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Zweiter Jahrgang.
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M o r n r s s e.
„Kaum-, Ahr Herren, dem /lü-elschlag Einer freien Keele!"
IV- 1â2. Kassel, Donnerstag, den 29. November 184A.
( Kassel, am 28. November 18M.
„Wahrheit hat allezeit rumort, falsche Lehrer haben allezeit Friede und Friede gerufen! So möge denn die Wahrheit, weil'S einmal nicht anders ist, immer fort rumoren, bis sie Aller Herzen und Nieren durchdrungen." Luther.
Die kurhessische Ständekammer ist zur Denunciantenkammer Herabgesunken. Sie hat aufgehört, der Kampfplatz der Ideen, der Principien, der Rechtsbegriffe zu sein, — der Deputirte Helikel hat sie mit frecher Lüge, mit maßloser Bosheit, mit brutaler Gemeinheit zum Beichtstuhl der Büttel und Spione herabgewürdigt. Die kurhessische Standekammer ist durch den Deplitirten Henkel entweiht, entheiligt, in den Koth gezogen, der Deputirte von Grebenstein, Geismar rc. hat die Debatten der kurhcssischen Ständekammer mit dem Geschrei der ©afsenbubcn überschrien, nein! der Deputirte von Grebenstein , Geismar rc. hat nicht blos wie immer gepoltert, gelärmt, geschrien, sich nicht blos auf dem Niveau der Hen- kel'schen Trivialitäten gehalten, nein, nein, nein! der Deputirte Henkel hat die Standekammer benutzt, um den Gerichten, der Polizei, der Inquisition gewisse Namen und Sachen ins Ohr zu raunen, er hat sein Recht der freien Rede benutzt zu perfiden Insinuationen, zu elenden Verleumdungen, zu den empörendsten Denunciationen.
Jeder Denunciant ist ein Elender, der Denunciant politischer Verbrechen wird vom Volke ein Schurke genannt. Als Mathy feinen Freund Fickler verhaftete, empörte sich das Herz jedes freien Mannes, die That war ein Brudermord, ein Sacrileg, ein Verrath. Als Mathy seinen Freund Fickler verhaftete, hielt er seinen Freund für verdächtig, eine hoch- verrätherische Unternehmung vorzubereiten, Mathy wollte ihrem Ausbruche vorbeugen,--die Denunciation Mathy's wurde d enn o ch verflucht, verdammt, eines deutschen Mannes für unwürdig, sie wurde für ehrlos erklärt. Der Deputirte Henkel denunciirt aber einen Kollegen von ihm, nicht weil er einen Aufstand vermeiden will, der Deputirte Henkel de- nunciirt seinen Kollegen der moralischen Theilnahme an einem vollendeten politischen Mord, an einer vollendeten Empörung, einem vollendeten Hochverrath. Der Depu
tirte von Geismar, Grebenstein rc. ist mehr als Mathy, als ein gewöhnlicher Denunciant, den Namen für die That deS Deputaten Henkel hat die Entrüstung des Volks noch nicht gefunden.
Der Deputirte Henkel hat der Regierungspartei des Landes den Kainsstempel aufgedrückt. Das also sind die Künste dieser Partei, das sind die Beweismittel, die Rechrsdeductionen, die sittlichen Gründe? Das also ist die Macht der Ideen, des moralischen Eindrucks? Das sind also die Zugaben zu jener geheuchelten, angelernten sittlichen Entrüstung?
Der neuhessischen Zeitung, dem Organ dieser Partei, hat das Henkel'sche Wort schon lange auf der Seele gebrannt. Sie hat schon lange auf etwas gedeutet, auf etwas mit Fingern gewiesen, sie hat schon lange von etwas geraunt und gelispelt, sie hat der Polizei schon lange insinuirt, daß es etwas Geheimes, Entsetzliches im Lande gäbe, daß noch etwas zu rächen, zu sühnen sei , daß noch irgendwo ein Corpus delicti liege, —--die neuhessische Zeitung ist vor keiner Andeutung zurückgeschreckt, aber die Schaam, die Schaam, welche selbst ein Bandit noch besitzt, hat sie von der offenen Anklage, von der direkten Denunciation abgehalten, das Gewissen hat ihr zugerufen: »Hinter dieser Linie liegt die offene Schande, die Verachtung des Volkes, die haare Ehrlosigkeit«. Die neuhessische Zeitung hat an der Linie stille gestanden, die Hand auf ihr Herz gelegt, und---die Feder fallen lassen. »Weiter dürfen wir nicht!«
Auch gewisse andere Mitglieder der Ständeversammlung, außer Hrn. Henkel, auch der Hr. Nebelthau von Kassel, hat schon hingewiesen auf gewisse Ereignisse und einen gewissen Zusammenhang der Demokratie Kurhessens mit diesen Ereignissen ; sie haben schon von dem Blute gesprochen, das in Baden geflossen, und den Finger gehoben gegen die Demokraten der Kammer, sie haben sich schon angeboten zu Blutzeugen oder Geschwornen, sie haben auf das Schwert gewiesen, das über dem Haupte der Linken hing, sie haben schon gedroht und eingeschüchtert, aber das Wort haben sie nicht gesprochen, sie haben diese elende, erbärmliche Zeit, diese Zeit der Lüge und Feigheit, der Hinterlist und des Verraths uicht abermals brandmarken wollen, sie haben nicht abermals beweHp wollen,