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^weiter Jahrgang.

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Vaum, Ihr Herren, dem Flügelschlag Liner freien Keele!"

M- 127. Kassel, Donnerstag, den 25. Dctober 1848.

Das Interim, der Verwaltungsrath, die Cinheit, die Zweiheit, die Kaiser, die Könige, die Tölpel und die Uebertöl- pelten.

1.

Schwachheit, dem Name ist Weib", sagt Schiller.

Lebte der große Dichter in unsern Tagen, sein Spruch wurde heißen: Schwachheit, dein Name ist deutscher Mann! Blödsinn, dein Name ist deutsches Vertrauen!

Nein, nicht blos Mann cs ist zu wenig bester Mann! Haben nicht d i e deutschen Männer sich selbst die Besten der Nation genannt, die vermittelst Dahlmanns knöchernen Professorensingern die Politik auf daS MaaS der gegebenen Zustande zurückgebracht hatten.

Und haben sie nicht durch denselben Dahlmann und seine College« unter der Protektion deS kleingermanische» Donner­gottes von Gagern die Zustande vorher selbst auf den Maasstab ihres verkümmerten Hcrzcnö zurückgebracht?

DaS zurückgebrachte Vaterland mit sammt seiner zurückge­brachten Politik wurde darauf mit leichter Mühe von den Säbelherrschern in das fürstliche Haus geschlachtet und den besten Männern durch wohlgemeinte allergnädigste Fuß­tritte gelehrt, daß nun der gehörige MaaSstab gefunden sei.

Die besten Männ erfühlten sich wohl dadurch beleidigt? O bei Leibe nicht. Sich beleidigt fühlen ist gemein, ist pöbelhaft. Beste Männer fühlen sich nie beleidigt von Fürsten und dergl. Geschöpfen, sie folgen der politischen Noth­wendigkeit, sie dulden und verzeihen. Mit allerdankbarster Rührung empfangen sie die ihnen von heiligen und unverletz­lichen Absätzen zugedachten n othwendig en Tritte, mit allerunterthänigsten Bücklingen schwören sie neues Vertrauen auf die Wundenmale königlicher Mißhandlung; mit den Worten des Trompeters im Gedicht:

Mein Kaiser hat mich angelacht!

Und mir ein Kompliment gemacht!

sind sie bereit, für ihren zukünftigen Kaiser zu trompeten, wo er eS befiehlt, in Gotha, in Berlin, in Kassel oder in Lich­tenstein.

Es war ihnen eine angenehme Pflicht der Erholung, po­madig nach Gotha zu reifen, nachdem sie eben Halâ über Kopf von Frankfurt fortgerannt waren, eS war ihnen ein wah­res Labsal, ein lustiger politischer FastnachtöschmauS, nachdem sie eben mit Verlust von 60 Prozent Erbweisheit und Pro-

fefforengelahrheit ein großes Verfassungswerk vollendet, nun eine oktroyirte Karte, die ihnen selbst keinen Schweißtropfen kostete, mit in den Kauf zu nehmen, zu prüfen, zu bedekla- miren und zu loben, sintemalen darinnen sich einige Brocken «uS ihrem eignen Machwerk vorgefunden.

DaS größte Räthsel der Natur ist ein deutscher Gelehrter. DaS Einfachste ist ihm das Verhaßteste; das Natürlichste daö Gemeinste. Waö? Das StaatSrecht von Deutschland sollte rund und nett in einem Büchlein Oktav enthalten sein? Nein, bei den Sternen ! das ist kein Werk der gelehr­ten deutschen Nation würdig! Laßt die Russen oder die Amerikaner an der Einfachheit ihrer Gesetze sich erfreuen. Deutscyland ist größer. Deutschland ist der Erfinder der Buch­druckerkunst und deS S chießpu lverS, setzen die Fürsten hinzu.

Diese beiden Umstände bringen unsere Gelehrten eiueStheilS zu ihrer enormen Zopffruchtbarkeit und anderntheilS zu ihrer merkwürdige« Schnellfüßigkeit und Schmiegsamkeit des RückgradS.

Alles Verleugnen der Grundsätze und der Ehre fallen bei ihnen unter das Gesetz der äußeren Nothwendigkeit, die von der innern eben so weit entfernt ist, wie Furcht und Lumpig­keit der Seele von Manneswürde und freier Selbstbestimmung.

Alle unauflöslichen Widersprüche, alle haarsträubenden Lü­gen fallen bei ihnen auf Kommando ihres Hasenherzens und der eingefleischten Unterthänigkeitsmanie unter die Rubrik: vertrauensvolle Hinnahme ".

Vertrauen! Vertrauen! Vertrauen auf die Ehrlichkeit der Dynastie Hohenzollern, aus ihren reinen, ihren edlen Willen, auf ihre aufopferungsbereite fürstliche Gesinnung.

Lacht nicht über diese Schwächlinge! Sie sind unser Unglück, sie sind deS Vaterlands Verderben! Eh' ihr Ge­schlecht ausgerottet oder unschädlich gemacht ist mit Stumpf und Stiel, ist die verlorene Ehre unrettbar, ist kein Heil zu erwarten.

Haltet sie nicht der Besserung für fähig. Sie leiden inö- gesammt am Marasmus senilis, an der Altersschwäche der Vergangenheit und an deutscher Bedientenrückenmarkserweichung und Verkrümmung: /

Sie schlendern elend durch die Welt,

Wie Kürbisse, von Buben

Zu Menschenköpfen auSgehöhlt,

Die Schädel leere Stuben!

G. Kellner.