Einzelbild herunterladen
 

Dieses Blatt wird Dienstag«, Donnerstags n Sonnabends (die einzelne Nr. gegen den Betrag von 9 Hlr.) ausgegeben. Die Expedi­tion befindet sich in der obern En- lengasse Nr. 13'2. Der Abonne- menrspreiè ist vierteljährl. 18 Sgr.

^weiter Jahrgang.

Durch alle Postämter zu bezie­hen. Inserate aller Art werden ausgenommen u. die Spaltenzeile mit 1 Sgr., bei wiederholter Ein­rückung m. 8 Hlr. berechnet; diesel­ben sind in der Erpedition abzuge­ben, woselbst auch abonnirt wird.

or N i

Raum, Ihr Herren, dem /lügelfchlag Tiner freien Seele!"

S- 130« Kassel, Donnerstag, den 1. November 1949

fc^ Abonnements für die Monate November it. Dezember, a 12 Sgr., werden in der Expedition d. Bl. für Kassel und die Umgegend angenommen. Die Abonnenten erhalten das Blatt vom Tage der Bestellung an.

Bei der großen Verbreitung der Hornisse, namentlich hier in Kassel, eignet sich dieselbe vorzüglich zu An kündigungen für die bevorstehende Weihnachtszeit. Abonnenten erhalten 25y Rabatt.

Die Expedition derHornisse."

Ein Gedicht von Gottfried Kinkel.

An meinen Vater zu seinem fünfzigjährigen Lchrcrjubitäum,

Heut auf ein halb Jahrhundert Schaust, Vater, du zurück, Und selber still verwundert Betrachtest du dein Glück. Dir fiel daS LooS, zu lehren Die Welt, die sich erneut, Und drei Geschlechter ehren In dir den Meister heut.

Die Bahn ward angefangen In wilder KampfeSzeit;

Eh' sie zum Ziel gegangen, Erneut sich Völkerstreit. Doch in den schlimmsten Tagen Blieb treu dir Ein Gewinn: Du hast davongetragen DeS Friedens milden Sinn.

Du ließest andere raffen Nach Glanz und RuhmeSpreiS; Mehr Frucht hast du geschaffen Durch stillbescheid'nen Fleiß. Du hast in manchem Geiste Der Bildung Keim gelegt, Daß er daS Größte leiste, DaS Kleinste treu gepflegt.

Und drum, welch froh Gedränge Füllt heute Weg und Strom! ES faßt der Pilger Menge Zum Feste kaum der Dom.

Es nimmt der Zug kein Ende, Ein jeder drängt sich zu: Vergessen Kleid und Stände Denn alle lehrtest du.

Vom Kranz die Stirn umgeben, Der rüst'geu Arbeit Preis, So stehst du heut im Leben Ein hochbeglückter Greis!

Dir blieb im Herzensgründe

Ein Stachel nur zurück DaS ist die tiefe Wunde Um mein zerstörtes Glück.

Ich weiß ja deine Treue, Die deinem Sohn du hegst, Wie du um mich auf's Neue Tagtäglich Leide trägst.

Von allen meinen Schmerzen DaS bitterste ist dieS, Daß deinem frommen Herzen Ich diese Wunde riß.

Nicht sind's des BluteS Triebe, Waö uns zusammenband, Du hast auö freier Liebe Mich deinen Sohn genannt. DaS Höchste, waS ich habe, Mein Weib, du gabst es mir, Und hast mit dieser Gabe Mich eingepflanzt bei dir.

Doch, Vater, laß dein Trauern, Schau heute froh zum Licht! Trotz meinen Kerkermauern Geschieden sind wir nicht. Mein Sehnen wird gelinder Und sanfter wird mein Harm; Ich weiß ja meine Kinder Auf deinem treuen Arm!

Dich schau ich durch die Fernen, Wie du den Knaben lehrst Und ihm das erste Lernen In heitres Spiel verkehrst. So wunderholde Güte War stets ja deine Art; Du schonst deö Geistes Blüthe, Und sei sie noch so zart.

de» 7. September 1849.

Wie schon der kleinste Bube Die Aermchen nach dir streckt! Wie in der Arbeitsstube DaS Mädchenpaar dich neckt Die ältre hold von Launen, Mit Augen blau und mild, Die jüngste mit den braunen, Mein feurig Ebenbild!

So laß denn in den Meinen Mein Bild sich dir erneu'n; Dein Alter lass' die Kleinen An meiner Statt erfreu'«.

Und wenn sie heut dich ehren, Mit Band und Blumenstrauß, Dann presse mein Entbehren Dir keine Thräne aus!

Die Muse schirmt den Dichter, Der Prachtgewänder spinnt; Oft wurden herbe Richter Durch Lieder mild gesinnt. ES hat manch kühner Sänger Gezähmt des Lehnsherrn Zorn; Drum gräme dich nicht länger Denk' an Bertram de Born!

Die Kugel, welche fehlte Mein Haupt in StreiteSooth, Sei dir ein Pfand: mich wählte Zur Sühne nicht der Tod. Drum banne heut die Sorgen Um deines Sohnes Loos: Mein Schicksal ruht geborgen Ju guter Götter Schooß!

Rastatt, den 29. August 1849.

G. Kinkel.