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Es ist «och uicht lange, daß jene Zeitung den Schaaren der Gläubigen zurief: „Ihr wißt nicht, was dieser Waldeck- sche Prozeß bedeutet; nicht gegen eine einzige wortbrüchige Persönlichkeit geht diese Verfolgung; eS ist das Urtheil über die ganze demokratische Partei! "

Es wurde daraus daS Urtheil der Jesuitisch-Absolutisti­schen. Nicht eine einzelne Person, nicht Ohm, nicht Gödsche, die Partei ist niedergeschmettert, gebrandmarkt, so gut wie überführt der gemeinsten Bestechung, der Tendenzfälschung und deS Betrugs mit Gott für König und Vaterland.

Daâ ist dieselbe Partei, die in ihrer Zeitung auf der Seite ihrer Gegner nur Lüge und Gemeinheit kennt, die Demokraten und Langfinger oder Tendenzdiebe für gleichbedeutend erklärt, Behauptungen, welche sie auS Angaben schöpfte, die von einem Ohm erlogen und von einem Pirsig und Gödsche verar­beitet wurden, — die Partei der Denunziation, deS äugen« verdrehenden, neupreußisch - pietistischen Jesuitismus, deren schmutziges Tendenztreiben, deren Schacher mit Recht und Wahr­heit, deren bodenlose Schamlosigkeit im Bekennen des Grund­satzes: „der Zweck heiligt die Mittel" in's klarste Licht der Sonne gesetzt ist.

Dabei erklärt sie in einem etwaâ zahmen Artikel ihres Schurkenblatts ihren würdigen Mitarbeiter Gödsche für einen zuverlässigen Mann — „ o, Brutus ist ein ehrenwerther Mann!" — und von Ohm will sie nichts wissen — aber am Schluß heißt eS ohngefähr: „Wir haben es für unsere Pflicht gehalten, Anzeige zu machen; mögen unsere Freunde sagen, was sie wollen, wir werden nicht anstehen, sie im­mer zu thun; und wer so handeln will, darf sich nicht scheuen vor etwas Staub und Blut."

Recht so! Vor dem niedigen Schmutz mit Schurken Freund­schaft zu pflegen, Schurkensteiche zu begehen und daS Blut eines Waldeck auf der Seele zu haben!--Während so daS Organ dieser Partei offen seine Schande eingesteht, ruft ihr Führer Gerlach bei Gelegenheit der Gemeindeverfassung verächtlich auö: „sie ist verfaßt von jenem N. N. (Waldeck), der eben auS dem Kerker hervorgeht. — So häufen sie noch Schmähung auf ihre Schandthaten ; sie legen falsch Zeugniß ab gegen die Gerechten, und brandmarken sie, obgleich sie gerecht befunden.

Das ist die Partei, die das Herz deS Königs und die Zukunft Preußens in Händen trägt, wenn nicht ein Sturm sie zerbricht — dieselbe Partei, der sich unsere Tölpel Oetker und Henkel und Konsorten KurheffenS rasch und eutschlos- scn zum Scalpiren überliefert haben, womit sie uns zugleich ihren Helfershelfern überantwortet, die auch in unserm Land nur auf den Schlachtruf harren, um sich auch hier in „Staub nud Blut" zu baden. — Wohlan! Brech'an duTag des Kampfes!

Neben und in der Dienstbarkeit dieser Partei steht eine andere Menschenklasse, die Klasse der Prinzip- und gewissen­losen Staatèdiener, die dem Winke der geheimen Staatâlenker auf Gebot Folge leistet gegen Ehre und gegen Ueberzeugung, Menschen, die keinen Begriff von der großen Entwickelung der Geschichte und der politischen Erscheinungen haben, von den aus dem Weltgeist sich entwickelnden Katastrophen im er­schütterten Staatsgebäude, die groß geworden im elenden, intriguanten Mechanismus der komplizirten, knarrenden Staatö- maschine, das ganze Leben für eine kleinliche Intrigue halten und die Revolutionen für Ohm'sche Verschwörungen. — Da­her die Dienstfertigkeit dieses Polizeidirektors, der Alles glaubt, was ihm — Ohm und — Gödsche aufbinden ; daher diese Be- reitwilligkeit eines Staatsanwalts, der trotz offenbarer Fäl­schung doch an grausige Komplotte glaubt und 7 Monate da­nach vergebens sucht und und späht, daher ein Gericht, daS auf offenkundige Lügen für eine Anklage beschließt mit dem

Hintergedanken — semper aliquid haeret (immer bleibt etwas hängen!).

