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Lavaillart fein Commando der römischen Truppen an einen römischen General übertragen. LouiS Napoleon ist also bereits an dem Acte der Ablieferung angekommen, erwirb diesen Act ohne alle Vorbehalte und Gegenrechnungen beschließen. Louis Napoleon macht sich einfach von der römischen Affaire los, die regulirte Freiheit mag sich selber helfen.
Während sich die Franzosen zum Abmarsch anschicken und ihre Rechnung bezahlen, nimmt Oesterreich immer festere Positionen ein, formirt eS in Oberitalien seine ArmeecorpS, schreibt es in der Lombardei neue Rekrutirungen auS, denen zufolge alle jungen Männer der Haselstockdisciplin der österreichischen Generäle unterworfen werden. Österreich rüstet sich für alle Eventualitäten.
In Neapel wirthschaftet die Majestät vor wie nach, so daß eS selbst den Russen zu toll wird. Die A. A. Ztg. schreibt:
„Neapel, am 3l. Oktober. Obgleich alles friedlich ist, sind die Truppen der hiesigen Garnison und der benachbarten Orte, wie Capua u. a.z in steter Bewegung und in den Niederungen des Volturno wie um Caserta finden Uebungen statt, welchen der König beiwohnt. Der Kriegsminister, Fürst Jöchitella, hat vom Papst den Ordine Piano in Brillanten erhalten, wie Oudinot und Radetzky, und es finket eine große Ordenvertheilung an die im Mai d. I. gegen die römischen Republikaner kommandirten Truppen statt. (In der Kürze wird man einen Republikaner daran erkennen, daß er keinen Orden hat.) Die Vermehrung der Arme« geht noch immer ihren Gang, so bedeutend auch schon die gegenwärtige Kriegsmacht ist. Noch sind die Gasthöfe leer und die Stadt ist leblos, und bei den allgemeinen Besorgnissen, von denen vielleicht nur der besitzlose Lazzarvni, der Musterproletarier, freibleibt, verspricht man sich keinen heitern Winter. ES wird nun schon der zweite sein, welchen wir auf eine vom Ehemals so verschiedene Weise durchmachen müssen, und die Stimmung ist jetzt eigentlich noch schlechter als im vorigen Jahr, obgleich damals die Erinnerungen an die revolutionären Stürme noch frisch und die sicilianischen Verhältnisse nicht geordnet waren."
Ein wahres Unglück für die gekrönten Häupter Italiens ist ihre Geldnoth. Das milchgebende Volk ist so ziemlich auSgemolken, man muß also borgen. Se. Heiligkeit der Papst, dessen Regierung auf schaamlose Weise bereits die Juden in Rom geplündert hat, und der Schwager in Toökana, sind auch über diese Nothwendigkeit einverstanden, eS frägt sich nur, wo sie die zum Darlehn nothwendige zw eite Person, nemlich denjenigen finden, der borgen will. Vorläufig hat der Schwager in Toskana den Versuch mit einer freiwilligen Anleihe im Lande gemacht. Mißlingt der Versuch, so wird vermuthlich zu einer ZwangSanleihe geschritten, d. h. man wird vom einfachen Betrug zur offenen Plünderung, zum Raube vorschreiten. Hilft daâ ebenfalls nicht, so wissen wir nicht, wie die gekrönten Häupter noch länger „in der Lage" bleiben können.
Die türkische Frage. Die Couriere reiten nach allen Enden. England verhandelt mit Frankreich über die Zweckmäßigkeit ihrer Politik in der türkischen Frage, und Rußland gibt sich Mühe, Frankreich von England zu trennen. Der russische Selbstherrscher protestirt feierlich gegen jede Einmischung der fremden Regierungen in seine Streitigkeiten mit der Pforte, beharrt auf seinem guten Rechte, rüstet in immer kolossalerem Maßstabe, und — sucht Zeit zu gewinnen.
Der Czaar weiß, „wozu eö gut ist, seine Forderung gestellt zu haben". Er wird sie in dem Augenblick geltend machen, wo er seine Absichten gegen Frankreich enthüllen wird. Der russische Selbstherrscher wird es dem kleinen Napoleon, dem eingebildeten Plebejer, niemals vergessen, daß er es ae-
wagt hat, sich in seine Sphäre einzudrängen, gewagt hat, eine Flotte gegen ihn zu senden, gewagt hat, mit dem stolzen England Complot zu machen.
