Einzelbild herunterladen
 

— 699 —

Preußen alle Grenzen übersteige, --und wir sollten nicht an unserem Kurfürsten bangen???*)

Ein längeres Verharren beim Königsbunde ist von jetzt an nichts anderes, als ein offenbares Attentat--auf — eben — diesen — Kurfürsten!!! — DaS .ist ein­leuchtend!!!

H. Heise.

Herr v. Radowitz und der Kongreß zu Laibach. (1849 und 1821.)

Alle Revolutionen sind verflucht, die „edeln" wie die „unedeln", die „heiligen" wie die „unheiligen", die Revo­lution der Professoren wie die der Rothen. In den Augen der Diplomaten sind Gagern und Jordan, Eberhard und Wip­permann dieselben politischen Schurken, als Heckerund Struve, Blanqui und RaSpail.

Wozu also das Brüsten, daâ Vornehmthun, wozu das Schreien über Reaktion und Contrerevolution? Ohne die to­tale Ausrottung der Träger und Rückhalte der alten Diplo­matie, ohne die gänzliche Aufhebung der Monarchie, ohne die radikale Revolution ist die radikale Contrerevolution eine voraus angekündigte Strafe, eine vorausbestimmte Entgeltung, die festgesetzte Rache.

Auf dem Congreß zu Laibach erklärten die Monarchen: „Alles Bestehende erhalten — daS muß der unwan­delbare Grundsatz unserer Politik, der Anfangs- und der Endpunkt unserer Beschlüsse sein!" und weiter: „Die Mo­narchen werden jede angebliche Reform, die durch Empörung bewirkt wird, alS gesetzlich ungültig betrachten", und weiter, ein Jahr später, auf dem Congresse zu Verona: „Die Monarchen sind entschlossen, die Maxime der Re­bellion, an welchem Orte und in welcher Gestalt sie sich auch zeigen möchte, zurückzuweisen."

Das ist deutlich. Der Revolution gegenüber wollen die Monarchen nicht eher ruhen, bis die Contrerevolution voll­endet, bis der status quo, bis daS „früher Bestandene" wieder hergestellt, bis den Nationen ad oculos demonstrirt ist, daß die Monarchen die Herren sind.

„Ich bin der Herr, mein ist die Rache."

Die Maximen von Laibach und Verona sind die Maximen von heute, sind die ewigen Maximen der Dynasten, die Maximen der heiligen Allianz, der Fürstcnverschwörung von 1849. Kai­ser Nikolas hat den Dynasten, wenn sie dieselben vergessen haben sollten, diese Prinzipien wieder inö Gedächtniß gerufen. Zeuge deS ist Hr. von Radowitz.

Herr von Radowitz antwortet in der preußischen Kammer dem Hrn. von Beckerath:

„Wir haben den Aufruhr auch da niedergeworfen, wo

„ er die Gegner unseres Einigungswerkes traf."

Ist das auch deutlich? Der Aufruhr muß bekämpft wer- den, „an welchem Orte und in welcher Gestalt er sich zeigt". Hr. von Radowitz ist ein gelehriger Schüler. Er ist sonst eben kein Anhänger des Legitimitätsprinzips , aber der heilige Nikolaus hat ihm Sitte gelehrt: Der Aufruhr als solcher ist ein Verbrechen.

Wer zweifelt nun noch an dem gottseligen AuSgange der Märzrevolution ? Wer sieht in den preußisch * österreichischen Komödien nicht eine achtungswerthe Offenheit im Bekennen der Laibach- Verona'schen Prinzipien? Die Schuld der Revolution muß an die Contrerevolution bis auf den letzten Heller bezahlt werden, bis auf den status quo, bis — auf den — status quo ! Merkt's euch.

Der Bettags zettel.

Wer hat die diesjährige Buß-, Bet- und Danktagsan­weisung verfaßt? Antwort: ein Pfarrer!

An und für sich ist gegen die förmlichen Recepte für Buß-, Bet- und Danktage nichts einzuwenden; es sind daS gemüth­liche Ueberreste aus der glücklicyen Agendenzeit, aus der Zeit der Formalien und Fatalicn, der kirchlichen Miliz, des reli­giösen Gamaschendienstes.

Eine freie, unabhängige, selbstständige Kirche kann machen, was sie will, sie kann ihren Glauben wie eine Nonne einmum­men , ihre Gebete wie Klystire verordnen, sie kann also auch Buß-, Bet - und Danktagsterte rc. anfertigen.

Wenn aber eine Kirche noch nicht so eigentlich frei ist, noch so einen Beigeschmack von Staatskirche hat, wenn die Lehrer am Worte Gottes noch vom Staate ernannt, ein Konsistorium noch oktroyirt wird, so ist ein vorgeschriebener Text keine kirchliche, sondern eine politische Bekundung, so ist ein vorgeschriebeneS Räsonnement gegen politische Richtungen nicht eine Offenbarung einer religiösen, sondern einer politi­sche Richtung, ein Mißbrauch der Kirche, eine Verknöcherung der Kirche, eine Entweihung der Kirche, so wird damit die Kirche wieder, wie zu den seligen Zeiten des preußischen Fried­rich, zur Magd, zur staatlichen Polizei, zur politischen Büt« telanstalt erniedrigt.

Der diesjährige Bettagszettel schreibt den Pfarrern vor, zu lehren, daß die heurige politische Einrichtung der Welt, der dermalige Lauf der Dinge, die dermalige Ungleichheit im Besitz und Genuß Rathschlüsse deö Allmächtigen seien, gute Gaben Gottes, weise Vorkehrung des Herrn!

Das ist nun freilich total unchristlich und unbiblisch, da nach der Bibel, wer zwei Röcke hat, einen abgeben soll, fer­ner auch in dem Gleichnisse vom Weinberge eine sehr accep- table Gleichheit deS Arbeitslohnes gepredigt wird, — — indessen kommt es auf das Christliche und Biblische gar nicht an, sondern nur auf die Frage: wer den vom Staate bestellten Pfarrern vorschreiben kann, politische und sociale Controversen auf der Kanzel zu verhandeln, und zwar im Interesse einer Partei?

Wie gesagt: die freie Kirche kann lehren, was sie will, die StaatSkirche nicht. Wenn der Staat für seine Politik Propaganda machen will, so kann er dazu Zeitungen, Volks­versammlungen, Landtagskommissare rc. als Organe benutzen, die Kirche ist sein Organ nicht!

Daß sich die Pfarrer um den ganzen BettagSzettel nicht zu bekümmern brauchen, bedarf keiner Frage.

Die Hyäne von Haynau — seine Mutter war eine un­verantwortlich verführte arme Hanauerin — werden wir nicht in unserer Mitte sehen. Hochdieselben werden definitiv in Ungarn, als seinem Mordrevier, eingepfercht werden.

D r e i Unglückliche sind wieder gehängt. (Congreß von Laibach ! Das Geschrei des liberalen Blödsinns fruchtet nichts. Blut, Blut, und aber Blut!)

Gagern hat auch in Hamburg gepaukt; wie verlautet, zu seiner größten Zufriedenheit.

Ueb' immer Treu und Redlichkeit

Bis an dein kühles Grab;

Und weich nicht vor der Dunkelheit

Von GotteS Wegen ab.

Nach der Ansicht der Neuhessischen würde Bayrhoffer durch seinen Antrag auf Zurücktretung vom preußischen Bunde die hohe kurhessische Ständeversammlung lächerlich machen. Wir erlauben uns die bescheidene Anfrage, ob es möglich ist, einen