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Zweiter Jahrgang.

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Die 1| a t n I I I r.

Saum, Ihr Herren, dem Flügelschlag Liner freien Keele!"

M- 13Ä Kassel, Dienstag, den 13. November 1848.

Die Kleinen und die Großen.

Die liberalen Tölpel haben sich'ö ein - ,für allemal in den Kopf gesetzt:

Die flctncH Dynasten findKwetschenfür- sten", die großen sindHalbgötter"!

So ein Kwetschenfürst, so ein Viertelellcnregent, so ein gekrönter, uniformirter Däumling, so ein". Die libe­ralen Hochverräther wissen nicht Ausdrücke genug zu finden, um den kleinen Dynasten ihre gänzliche Verachtung kund zu thun. Was ist ein Kwetschenfürst gegen den Deputaten Hen­kel in Kassel, gegen Hrn. Oetker, Hrn. Pfeiffer, Hrn. So und So? Ein Kwetschenfürst ist gar nichts, alS einRest", den die Natur in einem Anfalle burlesker Laune gesetzt hat. So ein Däumling ist eben nicht mehr als ein Schuljunge, ein Pudel, ein Jahrmarktsaffe. Er darf sich nicht muksen, ohne daß er gehaarseilt, geohrfeigt wird; für die Anmaßung eines eigenen Willens wird er mit Sporen und Stachelstöcken tractirt. Ein Kwetschenfürst ist ein unglücklicher, an's Land gerathener Frosch, an dessen Kreuz- und Quersprüngen sich die Buben amüsiren, ein angebundener Maikäfer, ein spinnen­des Eichhörnchen, ein ohnmächtiger Menageriewolf.

Die Kwetscheiifürsten müssen abgcineiert werden." Die liberalen Tölpel wissen keinen andern Weg deâ Heils, uemlich zur deutschen Einheit zu kommen, als die stufen­weise, wohlfeile, armselige Discrcdilirung, Verhöhnung, Ver­spottung der kleinen Landesväter, der kleinen Herren von GotteS Gnaden.Wir wollensiedrangsalen, peinigen, knei­fen und knippen, biâ sie von selber gehen", wir wollen ihnen die Hölle so heiß, das Leben so sauer machen, daß sielie­ber Holz hacken, als einem Staatsrath präsidiren", wir wollen ihnen die Reife so enge antreiben, daß sie und um Gotteâ- willen bitten, ihnen die Krone abzunehmen, sie mit der pur­purnen Herrlichkeit zu verschonen.

Nun kenn' ich eure würd'gen Pflichten,

Ihr könnt im Großen nichts vernichten

Und fangt es nun im Kleinen an."

Ja wohl! Die Vernichtung der großen Fürsten ist ein bischen riskant. Der König von Preußen ist ein mächtiger Herr und die liberalen Tölpel können das Schießen nicht er­tragen. Da sie das Pulver nicht erfunden haben, haben sie auch keine Lust, Bekanntschaft damit zu machen. Den König von Preußen kann man daher einen elenden- Komödianten, einen Mörder, einen Menschenschlächter nennen, man kann ihnFriedrich Wilhelm IV.- Nero- Caligula-Tiber" nen­nen , der König von Preußen ist aber immer ein mächtiger

Herr, der seine Krone in ungetrübtem Glanze zu erhalten gedenkt, Friedrich-Caligula ist also weder ein Kwetschenfürst, noch ein Däumling, noch ein an's Land gerathener Frosch. Angesichts dermächtigen Herren" verstecken die liberalen Hochverräther ihre Stachelstöcke fein sachte hinter den Rücken, schnallen sie ihre Sporen ab und nehmen vollkommen die Miene.eines unschuldigen, in Ehrfurcht und Devotion ver­sunkenen Kammerdieners an. Der mächtige Herr komman- dirt: Rechts Richtung! " und die liberalen Möpse drehen ihre Hälse mit der Precision und Selbstoergeffenheit der Fi­gur in einem Friseursladen. Die ungeschwächte Krone befiehlt: Links um kehrt!" und die liberalen Tölpel machen das Manöver mit der Sicherheit und Schnelligkeit der Potsdamer Garde, wobei, wohlgcmerkt, die Stachelstöcke nunmehr ihren Platz vor dem Bauche erhalten.

Für die gottbegnadete, unabänderliche, nothwendige Miß­handlung von Seiten der Großen, für die Fußtritte der hohen Herren, rächen sich die liberalen Knüppelspringer an den Kwetscheiifürsten ". ES ist kleinlich, erbärmlich, gemein, aber angenehm, ist korporalmäßig, aber süß.

Der konstitutionelle Blödsinn bedarf keiner Entschuldigung, keiner Conseguenz, keiner Principien. ES liegt zwar auf der Hand, daß ein Wolf, der seine kleinen Geschwister frißt, sich selbst remis gibt, und daß der König von Preußen, wenn er z. B. den Kurfürsten von Hessen einsackt, sich codi Ile spielt, die liberalen Landsknechte holen aber ein paar GeschichtS- Hefte herbei, und siehe da: Mediatisirungen schaden dem mo­narchischen Princip nichts, nicht im mindesten. Es springt zwar einem Tertianer in die Augeu, daß anno dazumal" und jetzt «in kleiner Unterschied ist, daß die Mediatisirungen die letzten Ausläufer deS GewaltsstaatcS waren, desselben Ge- waltSstaates, dessen vollste Blüthe ein einiges Frankreich, ein einiges England geschaffen hat, daß der Rechtsstaat, auf den sich die liberalen Möpse so viel zu gute thun, mit jeder Media- tisirung, alS einer modernen Rechtsverletzung und keiner feudalen Uebcrrumpelung, gegen die Monarchie selbst, und zwar zu Gunsten der Republik, der VolkSsouveränetät, der schrankenlosen Selbst, bestimmung der Nation Protestiit, die liberalen Tölpel haben aber einmal den Kopf darauf gesetzt, die Kwetscheiifürsten loâ zu werden und eine königliche oder kaiserliche Einheit zu pro- poniren: a!|O müssen die Kwetschenfürsten zum Teufel gehen, nolens volens, in Gutem oder Bösem, nur nicht par la force des armes, durch Pulver und Blei, sondern durch den Apparat, welchen Franz Moor gegen seinen Vater in Bewe­gung setzte, durch Schreck, Aergcr, Angst, Schaam, Furcht, Kummer, Sorge rc. rc. Die kleinen Dynasten weiden zum Teufel geschimpft, chikanirt, maltraitirt, gekwetschenfürstet.