Einzelbild herunterladen
 

722 -

Unvollkommenheiten, welche an unseren Institutionen haften könnten. Gez. LouiS Napoleon Bonaparte."

Autorität, nationale Würde, Religion, Wohlfahrt, Alles heißt in dem Hirn dieses eitlen Gecken: Napoleon. Dieser Namen umfaßt Alles.Mein Vater war ein großer Mann und ich, ich bin sein Neffe." Einige Tage später nimmt er den Obergerichtshöfen deS ganzen Landes den Ver- fassuugseid ab und schickt sie nach Hause mit den Worten: Die Revolution ist vorüber sagen Sie das in ganz Frank­reich!"

Armer Strohkopf!!

Inzwischen spricht Frankreich die politischen Juniangeklagten in Metz frei und in Versailles hofft man ein gleiches Ur­theil. Die Revolution ist vorüber!

Ja, armer Neffe, wenn du dein Onkel wärest! Und selbst dann noch nicht!

Ganz Europa blickt von Neuem mit stummer Erwartung nach dem Krater der Bewegungen, nach Frankreich; in Ber­lin wird einigen Herren bereits das Ding bedenklich.

Oeßei reich Der Finanzminister macht Anleihen.

Der Finanzminister erfindet eine neue Steuer, die Ein­kommensteuer! Allgemeines Entsetzen der Banquiers und Kapitalisten.

Begnadigungen derer, die doch nur ein Jährchen sitzen würden, und fortgesetzte Hinrichtungen der Anderen durch gnädigste» Beschluß des Kriegsherrn von Haynau, Groß­kreuz des kurhessischen Ordens vom goldenen Löwen. Wie war doch das Mährchen von dem goldenen Schlüssel, den Blau- barts Weiber in Blut fallen ließen, und der nicht wieder rein wurde? Blutstropfen an Gold sind unvertilgbar! Ar­mer goldner Schlüssel!

Nächstens silberne Bluthochzeit der Blutherzogin So­phie, Kaiserin Mutter.

Vornehmer Prinzessinnenkougreß zur Beglückwünschung der modernen Maria Medicis und ihres blutjungen Karl IX.

Rußland. Der Czar macht Anleihen, nur 21 Millio­nen Rubel. Furchtbares Staunen aller Kabinette und ge- Heimen russisch-deutschen Hofräthe. Der Czar macht An­leihen? Was wird aus unserer Pension?

Seid doch zufrieden! Dann erhalten ja auch die De­mokraten kein baareö Geld mehr auS Rußland.

Kurhefsen Der Finanzminister macht Anleihen.

Der Finanzminister erfindet neue Steuern.

Sonst Alle» beim Alten. Ministerkrisis. Alle Woche 1 oder 1^ Stündchen lahme Ständesitzung. Prahlereien der Schwarzweißen mit obligatem Zähneklappern.

Plötzlich geht von Berlin das Gerücht, daß die kurhessische Regierung dem Vorgang von Hannover und Sachsen gefolgt sei, und ihren Abgang vom preußischen Einkönigsbund nehmen wolle.

Die Neuhessische erklärt dieses Gerücht sofort unter kon­vulsivischen Zuckungen für eine Abgeschmacktheit, für Erfin­dungen eines Correspondenten ohne alle Disciplin (russisch).

Bald wird sich's zeigen, ob die Neupreußisch-hessische das Ministerium Eberhard und den Kurfürsten wirklich in der Tasche hat, oder die furchtbarste der Blamagen!

Das ganze Deutschland (soll eS sein!), ge­nannt Preußen.

Motto:Das Interim,

Das hat den Schalk hinter ihm."

In Berlin erhalten die konstitutionellen Hasenfüße schallende Fußtritte, ohne daß den schlotternden Lemuren Schaam und Zorn in ihr bleiches Antlitz steigt. Der Minister Man­teuffel läßt ihnen förmlich Vorlesungen halten über ihre Dumm­heit und Arroganz.

