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in die Fußtapfen der verrätherischcn Bcdicntenpartci von Gotha zu treten und dem unbedingten Lertranen oder dem Grund­satz der Abschlagszahlungen ihre Huldigung darzubringen, den Männern der s. g. demokratischen Monarchie und den gut­müthigen, vereinzelten Gemüthsdemokraten, die nichts auf die Form geben und damit zuletzt jeden Inhalt verlieren. — Mögen sie diesmal dem Gang der radikalen Demokratie fol­gen, nicht weil, sondern obgleich eS das Prinzip will.

Ein Haupteinwand gegen die Nichtwahl nach Erfurt, den die Männer vom Standpunkt der Abschlagszahlungen und der Interessen vorbringen, ist der, man dürfe diese Gelegenheit nicht vorübergehn lassen, um wenigstens Etwaâ zu mediati- siren. Versäume man sie, so würden sich die kleinen Staaten retten, und die Zeit der unseligen Kleinstaaterei werde ver­ewigt.

Diesem Scheingrund gegenüber behaupten wir, daß die Kleinstaaterei so wie so vorüber ist, und daß der Reichstag in Erfurt ihr Aufhörcn weder beschleunigt, noch hinausschiebt, daß jene also Etwas erstreben, was unö von selbst zusällt. Ein Blick in die Geschichte bestätigt unsere Behauptung.

Das Schwert Friedrichs des Großen hat die Spaltung Deutschlands in Oesterreich und in Preußen entschieden, daS Zerfallen in ein Nord- und Süddeutschland. Auf seine eignen Kosten, durch Abtretung seiner eignen Provinzen hat Oesterreich nach dem siebenjährigen Kriege stillschwei­gend diese Entwickelung der Dinge anerkannt und spä­ter durch die Berücksichtigung Preußens bei den Theilungen Polens ihr Vorschub geleistet. DaS HauS Habsburg wußte sehr wohl, daß jede Vergrößerung der Dynastie Hohenzollern eine Erschütterug der altdeutschen Kaiserkrone war, eine Ver­stärkung deS preußischen Einflusses auf die deutschen Staaten, eine Schwächung Oesterreichs, ein Streich auf die Einheit des Reiches. Schon mit dem Frieden von Hubcrtöburg gab eS thatsächlich kein Deutschland mehr. Die Annahme der österreichischen Kaiserkrone durch Franz li. war vur die ofsicielle Erklärung dieses Zustandes und die Errichtung des Rheinbundes nur eine Flucht der kleinen Staaten unter die Flügel des napoleonischen AdlerS, um nicht zwischen Preußen und Oesterreich zerrissen zu werden, ein Schicksal, dem sie durch die Eifersucht beider Raubstaaten bis dahin kaum ent­gangen waren. — Joseph II. hatte jahrelang mit Karl Theo- dor über eine Abtretung BaiernS unterhandelt; Preußen hatte bereits damals die Idee eines norddeutschen Bundes vollkommen ausgebildet und sie rcichSverrätherisch mit Hülfe Frankreichs inS Werk zu setzen gesucht.

Der Separatfrieden von Basel im Jahr 1795 *), den Preußen wit der Republik Frankreich abschloß, ist nur die offene Erklärung, daß eS mit dem deutsche» Reich zu Ende ist. Damals schon ließ sich Preußen von Frankreich das Land Hannover versprechen und bestimmte außerdem eine Demar- cationSlinie, welche von den Franzosen bei künftigen Kriegen gegen daS deutsche Reich (d. h. Oesterreich und Baiern) nicht überschritten werden sollte. Diese Demarcationslini« ist nichts als die erste Grenzbezeichnung für den zukünftigen norddeutschen Bund, für daS preußische Kaiserreich. Hinter dieser Linie lagen btt beiden Hessen, Sachsen und die Oberpfalz. Zur Zeit der Friedensunterhandlungen zu Rastatt brauchte der Abbe SieyeS bereits den Ausdruck „norddeutscherBund", der bei der Krone Preußens einen höchst günstigen Eindruck machte und sie von der Coalition mit Oesterreich, Rußland und England gegen Frankreich abhielt. Mit diesen Spiegel- fechtereien war cs Frankreich natürlich nicmalS Ernst und Preußen mußte sich im Reichödeputativnshauptschluß (25. Febr.

') Hessenkassel war der erste kleinere Staat, der Preußens Verrath nachahmte. Das ist btt gepriesene Treue des hessischen Regentenhauses gegen das deutsche Reich, die Hr. Nebellhau noch kürzlich in der Stände­kammer berühmte.

