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Zweiter Jahrgang.

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Die Mornisse.

Naum, Ihr Herren, dem Flügelfchlag Einer freien Keele!"

ML^. Kassel, Dienstag, den 4. Dezember 184»

Die Mediatisirung Kurhesiens.

1.

Die Mediatisirungs- Pläne sind so alt, wie Deutschland selbst. Es gehört kein größeres Genie dazu, das zu merken, als allenfalls das eines Henkels, der schon früher in den Volksversammlungen gegen das Unnerstoppen Zeter-Mordio schrie.

Aber eS gehört eine schöne Portion Feigheit dazu, nun, da jene Pläne zur nackten Wirklichkeit werden, sich dafür zu erklären.

Damals gab es kein größeres Glück, als Kurhesse zu sein; damals war Kurhessen der reichste, der gesegnetste Staat Deutsch­lands, reich an Henkelschen Gesetzen und an Hab und Gut; damals hieß es, die Fremden sind lüstern nach unserm Staats­schatz und nach unsern Domänen!*) Jetzt ist daS Alles vergessen, und der Troß von Gotha macht aus seiner Feigheit die Nothwendigkeit, und auS beiden eine Ehrensache.

Doch von dieser Partei kann man sagen, mit der Kaiserwahl reichten sie dem Teufel den ersten Finger, und nun hat er sie ganz und gar; Leib und Seele hält er ihnen gefangen. Wer kann bei diesen elenden Verdammten noch Ermannung, kaltblü­tigen Muth, neu erwachenden Stolz oder männliche Fassung und Ueberlegung erwarten? Wer wundert sich, daß sie in ihr Elend und ihre Schmach ein ganzes Volk mit sich reißen,

) So sprach derselbe Henkel in einer Volksversammlung, der jetzt förmlich mit Purzelbäumen in den preußischen Avgrund stürzt. Auch schrieb dieser große Volksheld ohngefähr zu derselben Zeit folgende kühne Worte: -

Es läßt sich gar nichts anders erwarten, als daß die Regierungen Alles, was wir nur irgend Vernünftiges, den jetzigen Bedürfnissen und Forderungen des Volks Entsprechendes beschließen, auch genehmigen werden (ha! ha!), weil im unverhofften Falle eines unvernünf­tig e n W i d e r sp r u ch s oder einer ungebührlichen (welche Kühn, heit! ) Verzögerung der Zustimmung oder Publication wir freilich an die Nation appelliren und ihr die Selbsthülfe anheim geben, ja uns zu diesem Zwecke sogar (?) an ihre Spitze worden stellen müssen (Arroganz! die Ration war euer Aufdräagen schon damals satt!) weil oer bisherige Zustand unmöglich forcbestehn kann, und das nun schon zweimal, im Jahr 1815 und 1830, betrogene Volk letzt nicht zum brittenmale betrogen werden kann und darf, wenn nicht Alles in Stücke gehen soll!"

Es ist zum Walzen! der Henkel von Gotha und Alles in Stücke machen! Aber er hat ernstliche Abbitte gethan für diese früheren Träume von Bravour und Heidenthum durch sein neues Amt eines Denunzianten und Delators! Unsere Leser müssen verzeihen, daß wir immer auf be­sagten Hammel zurückkommen; es gibt kein größeres, kein abschreckenderes Beispiel der Gesinnungslosigkeit und Gemeinheit im ganzen Land Kurhessen Der Mann ist nicht unehrlich. Gott bewahre! aber er hat den Verstand verloren, und gemein war er immer!

daß sie ein ganzes Land mit Fürst und Verfassung demselben feigen Untergang weihen? Von ihnen muß es heißen: Vater züchtige sie, damit sie erkennen, was sie thaten.

Aber eS gibt noch eine andere Art Männer, Männer, die mit lauter Stimme die Verwerflichkeit und Thorheit derer brandmarken, die sich blindlings dem preußischen Moloch opfern, Männer, die sehr gut wissen, was sie thun, die Männer der drängenden Nothwendigkeit, die mit Bewußtsein durch den Anschluß an Preußen die kleinen Staaten vernichten wollen, da diese Vernichtung dennoch unvermeidlich wird. In der kurhessischen Ständekammer gehört zu ihnen der Herr Hilde- brand Herr Gräfe nicht, Herr Gräfe gehört zu denen, die nicht wissen, was sie thun.

Diese Männer sagen, die Zeit der kleinen Staaten ist vorüber. Hierin haben sie vollkommen Recht, eS ist das Ein­zige, worin sie Recht haben. Dagegen sind sie Verräther an den Freiheiten, die sich die einzelnen kleinen deutschen Volksstämme seit de» dreißiger Jahren errungen haben, wenn sie sofort^die Selbstständigkeit mit der Freiheit der einzelnen Länder dem preußischen Henkerschwert der Absolutie zum Schlacht­opfer zuführen. Sie sinv Verräther an der Ehre dieser Stämme, wenn sie ein solches Opfer auf preußisches Kommando und Machtgebot nach aufgezwungenem (oktroyirtem) Opferprogramm (Wahlgesetz) vorzunehmen wagen.

Wenn die Zeit der kleinen Staaten vorbei ist, so ist sie vorbei, so wie so. Die Zeit der deutschen Ehre und der deutschen Freiheitsliebe braucht damit nicht zugleich vorbei zu sein, wie diesen Herren bedünkt.

Auch die Demokratie weiß, was an der Zeit ist, al­lein sie wird ihrem alten guten Spruche getreu bleiben, nur der Freiheit und durch die Freiheit die Einheit.

Die Demokratie wußte schon an dem Tage der Kaiserwahl, daß mit diesem Schritt die Mediatisirung der kleindcutschen Fürsten ausgesprochen war. Obgleich sie gegen den Kaiser sein mußte, griff sie zum Schwert für die Verfassung. Mochten die kleinen Fürsten untergehen, die Freiheiten der Völker hatten durch die Souveränetât deS Volkes in dieser Verfassung ihre ewige Garantie. Die Mediatisirung der deutschen Fürsten durch die Nation selbst müßte mit Jubel begrüßt werden. Aber der Mediatisirung der Völker selbst und ihrer Frei- heiten durch die Fürsten muß mit aller Macht und Energie entgegengekämpft werden. *

Wer sich dem Prinzip fürstlicher Oktroyirung auch nur tm kleinsten Punkte unterwirft, ist ein Verräther an der Hoheit deutscher Nation; um sovielmehr, wenn diese oktroyirung nur bezweckt, die bereits bestehenden Freiheiten zu vernichten und tabula rasa für die Gelüste des Despotismus zu machen.