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Zweiter Jahrgang.

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Raum, Ihr Herren, dem Flügelschlag Einer freien Keele!"

US 132

Kassel, Dienstag, den 6. November

1849.

Deutsch oder Preußisch.

Diese Frage ist permanent!

Sie durchläuft von Tag zu Tag nur neue Stadien. Im Anfang dieseâ Jahreâ war es noch möglich, stch über die eigent­liche Bedeutung der Sonderbündnisse und der Gcgcnbcstre- bungen zu täuschen. Damals war noch die Rede von einem deutschen Bundesstaate unter dem Vorsitze Preußens, von einem Reich und einem Reichstage. Jetzt aber, wo ans dem DreikönigSbündniß der oktroyirte Ein könig S bun d ge­worden, wo daS Reich zur Verbindung einiger ohnmächtigen Kleinstaaten mit dem Königreich Preußen zusammengeschrumpft ist, jetzt, wo selbst ein Radowitz nur von einem Verein, vom Kern des zukünftigen (preußischen Kaiser-) Reichs reden muß: jetzt beginnt selbst bei den eingefleischten Central­menschen und Reichötölpeln die Einsicht zu dämmern, daß all' ihre rasche und kühne Entschlossenheit nur als Folie für preußische Anmaßung und Sonderbestrebung gedient hat.

Und während sich ein konstitutioneller Staat nach dem andern von dem aufgezwungenen Bündniß mit demgemil­derten" Absolutismus trennt, während Oesterreich *) und Preußen einen neuen Bundestag decretirt und offen die Dop- pelhegrmonie der Habsburger und Hohcnzollcrn verkündet haben, während in Berlin selbst noch die letzte Form des Konstitu- tionaliömuS mit frecher Hand zerbrochen, und dem matten Protest der Doktrinäre die Auflösung der Kammer und die Bajonettemeines herrlichen Kriegsheeres" unter kaltem Hohngelächtcr entgegengehalten werden, während aller die­ser Ereignisse giebt einige kleine unglückselige Staaten, deren s. g. konstitutionelle Regierungen weder die Kraft, noch den Stolz besitzen, sich auS dem Rachen deS Absolutismus zu erretten!

Zugegeben, die Furcht habe euch verblendet, ist nicht der Augenblick gekommen, wo daS Gewitter, das über unsern Häuptern schwebte, sich zertheilt hat? Seit Ungarns Fall ist der gelähmte Arm Oesterreichs genugsam erstarkt, um die Selbständigkeit der Kleinen zu schützen und zu decken. Die Eifersucht der großen Rivalen ist die Rettung der Kleinen. Aber freilich, sie müssen sich erhalten wollen! Volenti non fit injuria 1 Dem Zustimmenden geschieht kein Unrecht.

Zugegeben auch, die Kurzsichtigkeit der Kleinpolitiker habe wirklich jenes DreikönigSbündniß für die nothwendige Entwick­lung deutscher Einheit gehalten, sie habe vertraut, um

*) Daneben protestirt es gegen jeden s. g. Reichstag in Erfurt re. Ist Preußen sehr angenehm. Der Berwaltungsrath in Berlin reicht hin zur Mediatisirung.

sich ihrer Furcht nicht bewußt zu werden; ist nicht jetzt der Augenblick gekommen, wo die Schaam endlich die Herr­schaft über jenes blinde und feige Vertrauen davongetragen?

In diesem Augenblicke, wo die reaktionäre Partei durch Manteuffel den konstitutionellen Ccntralmcnschen ihre ganze Verachtung in's Antlitz geschleudert, wo der nackte Despotis­mus hohnlachend die armseligen Schranken konstitutioneller For­men in Berlin zertrümmert, in diesem Augenblick gilt es, daS Herz mit neuern Muth , mit neuer Kraft zu stählen oder sich verloren zu geben.

Der Urtheilsspruch der Gothaer Partei ist gesprochen. Von der Demokratie verdammt und von der Reaktion verachtet, verhöhnt und verspottet in ihrer Ohnmacht, hat sie aufgehört zu eristiren. Der Kaufpreis für ihren feigen Verrath ist ihr entrissen.

Wer jetzt nicht daS verlorene Ehrgefühl des Mannes wie- dersindet, wer jetzt nicht auS der unterthänigen Stellung eineâ Hohenzollern'schen Bedienten zur freien Opposition gegen die Oktroyirung übergeht, der muß unbedingt als blinder Sklave zur Fahne der Säbclhcrrschaft, dcö Junkerthumâ, der Muckerei und des Belagerungszustands schwören.

ES gibt Leute, welche vorgeben, sie dürften ihr Wort nicht brechen, Leute, die hundertmal ihr Wort brachen, wo die Furcht ihnen gebot, und die eS nun auS demselben Grund nicht brechen, obgleich der Pakt von der andern Seite ge­brochen, obgleich man Schimpf und Schande auf ihr Haupt häuft, anstatt das ihnen verpfändete Wort zu lösen. Solchen schwachsinnigen Jammergestalten verwandeln sich selbst die Fußtritte, die sie erhalten in Gnadenbezeugungen fürstli­cher Milde und Herablassung. Mit ihnen haben wir Nichts zu schaffen.

Wer noch Anspruch auf den Namen eines Mannes machen will, der wird sein gutes Wort zurücknehmen, wenn es miß­braucht wird, wenn es zu seinem eigenen Untergange gegen ihn selbst Dienste leisten muß. Wer hier noch von Vertrauen faselt, ist ein armer Tropf, wer hier sogar von raschem und entschlossenem Sichfügen unter die Knute des Gewaltigen zu schwätzen die schaamlose Stirn hat, ist ein verächtlicher Ehr- loser. Solchen Schimpf häuft er auf sich selbst durch seine Thaten.

Wer ein Mann sein will, der sagt sich loS vom preußi­schen Einkönigs-Sonderbund, seitdem klar wird, daß sein Wort mißbraucht wird, um über ihn selbst, ohne sein Wissen und Willen den Stab zu brechen, seitdem die Groß­macht Preußen in seinem Namen als souveräner Vorsitzender des VerwaltungSrathâ nach Belieben den alten Bundestag wiederherstellt, ausbaut und vervollkommnet.