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teftftt aber unmöglich ist, daß die konstitutionelle Partei nur bcr unbewußte Colvorteur dieser Wahrheit, die Demokratie aber der bewußte Vertreter derselben ist. Wir müssen hier etwas weit ausholen.

Seit achtzchnhnndert Jahren wird die ganze Civilisation der Menschheit vom Christenthum getragen. Das Christenthum ist aber seinem innersten Gehalte nach die Lehre von der Gleich­berechtigung Aller, eS ist der gerade Gegensatz gegen jeden kastenmäßigen, angestammten Beruf zur Beherrschung der Ne­benmenschen . Aber mitten in eine Welt voll gegebener fest­stehender Einrichtungen geworfen, eine Lehre, die auch ohne Mirakel an sich schon ein Wunder war, eine Lehre, zu der sich die Armen, Gedrückten, Verstoßenen bekannten, die von den Hohen, Bevorzugten verlacht, verhöhnt und verfolgt wurde, deren rein menschliche, praktische Seite wie natürlich als eine Folge ihrer Glaubenssätze aufgefaßt und mit diesen verketzert wurde, hat sie jahrhundertsang ringen und streiten, sich gegen ihre Feinde wehren und schlagen, hat sie die heidnische Wissen­schaft mit ihren eigenen Waffen bekriegen, daö praktische Feld verlassen müssen, um erst ihr Dogma zu retten, sich erst als Religion zu konstituiren, sich ebenbürtig zu machen. Die ka­tholische Kirche hat daS verstoßene Kind in ihre Arme genom­men, es über Land und Meer getragen und ihm huldigen lassen, die Streiter der Kirche haben bettelnd und baarfuß, unter Geißelhieben und Entsagungen aller Art Zeugniß für die Göttlichkeit der Lehre abgelegt, — aber die katholische Kirche hat diese Lehre immer mehr ihre« irdischen Inhalts entkleiden, immer mehr auf das Feld der Mysterien, der Dogmen werfen müssen und geworfen, sie hat sie ihrer Ausbreitung, ihrer An­fechtung wegen firiren, unter die Gewalt einer Autorität stellen müssen. Der Papst hat daö Kind, für das er gestritten, daS er gerettet hatte, für sein Kind erklärt, er hat sich über die Lehre, die er verbreitet hatte, daö Recht der Auslegung vor- behalten, er hat in der Sorge um die Erhaltung des Lchr- bestandes die gesellschaftliche Entfaltung der Lehre selbst gehin­dert, die Lehre unfruchtbar, zu einer Fessel, einer Tyrannei ge­macht. Der katholischen Kirche ist es gegangen, wie es gro­ßen Männern zu gehen pflegt, die im Bewußtsein ihrer Ver­dienste um eine heilige Sache, im Bewußfein, sie in'S Leben gerufen oder vor dem Untergang gerettet zu haben, nicht einen Titel ihres Bestands aufgeben wollen, in der Angst sie zu entweihen, ihre heilsamen Kräfte nicht erproben wollen, auS Furcht, sie zu verlieren. Nach Ausbreitung des Christenthums verlangte die katholische Kirche Achtung als solche, ihrer selbst wegen. Als Lohn für ihre Verdienste um das Christenthum verlangte die Kirche seinen Untergang. So ist die katholische Kirche erstarrt und versteinert, ein erhabenes Denkmal eiserner Konsequenz, unerbittlichen Stolzes. Das Verdienst der katho­lischen Kirche ist die Feststellung und Vertheidigung der einen Seite der chrilichen Lehre, die Feststellung des Dogma. Kraft dieser einen Seite, und nicht kraft der andern, der rein mensch­lichen, socialen, hat daS Christenthum Propaganda über die ganze Welt gemacht, ist eS die Grundlage unserer Civilisation geworden.

Die katholische Kirche hat ihre Mission vollendet. ES ist die Natur eines kindischen Alten, die sie jetzt noch treibt, die Ideen und Träume ihrer Jugend festzuhalten, die Thaten ihres Mannesalters, ihres Gregor VH., zu wiederholen.

Die Formeln, die die „ Kirche" als Erkennungszeichen der Christen aller Länder und Völker gesetzt hatte, sind unbrauch­bar, mehr noch, sie sind schädlich geworden. AlS die katho­lische Kirche in ihrem kindischem Trotze zum Fluch geworden war, sprach Luther das Zauberwort über die erstarrte, ein­gefrorene, vergessene Lehre, und siehe! — seit Jahrhunderten zum ersten Male wieder flossen die frischen Quellen des ent­fesselten Christenthums; nicht das Dogma war frei, — nein!

die Zeiten des Dogma waren mit dem Papstthum vorüber! — sondern die Menschheit selber war frei geworden, daS »dkkz war frei, daS durch die Kirche über die Welt verbreitete Dogma war urplötzlich wieder die frohe Botschaft der Liebe, der Brüderlichkeit geworden, daS Evangelium, daß alle Menschen berufen seien, daß Niemand mehr Knecht sei als der andere.