Die deutsche Reform muß ihnen schreiben, daß sie, die reiche Bourgeoisie, die Freiheit zwar im Munde führten, und sie dem vierten Stand (den Besitzlosen) vorenthielten, nachdem sie ihn aufgerüttclt zur Revolution. Aber dieser vierte Stand werde ebenfalls seinen Sieyeâ *J finden (wie in der ersten französischen Revolution der dritte Stand). Der vierte Stand, die vergessene Masse deS Volkes, werde erst mit eigentlichem Recht sagen können: Wir sind der Staat! Und unsere Verfassung ist der Kommunismus.

So spricht ein Organ eiues s. g. konstitutionellen Mini­sters. Solche Lehren muß der hohle politische Liberalismus sich von der Reaktion geben lassen.

Ja , der vierte Stand wird nicht blos seine Siepes und MirabeauS finden, sondern auch seine Marrats, Dan­tons und RobeSpierreS. Er wird sie finden, und mag die liberale Bourgeoisie zur Reaktion übergehn, oder nicht.

Wie'S Euch beliebt! Einerlei! die Revolution ist da! und la revolution marche!

Ueberall (Berlin, Leipzig re.). wird der 9. November fest­lich begangen. Konstitutionelle, wo ist Euer neunter Novem­ber? Wo sind Eure Märtyrer? Wo sind Eure Helden? Wo seid Ihr gestorben für Eure papiernen Verfassungen? Ver­zweifelt!

*) Abbs Sieyes ist der Erfinder der Parole:

Was ist der dritte Stand? Alles!

Fürst und Geistlichkeit (erster Stand), Adel (zweiter Stand) wurde da­mit in die Flucht geschlagen, und die Herrschaft der Bourgeoisie begründet.

Leute, die nichts haben.

Das Proletariatan Geist und Herz", oder daS reiche Spießbürgerthum, hat für jede, aus dem Volke hervorgehende Bewegung einen Brandmarkungsstempel erfunden, den eS ihr sofort auf die Stirn drückt, ein neueS T. f. p." der Galeerensclaven:DaS thun nur Leute, die nichts haben !" Daâ waren nur Leute, die nichts haben! * u. f. w. u. f. w.

Der Mann von PhilisterSgnaden will damit nichts anderes sagen, als:

Pfui, solcher , gemeinen Handlung!", und:

Ich, Wir, Unsereiner würde sich zu dergleichen nicht hergeben, einer solchen Handlung nicht , schuldig gemacht haben!" Nein, neinI!!

WaS die empörende Lieblosigkeit dieser Erklamatio- nen *) betrifft , so könnte man darüber hinweggehn, als über eine Sache, die sich von selbst versteht. Man sucht keine Liebe, wo keine zu finden ist. DaS ganze Leben deS Pro­letariersam Herzen" besteht ja in der ununterbrochenen Verehrung zweier Dinge: deSIch" unddeâ Geldsackeâ". "' LiebeSwerke, Thaten der Uneigennützigkeit, kennt der vornehme Proletarier nicht. WaS braucht er sie auch zu kennen?

Er hat Geld " !

Sieht so ein Proletarier einen Kollege» (aber eine in Lumpen), so bestreicht er seine glänzende AtlaSweste, 0 * er fingert gottvergnügt an seiner goldnen Kette, durch­dringt ihn daS Hochgefühl, der reizende Gedanke, daâ selig Bewußtsein:

zu Leuten zu gehören,die etwas haben".

Geht der Proletarier am Herzen an einer Lehmy vorbei, so überfliegt seine Lippen ein spöttisches Lächeln, unnachahmliches, nur ihm verständliches Lächeln. Er I . Vergleiche mit seinemPalaste" an. Bettelt »hn da armeâ Würmchen an, so erhält eS natürlich

*) Die Verachtung und Verhöhnung des Unglücks, Ablage.)