1803) mit der Säkularisation der geistlichen Stifter rc. be­gnügen *). — Napoleon köderte späterhin Preußen ebenfalls mit Hannover, daâ sogar im Jahr 1806 durch preußische Truppen eingenommen wurde „für ewige Zeiten", die aber nicht lange dauern sollten. Bezeichnender für die Bestrebungen Preußens sind noch die Umtriebe zur Bildung eines west- deutschen Bundes, der im Jahr 1804 in Paris besprochen wurde (angeregt vom kurhessischen Minister von Waiz) und später die versuchte Stiftung eines norddeutschen Bundes, welche Napoleon mit Annahme deS preußischen Kaisertitels vorschlug und wozu man bereits Unterhand­lungen mit Sachsen, Kurhessen und Dänemark ange­knüpft hatte. — Alle diese preußischen Pläne vernichtete die famose Schlacht von Jena.

Kaum aber war der erste Pariser Frieden geschlossen und Napoleon nach der Insel Elba verbannt, kaum begannen die Wiener Verhandlungen über die neue Gestaltung Deutschlands, als auch die alten Pläne mit neuer Hartnäckigkeit verfolgt wurden. Preußen verlangte Sachsen, Metternich versagte cs, und bereits lag die Hand am Schwerte, alâ die Rückkehr Napoleons von Elba für diesmal den Frieden vermittelte. Preußen begnügte sich mit der '.Hälfte von Sachsen. Halte das bisherige Verfahren der beiden deutschen Großmächte ge­zeigt , daß sie beide die Staaten Kleindeutschlands als gute Prise betrachteten, so zeigte der Streit über Sachsen, daß eS dabei Momente geben könne, wo die Frage über Mein und Dein nicht in Güte geschlichtet werden sollte.

Bei der Konstituirung des deutschen Bundesstaates, zu dem (nebenbei gesagt) nicht weniger alö zehn verschiedene Entwürfe vorlagen, hatten ursprünglich Oesterreich und Preußen für sich verhandelt, bis die zudringlichen Könige von Würtemberg, Baiern und Hannover nicht mehr abzuweisen waren. So waren denn wieder fünf TheilungSgcnossen statt zwei. Zu ihren Gunsten reichte Preußen den Plan einer Kreiâeinthcilung ein in sieben Kreise, in welchen die drei Könige die Kreisvorstandschaft in fünf Kreisen, und Oesterreich mit Baden und Preußen mit Kurhessen gemeinsam in den zwei übrigen haben sollte. DaS war mit anderen Worten die Mediatisirung aller Klein> staaten außer den Königreichen, und die Halbmediatisirung von Baden und Kurhessen. Dieser Plan scheiterte am Wider­spruch Metternichs, dagegen wollte dieser die Macht Deutsch­lands durch Uebertragung an die fünf königlichen Aus­schußmächte „ c o nc e n trire n". — Die Kleinstaaten aber erhoben ein so durchdringendes Zetergeschrei, daß man sich endlich genöthigt sah, die Mediatisirung aufzugcben und jenen Bund zu schließen, in welchem Oesterreich und Preußen über dreißig Jahre lang die einzelnen Staaten sich abspenstig zu niachen suchten. Die Bundesversammlung war der neutrale Boden für die gemeinsamen wie für die feindseligen Intriguen der beiden Großmächte.

Alle diese Thatsachen beweisen zur Geuüge, daß die Ver­nichtung , mindestens die Mediatisirung der Kleinstaaten von Oesterreich und Preußen längst gewünscht, längst gemeinsam betrieben und berathen ist; — die Natur der Sache selbst bringt eS mit sich, daß dabei über bestimmte Staaten, die nach ihrer Lage dem einen oder andern zufallen müssen, gar kein Streit entstehen wird; so wird Oesterreich gegen die Me- diatisirung Kurhessens durch Preußen nicht daS Mindeste ein- wendcn, und ruhig zusehen, ob das durch einen Erfurter Reichs­tag, oder durch eine Besatzung geschieht. Dagegen ist eS ebenso handgreiflich, daß über die Verschlingung anderer Staaten die größten Konflikte entstehen können, namentlich bei Baden und Sachsen. — Jedenfalls treten diese beiden Verhältnisse ein

*) Die einzelnen Fürstenhäuser wurden nach der Große ihrrr Best^ chungen französischer Agenten bedacht. Der geizige Lanl-raf von bot damals nur 2N,1M0 Louisdor, die mit Verachtung zuriickgewieien war. den. Darmstadt zahlte dagegen eine Million und stand sich gut dabei.