Die Forderungen, welche Rußland schließlich an die Türkei geschickt haben soll, bestehen in dem Verlangen einer geeigneten Jnternirung der Flüchtlinge und in der Gestattung einer russischen Besatzung von 40,000 Mann in den Donaufürstenthümern. Der Czar knüpft sein Abstehen von der Auslieferungsforderung an Bedingungen, er referiert sich also sein Recht, indem er auf seine diesmalige Benutzung gegen Entschädigung verzichtet. Die Entschädigung ist die gänzliche Oberherrschaft in der Moldau und Walachei, die stillschweigende Oberherrschaft über die Türkei.
Der Selbstherrscher der Russen weiß, „wozu eine Forderung gut ist". Die 40,000 Mann werden nicht blos den Winter in den Donaufürstenthümern bleiben, sondern sie werden dieselben nicht eher wieder verlassen, bis sie die Besitznahme der Moldau und Wallachei vollendet haben. Das muß man zugeben: Der russische Kaiser hat eine förmliche Spitzbubengewandtheit, wenn'ö sich in fremder Leute Häuser zu schleichen gilt.
Die türkische Frage ist also nicht erledigt, sie ist nur anders formulirt worden, sie ist schmackhafter gemacht. Wenn sich England diese russische Sottise gefallen läßt, wird eS keine zweite Gelegenheit finden, unter türkischer Decke einen Angriff auf seinen Todfeind zu machen. Der Türke wird nach dem A auch B sagen.
Und Preußen? Preußen ist weder russisch, noch englisch, weder Fisch noch Fleisch, Preußen hat einfach den Mund zu halten. Für Preußen ist die türkische Frage eine Frage über die Mondbewohner, über die Zustände auf den Sternen der Milchstraße. Kaiser Nikolaus würde seinen fußfälligen Schwager für eine etwaige Einmischung desselben in die kaiserlichen Händel ohngefähr behandeln, wie man einen vorlauten Schuljungen traktirt. Kaiser Nikolas würde seinen Schwager ein paar Wochen lang auf österreichischen Erbsen, d. h. auf großdeutschen Noten knien lassen.
Die deutsche Frage. Es gehört ein gewisser Muth dazu, die verschiedenen Aktenstücke zu studiren, welche sich in der deutschen Frage Schlag auf Schlag folgen. Sie haben nur das eine Interesse, daß sie alle mehr oder weniger für die Hinterlist, den Jesuitismuö, die Lügen und Betrügereien gewisser Regierungen beweisen. Sachsen und Hannover überbieten sich in den abenteuerlichsten Deduktionen, den frechsten Beweismitteln, den wunderlichsten Bockssprüngen und Gründen für ihre Perfidie. Der preußische Verwaltungsrath sitzt derweil in Berlin und beweist, daß Sachsen und Hannover Unrecht hätten, daß aber noch nicht aller Tage Abend wäre, daß im Januar gewählt werden solle, daß noch Alles gut gehen werde. Freilich glaubt weder Hr. v. Radowitz noch sonst ein einigermaßen gescheidter Mensch an das DreikönigSbündniß, auS dem zwei Könige ausgeschieden sind; freilich erklärt Oesterreich immer deutlicher, daß es denn doch einmal sehen wolle, wie weit der König von Preußen seine Frechheit treibe, und läßt bereits merken, daß eS von jetzt an nicht mehr als deutsches Bundesglied, sondern als europäische Großmacht gegen eine Vergrößerung Preußens protestiren wolle, freilich zieht Rußland in Polen eine Armee von mehr denn 800,000 Mann zusammen, — das schadet aber Alles nichts, daS DreikönigSbündniß mit einem Könige hat eine so schwere innere Kraft, daß eS sich durch alle Hindernisse hindurcharbeiten wird, daß eS den liberalen Tölpeln zu Gefallen schon proSperiren wird.
Die Troßbuben des Hrn. v. Gagern, der neulich auf einer seiner Bummelreisen mit dem Centraljohaun zusammentras und