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Zweiter Jahrgang.

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Die Mornisse.

Vaum, Ihr Herren, dem /lügclschlag Liner freien Seele!"

ML lâl. Kassel, Dienstag, den 27. November 184V»

Das Interim und die kurhessische Regierung.

1.

Gewalt auf Gewalt! Im Vertrauen auf die blödsinnigen Tölpel unseres Vaterlandes, auf die liberalen Spitzfindigkeiten, den gelehrten Jesuitismus der gelehrten Herren, hat unsere Staatsregierung, hat Hr. v. Wintzingerode, der expreß zu diesen Standrcchtöprozedurcn berufen zu sein scheint, keinen Anstand genommen, der Ständeversammlung die Erklärung zu geben, daß sich Kurhessen der provisorischen Bundeögewalt Preußens und Oesterreichs definitiv unterworfen habe. Acht Tage vorher erklärte derkranke" Hr. Wiegand, die kurhessische Regierung habe noch nicht die Ehre, über das In­terim offiziell in Kenntniß gesetzt zu sein, acht Tage nachher erklärt dergesunde" Hr. v. Wintzingerode, das Spiel sei gemacht, Kurhessen sei auch nach dieser Seite hin beseitigt.

Geschwindigkeit ist keine Hexerei. Die kurhessische Negie­rung hat den Auftrag, rasch und entschlossen in den Himmel oder die Hötte zu fahren, und das muß ihr ihr Feind lassen! sie weiß sich diesen Auftrag zu Nutze zu^ machen. Während unser Märzministerium alle zugemntheten Attentate auf die Freiheit im Innern unseres LZater- luttdcs ablehnt, läßt es mit aller GemüthSruhe die Frei­heit von Außen herein ums Leden bringen, im Namen der politischen Nothwendigkeit, der höheren Weisheit, der Di­plomatie, der auswärtigen Angelegenheiten. Unser Ministerium zittert vor dem Gifte; vor Vergewaltigungen, Halönmdrchen, vor militärischen Ueberfällen zittert eS n i ch t. Kurhessen stirbt nicht an der Auszehrung, wird einfach gehängt, das rst der märzministerielle Vorzug, dessen wir uns erfreuen dürfen.

Der fixe Herr von Wintzingerode hat natürlich für den ministeriellen Gewaltstreich so gut seine Gründe, alS die preu­ßische Kommission deren für den preußischen hatte. Ehe wir auf eine Widerlegung dieser Gründe eingehen, wollen wir die Sache einmal s o betrachten, wie sie ein ehrlicher Mensch, der sein Lebtag von politischen Schurkenstreichen, von der dermaligen politischen Ehrlosigkeit, Gesinnungslosigkeit, Feig­heit und Niederträchtigkeit nichts gehökt und gesehn Hat, be­trachten müßte. Wir wollen uns die Sache einmal mit ge­wöhnlichem Menschenverstände, mit dem einfachen Herzen eines gewöhnlichen Unterthanen ansehen. Daß - wir dabei an ein anderes Ziel gelangen werden, alâ daS unserer liberalen Knüppelspringer, unserer Löschpapierhelden, versteht sich von selbst.

Wir nehmen die Auflösung der Nationalversammlung als eine vollendete Thatsache an. Die Souveränetät deS deutschen Volks war von den Frankfurter Feiglingen, von den Jordans, Dahlmanns, Bassermanns, Welkers, Henkels, Wippermanns re. re. schmählich verrathen, die Revolution war von ihnen verleugnet, der letzte Rest dieser Souveränetät von den Römer'schen Baschkiren auf die schaamloseste Weise gesprengt worden. Das Volk hatte verloren, die Brüderlichkeit der Dynasten hatte gesiegt.

Es ist eitel, wenn Hr. Löwe von Calbe sich noch als Präsident des Parlaments, als Repräsentanten der deutschen Volkshoheit betrachtet. Es ist eben so eitel, wenn Herr Erz­herzog Johann sich noch als Centralgewalt gerirt. Die Regie­rungen haben ihm nicht sein Parlament, sie haben ihn sammt dem Parlament fortgejagt.

Der alte Bund war durch daS Volk, das Volk durch Glieder deS alten Bundes gestürzt. WaS nun? Für uns, für die Anhänger der Revolution ist die Frage einfach zu beant­worten: Die Sieger können machen, was sie Lust haben. Die Contrerevolution hat daS Glück gehabt, und führt also die Braut nach Haus. Für uns ist eS einleuch- tend, daß nur Preußen und Oesterreich zur Besitznahme der vacant gewordenen Gewalt berechtigt waren, weil nur Preußen und Oesterreich die Contrerevolution vollendet, die Revolution zerschmettert haben. Preußen und Oesterreich können nach unserer Auffassung machen, waS sie wollen. Sie haben nur auf die Zweckmäßigkeit, auf die Möglichkeit einer neuen Re­volution zu refleetiren, sie haben nichts zu bedenken, alö die Dauer ihrer Gewalt.

Die liberalen Tölpel haben indessen auf die gestellte Frage eine andere Antwort zu geben. Die liberalen Tölpel, die Männer deSmoralischen Eindrucks",der Macht der Ideen" können nicht zngeben, daß die beiden Majestäten ganz nach ihrem Plaisir wirthschaften, Kammern auflösen, Gesetze oktroyiren re. Die^ Herren Professoren müssen nach genauer Abwägung aller Verhältnisse zu dem Resultate kom­men, daß die Contrerevolution nur gegen die vermeintlichen Nebergriffe der Volkssouveränetät, d. h. gegen die vermeint­lichen Uebergriffe des Parlaments berechtigt gewesen sei, daß sie nur berechtigt gewesen sei, das Lereinbaru ng öprin- zip wieder herzustellen. Nach ihrer Ansicht war dieses Prinzip der eigentliche Inhalt der Märzrevolution gewesen. Hinter dieses Prinzip werden die Herrschaften, obwohl sie zu Vielem fähig sind, obwohl sie vor einem Schuhputzerdienst nicht leicht zurückschrecken, nicht znrückgehcn wollen. Hinter diesem Prin­zip liegt ihr eigener Tod, steht das Schaffot für sie selbst.

Auf daS Vereinbarungsprinzip gestützt, können die lioeral-u