Das lutherische Attentat war der Fehdebrief gegen die ka­tholische Kirche, gegen die Aristokraten, flehen die Für­sten. Die katholische Kirche, die der Propaganda willen alle Institute, die da Macht hatten, trug und schirmte, die sie so­gar segnete und heilig sprach, die solchen Einrichtungen, wie den Anfängen des Lehnssystems nur die Fülle jener myflisch- katholischen Hingebung gab, die uns jetzt auf einmal als et­was UrdkUtscheS gepredigt wird, die katholische Kirche, die überall nur allein oder vorzugsweise das Bekenntniß for­derte, hatte auch die Fürsten getragen und gehoben, nicht etwa als auSerwählte, göttliche oder bevorzugte Wesen, sondern ein­fach und allein als ihre mächtigen Diener, als ihres Körpers unheilige Glieder, ihre ritterlichen RolandS. Mit dem lutheri­schen Attentate, welches die praktische Seite des Christenthums frei machte, welches die „Lehre" aus ihrer idealen, dogmati­schen Höhe herab auf die Erde zog, das Christenthum und seine Diener in die kleinen und großen Miseren des Lebens einführte, daS zum Beweise, daß jetzt der Mensch in seine Rechte ein­gesetzt, daß jetzt eine menschliche Lehre gepredigt werden sollte, mit einem Angriff auf einen der Carvinalpunkte der päpstlichen Disciplin begann, mit dem Angriff auf das Cö- libat, die Ehelosigkeit der Priester, deren Grund nichtâ mehr und nichts weniger a lF der Inhalt der gan­zen katholischen Kirche war, mit dem lutherischen At­tentate auf die Kirche bleibt den Fürsten weder ein sittlicher noch ein religiöser Rechtfertigungsgrund für ihr Regiment, ihr einziger Grund ist der der Gewalt, oder der Berufung

Das lutherische Attentat hatte nur das Princip festgestellt. So wenig die katholische Kirche in ihrem Kampfe gegen das heidnische Dogma die Konsequenzen deö Christenthums zu zie­hen vermochte, vielmehr zum Dogma versteinerte, ebensowenig war die lutherische Lehre im Kampfe mit der Kirche im Stande, die Konsequenzen ihrer Opposition zu verfolgen. Um nur vas Recht der „gleichen Berechtigung" erst festzustellcn, mußten erst dreißigjährige Kriege geschlagen, mußte Luther die Für­sten erst wieder zu seinen Dienern, zu seinen Streitern anwerben, mußte Luther den Fürsten erst wieder daS Recht, das seine Lehre verwarf, heilig sprechen. Erst die französische Re­volution war es, die vom Baume der Reformation die erste Frucht brach. H. Heise.

(Schluß folgt.)

Freiheit!

Wenn das „ Tyrolerhansel" schon längst über alle Berge, wenn de- Bundeslag wieder in der Eschenheimergaffe, wenn das Gehirn des Erstaalsr kanzlerâ wieder bart geworden sein und von hundert deutschen Kopsen der gUste nicht mehr auf dem Rumpfe sitzen wird, — dann wird auch ein Wort nicht mehr gedruckt und ausgesprochen werden dürfen, ein Wort, bei dessen Nennung ein ehrsamer Philister sammt seinem Schoppen umfällt, ein Wort, bei dessen Nennung Schergen und Büttel bleich werden, gleich frisch ge­bleichtem Sinnen, ein Wort, für das Millionen schon gelebt, gestorben, und noch leben und noch sterben werden.

Das Wort heißt: F r e i h e i t !

Man hängt, man erschießt, man verbannt, — das dumme Wort bleibt ungehängt, unverbannt und unerschossen, denn der Gedanke, bet 6 erzeugte, bleibe und lebt. „O, wenn man doch Gedanken todten könnte^" Doch leider liegen keine Flinten - und Kononenkugeln in den Mordwer.s- zeughäusern dafür aufgespeichert. ,

„Die Knospe des Gedankens umschließt aber bie B-ume spaterer , und wenn die Stunde schlägt, die Stunde der Entscheidung, dann tut: sie frei an Licht und Luft.