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Zweiter Jahrgang.
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„Naum, Ahr Herren, dem Flügelfchlag Liner freien Keele!"
W - ITO
Kassel, Sonnabend, den 24. November
1849.
Der T r e u b r u eh.
An die Herren Gothaer Ausreißer und „Wurscht"- Helden nebst Genossen.
Als Sie, hochverehrteste Ausreißer und Worthelden, Ihre Bündel in Frankfurt eiligst schnürten, und Reich, ReichSver- wcser und Nationalversammlung im Stiche ließen, wie nanit« ten Sie daS? — Qtwa Treubruch, Feigheit, oder Meineid? —
© Gott bewahre! — DaS war die unvermeidliche Nothwendigkeit. Als sie nach Gotha eilten, um dort die oktroyirte Lerfassung mit lautem Geschrei alö daS einzige Heilmittel dem erstaunten Volke anzupreiscn, obgleich Sie kaum einige Wochen zuvor die von Ihnen in Frankfurt gemachte Verfassung beschworen und mit Ihrem Namen unterzeichnet hatten, wie nannten Sie daS? Etwa Treubruch, Feigheit, oder Meineid? —
© Gott bewahre! . DaS war unvermeidliche Nothwendigkeit! Und nun, nachdem Sie fich in den Rachen des Löwen gestürzt, nachdem Sie Verfassung und Recht »ej«, lassen, nun, nachdem Sie .'zweimal die Treue gebrochen und dem Meineid das Wort geredet haben, nun fällt eS Ihnen plötzlich ein, daß Sie Ihrem Eide getreu bleiben müßten?
O Gott bewahre! Auch diesmal ist eS nur unvermeidliche Nothwendigkeit!
WaS liegt Ihnen an Eiden, waS liegt Ihnen an der Treue?
Aber das Leben ist so schön, und Tapferkeit und Muth sind so seltene Tugenden.
Die unvermeidliche Nothwendigkeit ist Ihr Gott. Der Zufall ist Ihr König. Wenn morgen Oesterreich Preußen auS dem Sattel gehoben hat, werden Sie auch diesem neuen Gebieter winselnd auf Ihren Knieen ewige Treue geloben
Dann ist eS kein Treubruch, kein Meineid mehr, von Preußen zu lassen. O Gott bewahre! Dann war eS unvermeidliche Nothwendigkeit.
Sprechen Sie nicht mehr vom Schauder vor Meineid und Treubruch. Es ist allzukläglich! Wer die Treue einmal brach, hat kein Recht mehr auf dieses heilige Wort. -
Treulose haben keine Treue und keinen Treubruch! Die Untreue läßt sich nicht,brechen.
Darum, meine Herren, folgen Sie nur getrost Ihrem Tyrannen, der unvermeidlichen Nothwendigkeit, Ihrer Feigheit, und der Kühnheit und den Bajonetten Fremder. Sie
werden nicht besser genannnt werden deshalb und nickt schlechter!
Einst werden Sie auch UnS lautlos folgen müssen, UnS, die Wir der Freiheit Treue schwuren; — einst werden auch Wir die unvermeidliche Nothwendigkeit für Ihre Eide sein, wenn Ihr Geschlecht bis dahin nicht mit Stumpf und Stiel vertilat ist von der Erde. 0
Bis dahin schwören Sie, oder schwören Sie ab, — ganz mach Gefallen. Aber nur kein Wort mehr von Treue! — ist zum Lachen!
G. Kellner.
Politische Wochenschau.
Frankreich. Er regiert selbstständig, der Diktator- Präsident gestützt auf seine 6 Millionen Stimmen: __ wie sein Onkel Napoleon, als er seine Staatsstreiche machen wollte, that er Alles, um der Nation zu zeigen welches Füllhorn von Glück er in seinen Händen trägt, welchen Segen er über Frankreich auSgießen würde, wenn er könnte, wenn nicht diese elende Bande von Schwätzern, wenn nicht diese Majorität der Nationalversammlung ihm die kaiserlichen Hände gebunden hielt.
Während die Nationalversammlung Rom in den Staub beugt und Frankreichs Waffenehre schändet, schreibt er seinen ruhmredigen Brief nach Italien, während die Majorität auf dem Altar der Priesterlinge ein edles Volk verbluten läßt verheißt der Herr Präsident ihm Schutz und Rettung. '
Während die Nationalversammlung alle Amnestien der Tranâportirten von sich weisst, während die Legitimisten «nd Orleanisten in größter Eintracht auch jeden Rest der konstitu- tionellkn Freiheit vernichten, — während sie ihre AuSnahmS- gerichte im ganzen Lande bilden, um die letzten Führer des Volkes in ewiges Erik zu schicken: - „theilt der Präsident Amnestie für d,e Juni-Insurgenten und läßt laut wer- ' de", daß er eine solche auch für die letzten Verurtheilangen in Bereitschaft halte.
© er würde noch viel mehr thun. Aber diese Gaunerbande bindet ihm die Hände. Sie wagt eS nicht, offen gegen ihn aufzutreten. Er hat ihr imponirt, als er die von ihr aufgenöthigten Minister zum Teufel jagte, als er sich mit Nullen umgab, um als Nenner gelten zu können.
Aber nun quälen sie ihn, sie eröffnen den kleinen Krieg gegen den Kaiserkandidaten; er hatte seinen Stuhl höher setzen lassen, alS den Stuhl des Präsidenten der Nationalversammlung bei der Vereidigung der Justizbehörden des Landes. Rn«