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daß wir wirklich in den Tagen der griechischen Sykophanten, der römischen Delatoren leben, daß wirklich alle Ehre ver­lottert, alles Nechtsgefühl erstorben ist, daß wirklich das deutsche Leben verpestet, vergiftet, in Sumpf und Schande erstickt ist.

Der Deputirte von Geismar Hal's gewagt Derselbe Mann, der einst entrüstet war, als man seine Beleidigung Scheffer's denuneiirt hatte, der diese Anzeige für ein Buben­stück, für einen schmachvollen Mißbrauch des Vertrauens erklärte, derselbe Mann , den das Volk seinen Freund, seinen Vorkämpfer nannte, derselbe Mann, den das Volk schon lange verworfen hat, hat seinem Abfall von der Freiheit die Schmach eben jener Sykophanten, eben jener Delatoren beigefügt, jener De­latoren, die der fromme Kaiser Antoninus mit dem Tvde strafte, wenn sie ihre Anklagen nicht beweisen konnten.

Der Deputirte Henkel hal's gewagt. In der letzten Ständeversammlung hat er dem Deputirten Bayrhoffer zugerufen:

»Sie haben alle Parteien belogen und betrogen!« *) »Sie sind nicht Schuld, daß es nicht Allen so ge- » gangen ist, als Auerswald und Lichnowsky!«

»Sie haben das Parlament sprengen wollen«, und als dieser Ehrlosigkeit, dieser Perfidie ein Tumult in der Kammer folgte, wie er noch nie dagewesen ist, wagte der­selbe Deputirte Henkel den weiteren Wuthschrei:

»Sagen Sie selbst, Hr. Bayrhoffer, sagen Sie zur » Steuer der „Wahrheit", ob Sie nicht das Parlament »haben sprengen wollen?«

Dem Deputirten Henkel wurde das Wort verboten. Aber das Wort war gesprochen. Der Deputirte von Geismar hat seiner Bosheit, seiner Delatorenseele Luft gemacht.

Die Delation ist da. Nun also herbei, ihr Schergen, ihr Gcrichtsbüttel! Nun also auf, ihr Henker der Reaktion, ihr langarmigen Polizeiknechte! Der Deputirte von Geismar wird seine Beweise erbringen, der ehrenwerthe Mann wird die Mör­der Lichnowsky's und Auerswald's konstatiern , er wird mit euch alle Hütten und Höhlen d-.s Vaterlands durchsuchen, der Deputirte Henkel wird euer Führer sein auf der Bluthetze. Auf also, herbei! Euer Führer ist da, der Deputirte Henkel hat die Delation an dem Orte gemacht, an dem er geschwo­ren hat, das unzertrennliche Wohl des Fürsten und des Va­terlandes zu wahren, und — Bayrhoffer ist ja ein Mörder, ein Hochverräther, ein Lügner und Betrüger! Was zögert ihr? Habt ihr nicht einmal den Muth, die Charakterstärke des De- putirten Henkel? Zittert ihr, den Mann zu fassen, dessen £e= den sp. offen und klar vor euch liegt, wie der Tag, wie die Sonyk? Wo der Deputirte Henkel nicht zittert, kann auch ein Gerichtsdiener ruhig sein! Redet nicht von Schande, Schluach, von dem Lod, den der fromme Antoninus den fal­schen Angebern gedroht hat, der Deputirte von Geismar ist ein angesehener Mann, der Deputirte von Geismar will die Schmach, die Schande, den Tod mit euch leiden ! Auf also, greift zu, greift schnell zu, das Opfer könnte euch entrinnen.

Noch nicht! Die Schergen haben den Muth deö De­putirten Henkel noch nicht. Aber die Delation des Syko­

*) Diese Lüge ist so sehr aus der Luft gegriffen, daß ihre Bezeichnung atè niederträchtig eine pure B e sch önig » n g ist.

phanten bleibt aufgehoben, sie ist eingetragen in die Bücher der Polizei, sie steht in den Annalen der hessischen Stäude- kammer. Hr. Henkel ist Blutzeuge! Wenn die Zeit reif ist, wird man die Annalen öffnen, den Blutzeugen auffordern, Hr. Henkel wird die zwei Finger aufheben, Hr. Henkel wird seine Delation beschwören. Das wird er.

Wohlan! Die Zeiten der Caligula, der Schaustellung al­ler Sünden und Laster sind wiedergekehrt! Der amnestirte Deputirte von Geismar hat in der kurhessischen Ständckam- mer seiner Ehre öffentlich Lebewohl gesagt!

Anfrage n.

Ist der Deputirte Henkel noch würdig, Volksvertreter zu sein?

Waö erfordert die Ehre der Bürger, die ihn gewählt haben?

WaS erfordert die Ehre derjenigen Bürger seines Wahl­bezirks, die ihn nicht gewählt haben?

WaS erfordert die Ehre seiner Mitbürger in Kassel?

Was erfordert die Ehre der hessischen Demokraten?

Die Ehre aller dieser fordert, daß sie „ groß und deutlich und energisch " — wie die Neuhessische Zeitung bei einer an­dern Gelegenheit sich auSdrückte! — gegen daS ehrlose Be­tragen deö Deputirten Henkel ihre Stimme erheben.

Hr. Henkel m u H seinen Sitz in der Kammer aufgeben. In seiner Gegenwart ist keine Debatte mehr möglich, wie sie die Heiligkeit deö Amces der Volksvertreter fordert.

Der ehemalige Neichstagsdeputirte Henkel kann nicht eher wieder Volksvertreter sein, biö Polizeispione zu Ministern gemacht werden.

Das Interim und die kurhessifche Regierung.

2.

Der vernünftigste Grund, den die liberalen LandeSverra- ther für ihren Anschluß an daö Dreikönft.übündniß auftreiben können, ist die Behauptung, der DreikönigSbund solle den alten Bund verdrängen, er solle die deutsche Nation zu einem Gan­zen zusammenfassen, ihr eine gemeinsame Verfassung, eine Voltsvertretung sichern.

Wozu nun ein Interim?

Nachdem die kurhessische Regierung in den Dreikönigsbun getölpelt ist, tölpelt sie fernerhin in's Interim.

Der Dreikönigsbund ist der Anfang zur Vernichtung de alten Bundes, daS Interim der Anfang zu feiner Wiederher­stellung. Die kurhessifche Regierung deckt sich nach beiden Seiten. Kann sie den alten Bund ruiniren, so bleibt sie im König» bund; wird der Königâbund ruinirt, so steht sie bereits in Interim. Die kurhessifche Regierung associirt sich mit Hlwme und Hölle: nützt'S nichts, so schadet'â nichts. ES ist nur sur den Nothfall. . ,

Aber nein I Die Logik der kurhessischen Negierung 'st •

„ Der DreikönigSbund ist der Embryo deS einigen Deuts) lands. Die vier Königreiche müssen beitreten." ,

„DaS Interim ist der Embryo eines völkerrechtlichen „ zwischen dem einigen Deutschland und dem einigen Oesterreich

„Wenn der Embryo ein ganz er'Kerl geworden 'st, steht daS Gagern'sche Kleindeutschland und daS Gagern'schc > , gramm für dessen Beziehung zu Oesterreich in voller Glons ■

Die ministerielle Logik übertrifft die gewöhnliche „ 11 merlogik ". Auffallend bleibt dabei nur, daß sich Hn Vl