zu rubriciren, damit sie kein Mensch in einem Quittungsbuche beisammen sieht. Der „ruhige Bürger" könnte sonst unruhig werden. Die indirekten Abgaben merkt man nur, wenn man ein Stück Salzenbrod oder ein Glaö Brantewein genießt. Für solche Spässe kann man natürlich auch bezahlen.
Die Ausgaben betragen jährlich:
^l. Kurfürstlicher Hof, so nothwendig, wie das Thäler, liebe Brod, die Lumperei von ........ 332,250
B. Fürstliche Apanage, Pensionen und Deputate , d. h. was so'als Schnörkel um den fürstlichen Thron hängt ............. 59,900
C. StoatSmimstcrium, d. h. diejenige Anstalt, welche unter Aussicht des Kurfürsten arbeitet ...... 61,632
D. Rechtspflege, nach der gelungenen Reorganisation, die jetzt reorganisirt werden muß ........ 420,675
E. Innere Landesverwaltung ......... 1,177,516 Darunter ist für Kranken-, Armen- und Witwen- Anstalten die runde Summe von 65,000 Thalern, während die Polizei nur 95,000 Thlr. kostet.
I Finanzverwaltung, nur........ . 1,368,017
d. h. circa 28 pCt. der ganzen Einnahme, was offenbar für eine sehr zweckmäßige Steuerverwal- tung spricht.
6. Kricgsverwaltuug, nur.......917,410 Die Soldaten dienen ebenfalls zur Verherrlichung der respektiven Throne, so daß uns der Segen, daß einer unserer Mitbürger „von Gott mit der Herrschaft begnadet" worden ist, nicht mehr und nicht weniger als ein und eine halbe Million kostet. Auswärtige Angelegenheiten, wodurch die Unterthanen _ fremden Landen „Schutz und Beistand" genießen . 59,038 Pensionen und Unterstützungen (für Generäle und son- st> gen weiteren Schmuck des organisirten Staates) . . 284,540 Ausgaberückstände, die sich noch etwas vermehren werden 83,150
, , Mo jährliche Ausgaben 4,764,130 zu den Einnahmen wie — — gemacht Wlr kommen auf die Manövre dieses Voranschlags zurück.
Kassel, 31. Dez. — Die auf verwichcnen Freitag anberaumte Sitzung des Burgcrauöschusscs, in Yer daS städtische Budget zur Be- "^e ^gesetzt werden. Eine große Zahl Ausschußmitglieder hatte cs vorgezogen, Privatgeschäften nachzugehen, von denen einige ganz anziehender Natur gewesen sein sollen.
Der neue Preßverein ist in fortwährender Thätigkeit. Im
ganzen Lande und in allen Häusern reisen Couriere mit Proclamen und Aufrufen, um Gotteöwillen der Hessischen Zeitung das Geld nicht vorbeizutragen. Selbst Mitglieder des Bürgervereins sollen erklärt haben, daß sie gar nicht begreifen könnten, warum gerade die Nen- besfische so protegirt werden solle. (Das Blatt des Ehren-Henkels ist bekanntlich eingegangen.) Das „schwache Geschöpf" hat's am Nöthigsten.
Die Direktion der Hauptstaatskasse macht bekannt, daß der Staat „in der Lage" sei, eine Million Thaler von seinen „Unterthanen" entnehmen zu müssen. Er verspreche seinen Gläubigern vier und ein halb Procent und werde'spätestens in zebn Jahren die erste Verloosung stattfinden lassen. Die ruhigen Bürger mögen sich auf diese Weise immer mehr an den Staat der „Ordnung" antrauen lassen. Den reichen Tagedieben ist eine Rente von 4P pCt. wohl zu gönnen. Der arme Tagelöhner würde sich auch an dieser Wohlthat betheiligen können, wenn er 100 Thlr. klingender Münze hätte. So muß er sich mit dem Vergnügen zufrieden geben, den HH. Capitalisten jährlich 4s pCt. zu zahlen und dadurch die „Vortheile des Luxus" in Kurhessen einzuführen.
