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schluße von zwei Dritteln gar nicht hatte beruhigen dürfen, ohne sich dem Verdachte auszusetzen, als habe es die Ansicht gehegt, wenn man nur einmal A gesagt habe, B werde man schon sagen müssen? — Weiß unser Ministerium daS?

Diese Interpellationen sind absolut nothwendig, ehe eS zu spät wird, ehe man aus dem Schweigen, wo man hätte re­den müssen, auf nachträglichen ConsenS schließt. Die Linke muß erweisen, daß das reservirte Veto unserer Kammer eine Täuschung ist, daß also unser Ministerium den einstimmigen Beschluß der Stände noch nachzuholen hat, wenn eS das Land nicht übertölpeln will, und daß eS vorher kein Gesetz ohne landständische Mitwirkung publiziren darf, welches als Aus­fluß der Bündnißstatuten betrachtet werden soll.

Wir wiederholen : die Bündnißstatuten sind noch kein Gesetz für uns, also kaun auf den Grund derselben keine Verordnung erlassen werden.

Die Interpellation ist um so nothwendiger, als das Ge­setz über daS Bundesschiedsgericht bereits VerfassungSverletzungen enthält, als darin z.^B die Competenz der Gerichte verän­dert worden ist, gewisse Streitigkeiten den gesetzlichen Gerich. ten entzogen werden.

Die 17 Deputaten, welche protestirt haben, müssen es als Ehrensache betrachten, in dieser Angelegenheit endlich ein­mal klar zu sehen, eine offene Erklärung der Minister zu er- zwingen.

ES ist unangenehm, genarrt zu sein*).

♦) Ein andermal wollen wir nachweisen, daß unser Ministerium bes­ser gethan hätte, den Ständen in dieser Sache gar keine Stimme zu ge­statten und sich auf die „Gewalt der Umstände", la force des choscs, zu stützen.

Die Weserzeitung und die Nenhessische.

In ihrer Nummer 511 berichten die neuhessischen Polizei­büttel und Kosakenkumpane über die Feier des 9. November in Berlin. Es versteht sich von selbst, daß die Neuhessische gegen die Auflösung der demokratischen Versammlungen, welche den Todestag Robert VlumS begingen, nichts einzuwenden' hat. Das Versammlungsrecht ist eigentlich nur für den Bür- gervcrcin, für die Holop'schen Wünsche und Forderungen, für die Pfaff'sche politische Umschau. Die Neuhessische weiß über den empörenden Manteuffel'schen Absolutismus, über die bru­tale Verhöhnung alles und jeden Rechts nichts anderes zu be- richten, als daß die Berliner Demokraten einen Wachtmeister Kaiser mit einem Stockdegen gestochen und einem Lieute- nant die Hand zerbrochen hätten. Voila tout. Nach der Neuhessischen ist den Demokraten ganz recht geschehen, und für den Stockdegen und das Hand-Attentat verdienen sie wie immer die Verachtung aller Gutgesinnten, monatelanges Gefängniß, geeignete Geldstrafen, wo möglich den Galgen.

Während die Neuhessische sich mit sittlicher Entrüstung von den Pöbelhaften Demonstrationen der Demokraten abwendet, sieht sie mit wahrhafter Selbstbefriedigung und der Begeiste­rung einer alten Jungfer auf die honette Feier, womit der Jahrestag des königlichen Hochverraths, der vernichteten Volks- Hoheit, der vernichteten preußischen, hessischen, deutschen Freiheit, der vernichteten deutschen Einheit begangen wurde, auf die Feier des Brandenburg-Manteuffel'schen Ministerial- Geburtstages. Mit einem Wohlgefallen, so schön und kind­lich, als ob's ihr selbst passirt wär, berichtet sie von den Toasten, welche die „Gutgesinnten" den preußischen Basch­kiren gebracht hätten, von den Blumensträußen, die auf die Minister geschüttet seien, von dem „ Ich bin ein Preuße ", das alle Herzen zu „lautem Beifall" allarmirt hätte, von den Manteuffel'schen Witztoasten, — die jeder Vernünftige für die pöbelhafteste Sottise halten muß, die man nur dem

KonstitutionalismuS ins Gesicht schleudern kann, — von den Hochs und Lebehochs und LebehöchstS und Allerhöchsts auf den alten preustischen Sian, der die lebhafteste Be­geisterung der Versammelten erregt hätte rc. rc. re. Die Neu- hessische weiß sich vor Enthusiasmus über solche Anbahnungen der deutschen Einheit und Freiheit gar nicht zu hallen. Man sieht ihr wahrhaft den Aerger an, daß Kurhessen noch immer nicht preußisch ist, und daß also Hr. Oetker und Pfaff noch nicht „würdig" sind, an der Seite deö Hrn. Manteuffel „Ich bin ein Preuße" zu singen.

