Einzelbild herunterladen
 

Dieses Blatt wird Dienstags, Donnerstags u Sonnabends (die einzelne Nr. gegen den Betrag von 9 Hlr.) ausgegeben. Die Expedi­tion befindet sich in der obern En- lengasse Nr. J 32. Der Abonne­mentspreis ißvierteljahrl. 18Sgr.

Zweiter Jahrgang.

Durch alle Postämter zu bezie­hen. Inserate aller Art werden ausgenommen u. die Spaltenzeile mit I Sgr., bei wiederholter Ein­rückung m. 8 Hlr. berechnet; diesel­ben sind in der Expedition abzuge­ben, woselbst auch abonnirt wird.

Raum, Ihr Herren, dem Flügelschlag Einer freien Keele!"

ML 137

Kassel, Sonnabend, den 17. November

1849.

Politische Wochenschau.

Frankreich.Der Affe sehr possirlich ist." Die Botschaft des kleinen Napoleon ist poch immer nicht verwun­den. Der Neffe seines Onkels hat durch den letzten seiner famösen Schläge inS französische Wasser die französischen Frösche dergestalt aufgeregt, daß sie durch alle Versicherungen der neuen Minister, durch alle öffentlichen und Privatbeschwichtigungen Seitens deS Präsidenten nicht beruhigt werden können. Der Präsident läßt erklären, daß seine geschriebenen Declama- tionen, seine gestiefelten Redensarten so schlimm nicht ge­meint seien, er läßt sie von den neuen Ministern tu einer verbesserten, auf ein anständiges Maas von Drohung redu- cirten Form der Kammer verlegen, er macht ganz die Sta­tionen des glorreichen Briefes an den Papst in zweiter Auflage durch,---die Gewürzkrämer, die Boutikenleute können sich in die ritterlichen Passionen ihres Präsidenten nicht finden, sie wollen keine Spässe, keine Schläge ins Wasser, in den französischen Froschteich, sie wollen Ruhe, Ruhe und noch ein­mal Ruhe.

Der ritterliche Affe ist über sich selber erstaunt. Er kann nicht begreifen, wie so eine unschuldige Renommisterei solch einen Spektakel machen kann. Aber der Spektakel, die Auf­regung ist da. Das Volk hat acht Tage lang einen Staats­streich erwartet, acht Tage lang hat der napoleonische Genie­streich die Boutiken in Angst und Sorge gelassen.

Die Gewürzkrämer können sich beruhigen: Vouid Napoleon denkt dermalen an keinen Staatsstreich. Der gestiefelte Affe hat nach seiner Aeußerung nur eine Marotte: die für die Verfassung, unb für daS Programm, das in seiner Wahl, in seinem Namen liegt. Durch die Wahl Napoleons hat das Volk, meint der metaphysische Neffe! an ihn die Forderung ge­stellt, seinen Namen mit der Verfassung ins Gleichgewicht, in^Har- monie zu setzen. Die Verfassung ist nur in sofern Verfassung, als die Wahl Napoleons kein Protest gegen sie ist, als sie durch diese Wahl nicht ergänzt wird. Der Neffe seines OnkelS bedeutet eine ganze Menge von Ergänzungen und Verbesse­rungen der Verfassung. Ohne den vagabundirenden Napoleon ist die Verfassung, und ohne die Verfassung Napoleon nicht zu verstehen. Beide gehören zusammen, wie die horizontale und vertikale Colonne in rrgend einem Tarife, einer Steuertabelle.

Die napoleonische Entdeckung würde einem deutschen Professor Ehre machen. Sie ist eine Folge deS famosen Philosophen, der getheilte» Gewalten, der verschiedenartige« Rechte der gesetzgebende« und ausübenden Gewalt. Ein aus

dem Volke gewählter Präsident hat allerdings das Recht, der Majorität der Volksvertreter seine Millionen Wähler entge­genzuhalten, dem Programm der Volksvertreter das Programm der Wahl zu opponiren. Ein neben der Kammer gewählter Präsident ist allerdings der Anfang eines Königs, Kaisers, eines unverantwortlichen Monarchen. Der kleine Napoleon hat sich das nicht zweimal sagen lassen. Nachdem er sich bis­her hinter seine Minister, hinter die Helden der Majorität verkrochen hatte, nachdem er also bisher nur daS Werkzeug, daS Organ der gesetzgebenden Kammer gewesen war, nachdem er bisher nur zu Zeiten einmal gewagt hatte, auf eigene Faust, wie z. B. im römischen Briefe, zu donnern und zu blitzen, springt er plötzlich hinter seinen Ministern hervor, erklärt er plötzlich der Kammer, daß er der Herr, das Programm, die Verfassung sei, jagt er plötzlich seine Minister zum Teufel, und

Louis Napoleon begnügt sich mit der Einschärfung und Betonung dieser seiner Entdeckung, im klebrigen läßt er Alles beim Alten. Die neuen Minister sind ebenfalls Minister der Majorität, keine Napoleoniden, bloße dumme Jungen. Die Komödie ist vorüber und Napoleon -Jlsebill sitzt wieder an seinem Platze.

Die Parteien stehen, wie sie gestanden haben. Statt der veränderten Politik, die man vom neueu Ministerium und nach der napoleonischen Botschaft erwarten konnte, erklärt das Mi­nisterium Hautpoul, daß die Erbschaft deS Ministeriums Odilon-Barrot antrete, daß es in seinem Sinn regieren werde. Statt der Auflösung der bisherigen Rechten in verschiedene Parteien, sieht die Rechte ein, daß sich im Grunde nichts geändert, daß man zu einer Trennung noch immer Zeit habe.

Um den Lärm zu vergrößern, sekundirte der neue Poli- zeiprâfekt von Paris, Hr. Carlier, seinem hohen Vorgesetzten, Hr. Carlier hat an alle Straßenecken anschlagen lassen, daß ihm der Socialismus ein Gräuel sei, daß er mit Feuer und Schwert dagegen zu Felde ziehen, und die Religion schützen werde. Kein Mensch sieht den Grund dieser Kriegserklärung ein. Die Sozialisten beschränkten sich aufs Zusehen, sie war­ten die Zeit ab. Wozu also diese Polizei- Botschaft " ? Ganz einfach! Wie der Herr, so der Knecht. Der gestiefelte Affe schlägt in den französischen Froschteig, der neue Polizei- Präfekt schlägt dahinter her. Der neue Polizeipräfekt will den Gewürzkrämern die Nothwendigkeit einer klare» Politik bewei­sen, er gibt sein Programm, wie Napoleon daS seinige gegeben hat, Hr. Carlier hat zwei Nebenzwecke. Zu- nächst hat er seinem Privathasse gegen die Sozialisten Luft machen, und zweitens die Spießbürger über das Pro-