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Hornisse.
„Naum, Zhr Herren, bem Flügelschlag Liner freien Keele!"
äs 138
Kassel, Dienstag, den 20. November
1849.
Das neue Tabaks-Kollegium.
„Ich will euch erzählen ein Mährchcn gar schnurrig,
Eâ war 'mal ein Kaiser, der Kaiser war kurrig", und zwar so kurrig und murrig, daß er gar nicht Kaiser werden wollte, obgleich ihn einige Dutzend Professoren und Edelbuben um Gotteswillen darum baten. Sie offerirten ihm umsonst den Reichsapfel, daâ Reichöschwert und das Reich zum Frühstück.
Der Kaiser wollte auf eigne Hand sein Plaisir haben.
Er invitirte die kleinen Kollegen zu einer Tasse Thee, stellte diesen vor, daß eS nur an Ihm gelegen, wenn Er nicht ihr allergroßmächtigster, unüberwindlichster Kaiser und allzeit Mehrer deS Reichs geworden, daß sie die Erhaltung ihrer Sauparks, ihrer Hoftheater, ihrer Grenadiergarde und ihrer goldncn HauSorden nur ihm allein zu verdanken hätten.
Denn wenn Er gewollt, wie Er gesollt — quos ego!
Zu rechter Stunde aber sei Ihm im Schlafe der Geist der Gerechtigkeit erschienen und habe Ihn an den alten guten deutschen Rechtsspruch erinnert:
„Gleiche durch Gleiche!"
Voll Enthusiasmus für daâ Althistorische überhaupt, und namentlich für diese altväterliche Sitte hege Er von Neuem die gründlichste Verachtung des gemeinen Volkes, ja einen förmlichen Ekel gegen dieS Gesindel, dessen übelriechende genauere Bekanntschaft Er leider, leider! in jenen verwünschten Märztagen habe machen müssen. Wer von Seinen HH. Brüdern Liebden auS Gründen der politischen Weisheit mit Ihm in ähnliche Schmutz-Berührungen gekommen, werde Ihm beistimmen und mit Ihm auSrufen:
Da unten aber ist's fürchterlich,
Und der Fürst begehre nimmer zu schauen,
WaS die Schergen bedecken mit Nacht und Grauen!
AuS diesen Gründen wollten sie für diese gemeinsamen Empfindungen eine Gesellschaft stiften und derselben den Namen Reichs-Fürsten-Kollegium geben, in ähnlicher Weise, wie jenes berühmte TabakS-Kollegium, in welchem alle Mitglieder vollkommen gleich gewesen ein oder zwei Stunden alle Woche. — Hier habe sich ein großer Fürst, so zu sagen, mit gewöhnlichen Menschen förmlich gemein gemacht — ein Balsam für die Wunden deâ nackten Lebens mit seinen unendlichen Abständen und Nangklassen.
Das aber könne Er wohl erwarten zum Lohn für Seine entsagende Schonung, — daß er im Tabaks-Kollegium den Vorsitz erhalte, und daß Er außerhalb desselben sei wer Er sei: — ein mächtiger Kriegsherr mit Meinem
herrlichen Kriegsheere — von Gottes Gnaden! — sie aber arme, kleine konstitutionelle Zwetschenteufel — von GotteS Langmuth!
Ueber die Stellvertreterschaft GotteS, die Seine Hoftheo- logen gepredigt, wolle Er in der nächsten Sitzung Vortrag halten.
Und die Herren Kollegen im ReichStabaks - Kollegium sahen sich stumm ringsum; und erblickten zu ihrer größten Genugthuung den Doppeladler Oesterreichs , wie er im Unger- land auf einem Galgenhügel sich die zersausten Flügel putzte und die Fänge wetzte.
Bei diesem erhebenden Anblick kamen den Meisten die verlorenen Gedanken wieder, Einigen sogar der Muth. — Sie fingen an unter Betheuerungen der größten Dankbarkeit und ewiger Brüderlichkeit für die große Ehre unter allerhand Vorwänden zu danken. Sie hätten die Pfeifen doch nur so im Mund gehalten, ohne zu rauchen. Sie könnten den argen Qualm nicht vertragen. Die Stube sei ihnen zu klein. Sie müßten sich einstweilen zurückziehen, bis ihre Lunge wieder hergestellt sei, oder bis die Gesellschaft größer und ungenirter und daâ Lokal geräumiger wäre.
Damit stürzten sie nach der Thüre.
Der Rückzug gelang ihnen vorzüglich, während man von fern das Rauschen österreichischer Adlerfittige zu vernehme« glaubte.
Mein schnurriger Kaiser aber, oder Nichtkaiser — was im kaiserlichen Katechismus ganz einerlei ist — von welchem dies schnurrige Mährchen handelt, gerieth darüber einigermaßen in eine kleine Verlegenheit, — obgleich Er längst eine gewisse Ahnung in sich verspürt hatte, daß Er den Dampf zu stark mache. — Aber Er besann sich hurtig und schloß die Thür ab.
Halt! Kollegen! — Bleiben Sie nur gefälligst sitzen, sprach Er zu Denen, die nicht schnell genug zur Thür hatten gelangen können, weil sie sich zu harmlos mit ihrer Pfeife Reichökanaster unterhalten hatten. —
Halt! — Keiner darf mehr hinauâ ! — Die Andern haben unâ noch nicht verlassen; sie schöpfen nur frische Luft, sie kommen gleich wieder! — Nehmen Sie Platz, meine Herren! Sie kommen wahrhaftig wieder! und sollten Einige wirklich so unhöflich sein, weg zu bleiben, nun waâ schadt's! — So nennen wir unser Kollegium statt „ Reichâtabakökollegium " „ Ver- einStabakâkränzchen", und unseren ReichSkanaster VereinSkanaster. Seid Ihr damit einverstanden?
Ihr Herren Kollegen, die Ihr Alle seid, Euch lieben Freunde» geb' ich den Bescheid, Wollt Ihr Vereins-Kanaster rauche» da?