Wir haben der Neuhessischen schon öfter ihren Stallknechts­jubel über königlich-kaiserliche Spitzbubenstreiche, über fürst­lichen Vandalismus rc. vorgeworfen, wir haben den ncuhes- sischen Polizisten schon verschiedentlich zu verstehen gegeben, daß sie mit rhrem Gassenjungengejauchze über jeden, auch den frechsten Angriff auf die Märzfreiheit, dem Absolutismus geradezu in den Rachen liefen, daß eö wohlgethan sei, den dermaligen Politiken Komödianleu so wenig als möglich Beifall zu klatschen, daß dieser Kleine-Kinder-Blödsinn geradezu ein weiteres Vorschreitcn in der fürstlichen Barbarei, dem fürst­lichen Uebermuth, der fürstlichen Volksverachtung heraus- fovbei e. Die neuhessischen Lakaien sind unverbesserlich.

Um zu beweisen, „daß Jemand konstitutionell sein kann und deßhalb die Freiheit nicht gerade wie die P est zu fliehen braucht", daß einer trotz seinem KonstitutionaliSmus doch immer noch ein Gefühl für Recht und Gerechtigkeit, einen gewissen Takt, eine gewisse Selbstständigkeit, ein gewisses Mannesbe­wußtsein besitzen kann, theilen wir folgenden Bericht über die Berliner Feier des 9. November aus der WeserzeitUNg, kage der WeserzeitUNg, mit.

Die konstitutionelle, spießbürgerliche WeserzeitUNg schreibt:

Berlin, 10. Nov. Der Jahrestag der Einsetzung des Ministeriums Brandenvurg hat weniger den Ernst der Erinnerung geweckt, wie er so- wohl der gegenwärtigen Lage, als auch dem Rückblick auf die Vergangen­heit entspricht, sondern die Schleusen jener wohlfeilen (neuhessischen) Loya­lität (Stallknechtsergeoeuyeit) geöffnet, wie sie sich in Berlin bei solchen Gele­genheiten breit zu machen pflegt (und in der Neuhessischen als Evangelium gepredigt wird-. Die B cliuer Blätter sind mit endlosen und über­schwänglichen Schilderungen des großen Festmahls im KroUschen Lokal an- gefüill, welchem mehr als 1000 „Gutgesinnte", sowie sämmtliche Minister beiwohnten. Wir brauchen auf die sämmtlich nach der Melodie: „Ich bm ein Preuße" gesetzten Tischreden nicht weiter einzugehen und erwähnen nur, daß der Minister von Manteuffel bei Einzige war, welcher des „Fortschritts/ gedachte. Alles andere troff vom Balsom der loyalsten Allerunterlhänig- tett. La kann man lesen, wie ein „ Hofjuwelier" die Gcsüvle des Lanks und der Verehrung für die Minister ausgesprochen; wie die Frau jenes „Hoflieferanten" dem Grafen Brandenburg „einen frischen Locbeerkranz überreicht, wie dieser darauf in seiner Lank r«de „ dem guten alten preußi­schen Sinn" ein Hurrah gebracht habe. Ferner, wie" ein von demselben Lllerwellsbesinger, dem Hofrath Friedrich Förster, dessn Verseleien un, Person bei keinem Festessen fehlen dürfen, sondern ständige (mit den neu- hessischen Stallknechten verschwägerte) Lohnlakaien blitzen; — wie ein vo tiefem besagten Hofrath gedichtetes Lied: „Hoch Preußens Kriegsherr, gesungen wurde; wie Vater Wrangel, bescheiden alles Verdienst von m) avtehnend, — „ ich habe nur gethan, was der König, mein Herr bei len", Magistrat und Stadtverordnete leben ließ u. s. w. — geißelt die Lachner Zeitung, kein radikales Blatt, im Voraus diese »e ' ner Gesinnungslosigkeit „ Den Einen kommt es gar nicht darauf an, > J sie feiern, wenn sie nur Etwas feiern können. Wenn es nur ein 4” zu essen und Toast- und Festgedichte anzubringen. Sie haben in Vi Redner und Dichter, die sich, wie Dienstboten, für Alles vermietet ) ^ und die ihre Verse für jede Gelegenheit bereit palten. Und diesmal gl dazu einem Ereigniß, und die Verehrer des Tages haben Geld 9^9 können Gedichte und obligaten Enthusiasmus bezahlen. Es ist man ( als Recht, daß der Treubund etwas aufgehen lasse, diesen Tag würdig feiern. Indeß möge das Ministerium nicht übersehen: Die sein gehen, denken nur, daß es bald Nachfolger erhalten werde, und nu welche ihm nicht gratuliren, meinen es noch am besten mit ihm. *•' n nen möchten ihm das Erstgeburtsrecht streitig machen, die Andern es zwar auch nur für ein Kind, möchten es aber gern erziehen. * einem Jahre das Ministerium zur Welt kam, ging ein Stich am ) Herz des Volkes. Der Geburtstag des Ministeriums wurde der tag der nationalen Selbstständigkeit (der Tag der neuhessischen ‘ stehung). In Berlin feiert man das. Der Treubund wird sorgen, d p an andern Orten dieser Lag festlich begangen werde. Das Volk w