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Preußisch ober deutsch ist jetzt die einzige Frage.

Wer bei dem Dr e ikön igSbunde verharrt, ist ohnmächtig und unselbstständig. Seine Mediatisirung ist be­schlossen, Oesterreich wird sie nicht verwehren. Er verstärkt die Reaktion im deutschen Vaterlande durch seine abgezwungene Stimme, er wird die Stütze das Standrechts, deö Mordö, des permanenten Wortbruchs, mit einem Wort des heuchlerischen, gottbegnadeten absoluten Königthums; er wird in diesem Bunde (gezwungen oder freiwillig, daS bleibt sich gleich) selbst die konstitutionellen Freiheiten vernichten helfen, deren sich Kleindeutschland bereits vor der Märzrevolution erfreute.

Daâ ist die Zukunft für die preußischen Sonderbündler.

Wer von d i e s r m B u n d e z u r ü ck t r i t t, nimmt damit dem Despotismus eine nothwendige Stütze, er sichert die Frei- heilcn feiner eigenen Heimath und die Befreiung und die Größe des deutschen Vaterlandes.

Preußen braucht nur noch G Millionen Unterthanen und die Länder zwischen seinen Rheinprovinzen und seinem Ostland, und die selbständige preußische Großmacht ist fertig, die sich nicht im Geringsten um ein einiges Deutschland rc. zu kümmern braucht, und um dessen konstitutionelle oder demo­kratische Reichsverfassungsgelüste. Wollt ihr euch selbst und eure Kinder mit Haut und Haaren zu diesen Zwecken über­liefern ?

Laßt Preußen vereinzelt, der Zuneigung und der Hülfe der Kleinen bedürftig und der KonstitutionaliSmus wird Riesenfortschritte dort machen, und die einzelnen getrennten Provinzen werden nach wie vor in der Idee deö deutschen Vaterlands, nicht in der eines preußischen Reiches zusammcn- halten.

Laßt die preußische Reaktion allein auf ihrem dunklen Weg fortschreiten, laßt ihr allein den Fluch deS Volkes und die Verachtung der Nachwelt! behaltet ihr den deutschen VolkS-- stämmen das kaum erworbene Recht offen, über den feindseli­gen Geschlechtern der Füistcn zu Gericht zu sitzen.

Sie selbst werden vergebens eine Einigung unter sich ver­suchen. Sucht sie nicht zu versöhnen. Aus ihrer Zwietracht erndtet das Volk seine Eintracht, ihr Kampf ist unser Sieg.

G. Kellner.

Die Ermordeten und Gefangenen in Baden.

Die badische Regierung hat jetzt ein Verzeichnis; der von ihr, oder vielmehr in ihrem Namen durch preußische Offiziere und Unteroffiziere standrechtlich Ermordeten gegeben; wahr­scheinlich glaubt sie sehr milde gewesen zu sein; sie hofft, daß durch Mittheilung der geringen Anzahl der Opfer ihr selbst bei den Philistern geschändeter Name und das projektirte An­lehn um einige Prozent emporfchncllen würde.

Vom G. August bis zum 11. d. M. sind vor s. g. badi­schen Gerichten, d. h. unter Leitung badischer Untersuchungs­richter und Ankläger 49 Verurtheilungen erfolgt. Darunter stnd 17 Todesurtheile, 29 Urtheile auf 10 Zahre Zuchthaus, eines (bei einem Lehrling) auf 5 Jahre Arbeitshaus , und 2 Verweisungen an den ordentlichen Richter. In einem Falle wurde die erkannte 10jährige Zuchthausstrafe in 5jährige Festungèstrafe verwandelt, alle übrigen erkannten Strafen wurden ohne Aenderung des Urtheils vollzogen.

Unter diesen Verurtheilten sind nicht miteinbegriffen die preußischen Unterthanen , welche von dem souveränen preußi­schen Kriegsgericht in Baden dem Tode und den Ketten über­liefert wurden, unter denen Dortu bekanntlich alâ erstes Opfer fiel. Das großherzogl. Morden soll nun aufhören und sich in verhältnißmäßigen Kerker verwandeln, so spricht das Ge­rücht. DaS preußische geht fort.

DaS Volk verehrt in stiller Anbetung die Gefallenen;

ihre Gräber werden mit Blumen geschmückt, sie sind die Schutzheiligen in den Gebeten der Rache und der Erlösung. Ueber den Tod der Märtyrer bilden sich düstere Sagen, die auf die Rache der Zukunft Hinweisen und den Glauben des unglücklichen Volks und sein Hoffen deutlich bekunden.

