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Zweiter Jahrgang.

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Hornisse.

Naum, Ihr Herren, dem Flügelichlag Tiner freien Keele!"

M- 128.

Kassel, Sonnabend, den 27. Dekoder

1849.

Das Interim, der Verwaltungsrath, die Einheit, die Zweiheit, die Kaiser, die Könige, die Tölpel und die Uebertöl- pelten.

2.

Die Nationalversammlung zu Frankfurt war souverän, weil daS Volk, die Nation, souverän ist.

Daâ Wortsouverän" heißt hier nichts weiter, als selbst­ständig und selbstherrlich, die Kraft und den Willen der Selbst­bestimmung in sich tragen. Diese Souveränetät steht in direk­tem Widerspruch mit der angemaßten oder geschenkten Thron- souveränetät der kleinen und großen Tyrannen von Gottes Gnaden.

Die ewige , heilige und unverletzliche Majestät des Volkes, die Freiheit des menschlichen Geschlechts ist die Vernichterin der großen und kleinen besternten, behermelinten und gesalbten Majestäten und Hoheiten. Die souveränen Fürsten sinken vor dieser göttlichen Gewalt sofort auf die Stufe der Be­amtenschaft, der erblichen oder der gewählten, wenn sie nicht die Stufen des Schaffots beschreiten müssen, oder im Exil demselben entrinne».

Aber die Majestät deö Volkeâ ist vergleichbar dem schlum­mernden Helden, über dessen Haupt der ewige Verrath die rastlose Wache hält; bis ihn der Rus: Simson die Phi­lister über Dir! aus seinem tiefen Schlafe emporjagt. O, wenn erwacht! mit einem einzigen Eselskinnbacken schlägt er die ganze Rotte Chora in die wilde Flucht mit sammt ih­ren Kebsen und Kebskindern, mit sammt ihrem Schmarotzer- geschmeiß von Edelbuben und Dieben.

Ja, wenn er wacht, Hal er die Macht und die Waffen! Und damals schien eS fast so in jenen scharfen März- tagen.

Reizet den Löwen nicht!" winkten und flüsterten die Bedrohten. Nur behutsam, langsam, leise, bis er von Neuem in seinen alten Zauberschlaf gewiegt bis er sich selbst mit seinen alten Mährchen, die er auS seinem stumpfen Träumen in seinen halbwachen Zustand mit herüber genommen, bis er sich mit seinen alten Sagen und Sängen von seines Kaiser- NeicheS Herrlichkeit, vom ewigen Heil, von seinem gebannten Barbarossa , selbst in neuen Schlummer und in die alten Träume gesprochen und gesungen.

Undsogeschahes! O, das Volk ist ein Held und ein Kind! Hört ihr das heisere Hvhngelächter der Betrüger, der Heuchler und Lügner! Wie sie triumphiren in ihrer

teuflischen Besessenheit, wie sie sich wälzen voll Wollust auf ihrem rothen Gold, wie sie lästern, mit ihren verruchten Lip­pen Gebete stammelnd und mit blutrauchenden Händen dem erzürnten Gotte Opfer bringend, Opfer des Gehorsams, der Treue, der Liebe und des Glaubens: Mensc1)enopfcr.

Ja, das Volk ist ein Kind. Doch daö Kind ist jung, ihr aber, Verworfene, Mörder, Vampyre der Erde, seid alt und das heiße Blut der Heiligen und Gerechten, daâ euer selbstgeschändeter, verdorrter Leichnam voll rachgieriger Lust in sich aufsaugt, wird sein wie daâ Feuer der Hölle, daö von Innen euch verzehrt und verbrennt zu Moder und Asche.

Ja, daö Volk ist ein Kind! Köstlich leicht ist dieser junge Tölpel zu täuschen!

O es muß sehr leicht' sein. Denn selbst der gute Johannes, der daS Pulver bekanntlich nicht erfinden würde, wenn eS uicht schon da wär', obgleich'S die Fürsten so nöthig haben selbst der biedere Reichöverweser hat diese Kunst verstanden und glücklich darin sein Meisterstücklein vollführt.

Man merke!

Der Herr Johannes ließ sich natürlich mit großem Ver­gnügen von den besten Männern der Nationalversammlung zum Reichöverweser stempeln. DaS war der erste Hoffnungs­strahl der Fürstenclique.

Aber waS thaten Se Kaiser!. Hoheit, als sie nach Frank­furt zu kommen geruhten?

Sie spazierten nicht in die Nationalversammlung, sonder» in daS PalaiS des alten Bundestages, wo die versammelten Diplomaten, an ihrer Spitze der Hr. v. Schmerling, diese alten Verrälher deâ Vaterlands , ihm dieverfassungsmäßigen Befugnisse des Bundestags" übertrugen.

So hatte der Reichöverweser seine Macht von den Stell­vertretern der Fürsten, so war der deutsche Michel auf die köstlichste Art um seine Volkssouveränetät betrogen, und eS war ein fortdauerndes kannibalisches Vergnügen für die Allerhöchsten Herrschaften, wenn die übertölpelte National­versammlung sich einbildete, als ob sie den Neichsverweser erschaffen, ohne zu merken, daß man Alles in dem alten Geleise erhalten hatte. So wurde denn das ganze Treiben dieser Ver­sammlung vor Allerhöchsten Augen zu einem FastnachtSspaß, zu einem närrischen Lustfeuerwerk, dessen Weißfeuer, dessen springende Frösche und Knallerbsen und dazwischen die vertrauens­vollen Hanswurstsprünge der besten Männer den fürst­lichen Zwerchfellen manche Ergötzlichkeiten bereiteten, wenn sie auch zuweilen bei einem plötzlichen Kanonenschlag zusam­menfuhren.

Der Reichöverweser hatte vor der Auflösung des Bundes­tags erklärt: