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Selbst in allen Wechselfällen der ersten Periode ist die angestammte Macht der Dynasten über die Menschheit niemals anerkannt, sondern nur benutzt worden. Die Kirche un­ter Kirche verstehen wir blos die katholische, denn es gibt keine andere! die Kirche hat die Herrschaft principiell im­mer nur dem zuerkannt, der der WÜrdigsie sei, sie hat die volle, letzte Souveränetät dem Volke zugesprochen, sie hat dem Stoffe das Recht der Revolution vorbehalten, die Kirche hat diese ihre Grundsätze erst dann fahren lassen, als sie, vom Papste selbst usurpirt, um ihren Bestand, ihre Existenz kämpfen mußte, als ihre letzte Zuflucht diekatholischen", allerchristlichsten" Dynasten wurden. Die von der Kirche

* gestürzte Anmaßung der Fürsten war nichts als das Zeichen der verfallenden Kirche, der überwundenen Kirche. Und Lu­ther? Luther ist so wenig der Verfechter der Dynasten ge­wesen und konnte es so wenig sein, daß er nur in seiner letzten Rathlosigkeit zu ihnen seine Zuflucht nahm, daß er sie ebenso wie cs die Kirche that, nur benutzte, um seiner Re­volution die Hülfe des Schwertes zu leihen. Luther sah sich lediglich und allein genöthigt, den Waffen deS Papstes gleiche Waffen, den Kreaturen deS Papstes eben solche Kreaturen ge­genüber zu stellen. Nicht ein inneres Princip , sondern eine äußere Nützlichkeitörücksicht hat die Kirche sowohl als Luther vermocht, der fürstlichen Anmaßung einen Schein von Berech­tigung zn geben.

Jene Tage sind vorüber. Die Macht, welche eine schlaue Benutzung der Umstände seit der Empörung Luthers gegen die Kirche den Fürsten gegeben hatte, ist von der französischen Revolution vernichtet worden. Das vergossene Blut des sechs­zehnten Ludwig war der auflösende, die Erhebung deS bür­gerlichen Napoleon zum Kaiser der organisirende Protest gegen diese Macht. Napoleon war die praktische Beweisführung ge­gen alle traditionellen Rechte, gegen jede angestammte Ge­walt der Dynasten. Und diese Beweisführung ist fortgesetzt worden durch die Restauration selbst, durch die heilige Alli­ance, durch Ludwig Philipp, durch die Revolution von 1'848. In allen diesen Phasen der letzten Jahre ist der eine Ge­danke ausgesprochen, daß die Fürsten wieder zu Führern des Volks geworden seien, daß sie nicht herrschen, weil sie Fürsten sind, sondern obgleich sie Fürsten sind. Die Re­stauration beruht auf der alten Heuchelei der Fürsten, dem alten Kunstgriff, sich in gefährlichen Zeiten an die Spitze der Bewegung zu stellen. Aber dieser Kunstgriff ver­fängt nicht mehr. Mit der Herrschaft deS französischen LouiS Philipp ist er abgenutzt, mit der Versagung dieses Königs ist auch die Führerschaft den Dynasten abgesprochen.

Die Idee der Freiheit und Gleichheit ist in ihrer unauf­haltsamen Entwickelung begriffen. Sie zieht ihre Erfahrungen mit eiserner, unerbiltlicher Strenge, sie bedarf keiner Jahrhun­derte mehr zur Vollendung ihres Siegerlaufeü, sie verlangt nur noch Jahre, ein paar Märztage, vielleicht nur einen ein- zigen Frühling. Die Dynasten wissen daS besser, alS die kon­stitutionelle Partei. Sie wissen, daß mit der Einwechselung der Führerschaft für das Dynaftenthum keine Geschäfte zu machen sind, daß in der Zumuthung derselben ein Anachro­nismus liegt. Als der Papst die Dynasten zu seinen Strei­tern berief, geschah es zum Kampfe gegen die Heiden, die Ketzer; als Luther die Dynasten heilig sprach, geschah eS zum Kampfe gegen die Glieder und Verfechter der Kirche. Die konstitutionelle Partei verlangt aber die Dynasten als Führer gegen die Mitbürger, die sogenannte Anarchie, sie verlangt sie als Führer im Bürgerkrieg, im Kampfe gegen die prak­tische Seite deS Christenthums. Eine solche Rolle ist nicht mehr der Weg zur Befestigung der Macht, sondern zu ihrer jähen, blutigen, fürchterlichen Vernichtung. Eine solche Rolle st die des lachenden Pajazzo vor dem Selbstmord. In der zweiten Periode des Christenthums ist für die Führerschaft der

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Dynasten kein Raum mehr. Das ist so sehr erkannt, daß nur die Vorspiegelung eines äußern Kriegs, eines Kriegs mit Ruß­land, mit Oesterreich, mit der Türkei, mit Gott weiß wem, der Herrschaft der Dynasten noch eine Galgenfrist geben konnte. Die konstitutionelle Partei stellt die Dynasten an die Spitze der Bewegung gegen daS Barbarenthum, um sie gegen das Volk zu benutzen. Diese Lüge ist aufgedeckt.

Die Fürsten haben keinen Halt mehr, sie müssen va banque spiel-n. Der Bürgerkrieg, den sie mit der konstitutionellen Partei gegen das Volk führen, ist schon eine Anerkennung der französischen Revolution, ein Zugeständniß, daß die zweite Periode des Christenthums eingetreten ist, daß die Entwicke­lung der menschlichen Seite desselben schon über die Dynastien hinaus gegen das Evangelium deS ausschließlichen Besitzes überhaupt geht, eine Entwickelung, die mit der Befreiung des Christenthums von seiner dogmatischen Tyrannei so sehr zu­sammenhängt, daß sie zu Luthers Zeiten schon vor sich gegan­gen wär, wenn nicht, wie schon gesagt, die nothwendigen Folgen des behaupteten Rechts in dem Kampfe um die Gül­tigkeit deS RechtS erstickt worden wären.

Wo ist nun noch Raum für die verlangte Treue gegen die Fürsten? Ist es nicht eine der konstitutionellen Blasphemien, dasjenige Treue zu nennen, was nichts Anderes ist, als eine Benutzung der Fürsten, wie sie vom Papste, von Luther geschah! Ist es nicht eine elende Zumuthung an das Volk, daß eS die alte Treue, die persönliche Zuneigung bewahren soll, während die konstitutionelle Partei sich vorbehält, im Fürsten nicht mehr den Fürsten, sondern nur ein spukhaftes Oberhaupt zu sehen?

DaS Volk ist offen und ehrlich, in tiefster Seele, im in­nersten Gemüthe von den frischen Wellenschlägen des befreiten Christenthums bewegt, das Volk will keine Fürsten, kei­nen Adel, kein Privileg mehr, es sagt's offen heraus! die konstitutionelle Partei will auch keine Fürsten mehr, aber sie heuchelt, sie lügt Liebe, Treue, Herz und Gemüth, um um mit den Fürsten das Volk, die Entwickelung deS Christen­thums zu morden. Wohlan, sie versuche es!

H. Heise.

Das kurhessische Wahlgesetz

zum Erfurter Gauner- und Bummelreichstage ist nunmehr publicirt. Indem wir eine weitere Verständigung der kurhes­sischen Demokratie zum Zwecke gemeinsamen Handelns voraus­setzen, sprechen wir nur vorläufig unsere Erwartungen dahin auS:

1) Daß kein Demokrat durch Betheiligung an der Wahl sich am ministeriellen Landesverrath betheiligt;

2) daß die Wahlen zum Volkshause durch eine eclatante Minderheit vorgenommen werden;

3) daß sich im ganzen Lande statistische Büreaux bilden, welche ermitteln:

a. wieviel Staatsbürger nach dem deutschen (gratis; furter) Reichswahlgesetze, und ,

b. wieviel Staatsbürger nach dem kurhessischen Vereins- Wahlgesetze zur Wahl berechtigt gewesen wären, ,

c. wieviel Staatsbürger sich an der Wahl betheiligt haben,

d. wieviel Staatsbürger expreß erklärt haben, durch w1^ Nichtwahl gegen den VereinStag protestiren zu wollen, 4) daß unser Ministerium alsbald vom preußischen Bündnlß oder seinem kurhessischen Posten zurücktritt, sobald sich zeigt, daß das Volk durch seine Nichtwahl sich gegeU den aufgedrungenen Vereinstag erklärt, und zwar

a. daß das Ministerium schon zurücktritt, wenn, öa * nach dem Neichswahlgesetz gewählt werde, u