Daher diese ganze Bande von Spionen, Fälschern und Begünstigern derselben. — Ein köstlicher Staat, wo von ihrer Willkür Freiheit und Leben der Bürger abhängt. Die Ent­hüllung deö Systems der Corruption, der Bestechung und Ent­sittlichung macht nachträglich von Paris die Runde über den Continent, um überall dem alten Sraate den Todesstoß zu versetzen.

Wir sind noch nicht am Ende. — Der armselige Ohm blieb in Haft, ein willkommener Kristallisationspunkt, an dem tausend neue Untersuchungen über Hochverrath und Landeö- verrath anschießen können. Einfältiges Volk! die ihr glaubt, die Demokratie auf diese Art einfangen zu können. Wir find nicht mehr so dumm, als ehemals. Was wir thaten, wir thaten'S offen vor allen Augen, und gedenken es zu ver­antworten. Jene geheimen Bündnisse und Verschwörungen der ersten Demagogie gehören in die Geschichte der vergangenen Zeiten und in die Romane.

Seitdem daS ganze Volk zu den Verschwörern gehört, ist keine geheime Verschwörung mehr nöthig.

Politische Wochenschau *)♦

Frankreich. WaS wir vorausgesagt, hat sich erfüllt. Der neue Polizeipräfekt Carlier macht es Hrn. Hinkeldey in Berlin nach, er entdeckt eine militärisch organisirte Verschwö­rung, aber diesmal eine ganz absonderliche, eine Verschwörung weißer Reaktionäre, die unter dem Namen HubertuS- legion für Heinrich V. schwärmen, und sein Bildniß auf Münzen geprägt haben, kurz sich für sein Reich vollständig vorbereiten. Und waS thut der Präsident. Seine schlimmsten Feinde läßt er als einfache Polizeifrcvler laufen. Ein furcht­barer Beweis seiner Ohnmacht gegenüber den Legitimisten. —- Spaßhaft genug hatte ein benachbarter Reaktionär selbst seine eignen Leute verrathen unter der Voraussetzung, daß hier ein Nest der Demokratie auâzuheben sei.

Der stierstirnige Präsivent hat wieder einmal eine Rede gehalten bei Einsetzung neuer Präfekten. Er sagte ihnen un­geschminkt, sie hätten dafür zu sorgen, daß nicht sobald ein Wechsel der Regierung eintrete, d. h. daß er Präsident bleibe, und daß die Constitution verletzt werde. Früher dachte er an etwas mehr, an die Kaiserkrone; er ist verteufelt bescheiden geworden. Aber der Verfassungsbruch ist und bleibt Lieblings- wunsch, und ein Staatsstreich wird und muß vorfallen, denn die Constitution bietet kein Mittel für diese Pläne.

Ledru Rollin fordert aus seinem Versteck die Republikaner zur Einigkeit auf für die neuen dreißig Wahlen zum Parla­ment an die Stelle der verurtheilten Deputirtcn, und überhaupt für den Sturm, der immer drohender über Frankreich, wie über ganz Europa heraufzieht.

Deutschland. Das Interim will noch nicht zu Stande kommen. Die Rosse und die Möbel sind in Frankfurt, aber die Herren selbst sitzen in Wien und Berlin. Die altersschwache Diplomatie ist impotent geworden; — keine Geburt gelingt mehr. Nun schwätzt 'â und munkelt'ö wieder von einer Triaâ, bei der Baiern den dritten Mann spielen soll; in London will man sogar wissen, daß der Bruch zwischen Oesterreich und Preußen nächstens offenkundig werden will; in Berlin spricht man von russischen sanft mißbilligenden Noten, und Herr v.

*) Wir fassen uns diesmal kurz, da wir bereits im Proceß Wald.cks das wichtigste Ereigniß der letzten Woche auösiihilich witgett^ic yaben^

(Beilage.)