So heißt eS vom Lehrer Höfer, der in Folge falscher Zeugnisse erschossen sein foH ^ er habe, nachdem ihn fast alle Kugeln der Feuerrohre durchbohrt hatten, seine aufrechte Stellung behalten und mit dem Zeigesinger der rechten Hand dreimal nach dem Himmel gezeigt. Hierüber habe der kommanvirende Unteroffizier sich in der Art entsetzt, daß er seinen Waffenrock in Fetzen zerrissen und ausgerufen habe, so wahr Gott im Himmel sei, lasse er sich nicht mehr zu solchen Diensten verwenden. Er sei sofort in die Kasematten gebracht worden. Eine andere Anekdote betrifft den erschos­senen Karabinier CuniS auS Pforzheim, welcher wie sich indeß herausgestellt habe ebenfalls in Folge falscher Zeug­nisse unschuldig verurteilt worden sei. Cunis habe vor sei­nem Tode geschworen, den gegen ihn ausgetretenen falschen Zeugen und seinen Richtern keine Ruhe mehr lassen zu wollen. Sein Gerst habe bald darauf in dem Zimmer, in welchem sein Urtheil gefällt worden sei, fürchterlich rumort, so daß die Kanzlei in ein anderes Zimmer verlegt worden sei. Er ver­folge aber die Richter durch alle Zimmer deö Hauses. Einer der gegen ihn aufgetretenen falschen Zeugen habe sich aus Verzweiflung erschossen und die übrigen haben freiwillig be­kannt, daß sie falsch geschworen haben".

So erzählen Flüchtlinge.

Furchtbare Schilderungen aber entwerfen sie von der Lage der Gefangenen. In der Klage über schlechte Behandlung der Gefangenen herrscht unter ihnen nur Eine Stimme; ebenso über die Eigenmächtigkeit und Voreiligkeit rc., mit welcher die standrechtlichen Urtheile gefällt und vollzogen werden. Es sollen eine Menge Fälle bekannt sein, in welchen die Ange­klagten unschuldig verurteilt und erschossen worden feien ; ja eS sei ein zum Tode Verurtheilter, bei welchem aber daS ba­dische Kriegöminiftcrium die Bestätigung des Urtheils sich vor­behalten, erschossen worden, ohne daß die Bestätigung abgc- wartet worden wäre. Tags darauf sei sofort von Karlsruhe die Begnadigung des bereits Erschossenen zu zehnjährigem Zuchthaus emgetroffen! Mit den Eiden werve ein schauder­haftes Spiel getrieben. Falsche Eide seien an der Tagesord­nung und werden von Einzelnen, welche sich gewerbmaßig da­mit abgeben, gegen Bezahlung abgelegt.

Es ist bekannt, wie viele durch kühne Flucht entkommen sind, namentlich auS Rastatt; Mancher ist bei einem solchen Fluchtversuch erschossen. DaS Gelingen derselben hat jetzt zu den schauderhaftesten Vorsichtsmaßregeln geführt; sobald sich ein Gefangener an einem Fenster zeigt, hat die Schildwache den Befehl, nach ihm zu schießen; sobald in einer Kassematte Lärm oder Geräusch entsteht, wird hinein geschossen. Wsrd Einer der Unglücklichen getroffen, so erhält der Posten eine Belobung , wird Keiner getroffen, so erhalten sämmtliche Ge­fangene vier Tage lang Wasser und Brod zur Strafe, daß Keiner gemordet wurde.

Auf welche Weise die preußischen Herren Offiziere ihrer Mannschaft mit trefflichem Beispiele vorangehen, wird folgende Rede deö preußischen Majorö v. Weltzin zeigen, deö früheren Kommandanten von Rastatt, ein Superlativ der Rohheit un Dummheit, der Bestialität eines GamaschenritterS, der Rich, kennt und weiß, als seinen Kriegsherrn, den jutcn König von JotteS Gnaden, und sich selbst als dessen maschinenmäßige Mord- und Zuchtruthe. Die Rede lautet:

Unteroffizier, sind die Zündhütchen aufgesetzt? (Ja svoy Herr Kommandant.) So laßt sie heraustreten die ^anat V Vorwärts, die Mützen herunter, ich will Euch Ordnung ey ren, verfluchtes Galgengesindel! Den Ersten, der sich von