Der Verein für Volksrechte hat sich für Nicht-Wählen nach Erfurt ausgesprocheu. Wir werden in einer der nächsten Blätter noch einmal ganz kurz die Gründe zusammenstellen, die eine Nichtwahl zur Ehrensache, zur politischen und moralischen Nothwendigkeit machen.
Frankfurt, 30. Dec. — Während sich die Bundeskommission mit den „ungeheueren Geschäften" vertraut zu machen sucht, die von der unfähigen Revolution auf die fähige Contrerevolution übergewälzt werden sollen, erklärt der Frankfurter Senat, er werde die neue Verfassung der Frankfurter Republik nicht eher zur allgemeinen Abstimmung bringen, bis sie gehörig zugestutzt und den Franfurter Stockjobbern schmackhaft gemacht worden sei. Geschehe daS von Seiten der konsti- tuirenden Versammlung nicht, so--— komme die Sache vor's Interim. Da werde sie der Teufel schon holen. — Es ist wirklich eine sehr erfreuliche Offenheit, die neue Gewaltskommission als Bo- zemann zu benutzen.
Baden — Die Herren Welker, Soiron, Bassermann, Mathy und achtzehn Konsorten haben einen Aufruf erlassen, die nächsten Land- ta.,swahlcn betreffend. Die Frankfurter Ausreißer und Polizeibüttel fordern darin im Namen der „Freiheit, des Mutheü und der Ausdauer" das badische Volk auf, sie, die HH- Welker, Mathy^c^_mch^ zu vergessen, da sie doch sicher mit dem gehörigen „Muthe" für die gehörige Sorte „Freiheit" gekämpft hätten.
Die Kriegsgerichte führen ihre Hexenprozesse weiter. Die „besten Männer" gestehen ein, daß es sehr schwierig sei, in der badischen Sache ein „unpartheiisches Urtheil" zu fällen, da ein ausgerissener Soldat schwerlich gegen einen Nichtausreißer das Nicht-Schuldig sprechen werde.
Hessen-Darmstadt. — Die Kammern sind eröffnet. Die demokratische Majorität hörte stumm die Botschaft an, welche der Herr Großherzog durch seinen Stellvertreter vekündcn ließ. Er hoffe, daß Alles gut gehe. (Im Nothfall wendet man sich an das Interim.) Es fei schon Vieles gethan, ein Mehreres werde nachfolgen (natürlich in anderer Richtung) rc. rc. — Der Herr Großherzog werden bald ein- sehen, daß mit den „Wühlern" jeder landesväterliche „Versuch" unmöglich ist.
Der Deputirle Mohr ist nicht freigelassen, obwohl die Rathskammer sich für ihn erklärt hatte. Natürlich ist gegen ihr Urtheil im Namen „dcö Staates" appellirt worden.
OWcrliri, 30. Dcc. Das ist recht! Das ist brav! Nun kommen wir endlich inS Klare, nun wissen wir doch, woran wir sind, und können den Feind von Angesicht zu Angcsicht fassen! Der Artikel der ObcrpostamtSzeituug, die unS heut zugekommen ist, sagt cö uns so unverblümt, wie es in hiesiger Residenz Gerlach und Stahl niemals gewagt haben, daß die Demokratenbrut nächster Tage mit Feuer und Schwert vernichtet werden müsse. O könnten wir doch mit diesem Blatte vor den sanften Beckerath, den gemüthlichen Dyhrn und den göttergleichredcndcn Nestor Scheerer hintreten und ihnen zeigen, was sie zu erwarten haben! Nieder mit den Ncpräsentativ-Bcrfassungen! Nieder mit dem heiligen Dreikönigübunde, diesem Auöwurf der Revolution! Tabula rasa, und nachher ein „weiteres Bündniß", das mit seinen zärtlichen Polypeuarmen daö grundsteuerfreie Deutschland an sich drückt, — das müssen wir haben, daö werden wir haben; freue dich, Deutschland! Wer kümmert sich nun noch um unsere deutsche Reform und ihren lustigen Hofrath, den Schweizerbuben Keller? DaS ist abgestandene Waare, jetzt legen wir uns an den üppig schwellenden Busen der ObcrpostamtSzeituug oder an daS keusch verschleierte Herz unserer Neuen Preußischen, da sühlen wir Leben, volles, warmes Leben, wie