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Gerichtshöfe stellen werden, entnehmen wir aus der Neuen Deut» schen Zeitung Folgendes:

„Zuerst werden die Persönlichkeiten der einzelnen Ange­klagten kvnstituirt, deren Zahl sich im Ganzen auf 67 be­läuft, von denen aber 37, also über die Hälfte, abwesend; dann folgt der allgemeine Theil der Anklage.

Die Republik, beginnt er, welche im Jahre 1848 gegrün­det wurde, sah als Gegner bald jene angeblichen Demokra­ten, welche, die ewigen Regeln des sozialen Lebens verken­nend , sich überall und zu allen Zeiten als die unversöhnli­chen Feinde von Ordnung und Gesetz gezeigt haben. (Der Anklageakt hat eS wohl vergessen, daß gerade diese „angeb­lichen Demokraten", von denen ein Theil fetzt auf den Bän­ken der Angeklagten sitzt, ein anderer in den Gefängnissen oder der Verbannung schmachtet, es waren, welche zu Anfang der Republik die Gewalt in der Hand hatten, und daß nur ihrer Schwäche und unzeitigem Edelmuthe die Ankläger es zu dan­ken haben, daß sie noch heute ihre Rolle fortspielen können.) Das Attentat vom 15. Mai 1848 und die Insurrektion vom 23. Juni waren zu zwei wiederhalten Malen in demselben Jahre der kühne und heftige Ausdruck dieses unersättlichen Geistes der Revolte und Anarchie. Der 13. Juni 1849 brachte aufs Neue Gefahr über die Gewalten, welche aus dem all­gemeinen Stimmrecht hervorgegangen sind, und die Gesell­schaft, welche sie die Ehre haben zn vertheidigen. Die Bür­ger aufregen, sich gegeneinander zu bewaffnen, in dem Kampfe die Regierung und die Majorität der gesetzgebenden Versamm­lung stürzen, das war das Ziel dieses letzten Attentates, das auf frischer That überrascht und besiegt wurde. Die Mittel zum Angriff waren lange vorher verabredet, und mit strafba­rer Geschicklichkeit (!!) vorbereitet, und dieses Mal hat die Justiz sich der Beweise für ein vollständig charakterisirteS Kom­plott bemächtigen können.

In diesem Zusammentreffen aller schlechten Leidenschaften, in diesem gemeinschaftlichen Mittelpunkte der Insurrektion und Revolte figuriren unter verschiedenen Titeln die sozialistischen Doktrinen, derjenige Theil der periodischen Presse, welche ih­nen seine Unterstützung leiht, Mitglieder jener Minorität der Nationalversammlung, welche sich selbst den Namen des Berges beilegt, Offiziere und einige Soldaten der National­garde ; endlich und über das ganze Land verbreitet, die Agi­tatoren aller Art, deren revolutionäre Umtriebe auf nichts als auf ein von Paris auS gegebenes Zeichen warteten.

Um zu dem Ursprung dieses Komplottes zu gelangen, ist eö nothwendig, daß wir einige Monate zurückgreifen."

(Den Schluß werden wir in einer der nächsten Nummern geben.)

Italien In Neapel sollen neuerdings wieder Unruhen ausgebrochen sein. Das Gerücht kommt vielleicht einige Wochen, vielleicht ein paar Monate zu früh. Daß aber die Regierungs- maxime des neapolitanischen Bourbon, welche mit der der barbarischen Sophie von Oesterreich und anderer Potentaten im schönsten Einklänge steht, nicht lange mehr in Frieden ihre thierische Verfolgungssucht, ihre wüste Rache gegen die unglücklichen Rebellen übt, daß die brutale Vernichtung aller Freiheit, die plumpste aller Contrerevolutionen, der könig­lichen Regierung keine jahrhundertlange Befestigung des bluti­gen Thrones verspricht, möchte sich wohl mit einiger Gewiß­heit voraussagen lassen. Der König von Neapel ist der eig- zige Italiener, der alle Vorwürfe verdient, die man sonst der ganzen Nation macht: ein roher Bandit, ein feiger Tyrann, ein hinterlistiger, blutgieriger Schurke. Wie die österreichische Vaterschaft, so verfolgt der Schirmherr des Papstes bereits die zweite und dritte Kolonne der » Empörer«, selbst offene Reak­tionäre, Alles, was nur je einmal gewagt hat, dem absoluten Willen der Majestät eine bedenkliche Miene entgcgcnzustellen. Der Willen deè Königs kennt keinen andern Willen.--

In der Lombardei ist Radetzky zurückgekehrt, um den »mit Waffengewalt Besiegten« die für solche Menschen geeignete Freiheit zu bringen.

In Rom wartet der General Rostolan noch auf Aner­kennung des päpstlichen Manifests. Er droht mit dem Ab­schied. Die Infamie der Armee übertrifft noch die ihres Prä­sidenten. Frankreich muß erst alle Phasen der Ehrlosigkeit seiner Herren mitdurchmachen, ehe die große Nation zum Selbstbewußtsein kommt.

Die türkische Frage. In Sachen der ungarischen Flüchtlinge liegen die europäischen Akten noch, wie sie gelegen haben. Die englischen Blätter glauben an keinen Krieg, und freuen sich deshalb um so mehr, der russischen Brutalität eine angemessene Sprache gegenübergestellt zu haben. Wir unserer­seits glauben ebenfalls an keinen baldigen Krieg, und freuen uns, daß die Flüchtlinge in Sicherheit sind.

Uebrigens setzt der Kaiser von Rußland seine Wühlereien gegen die Türkei natürlich fort. Er benutzt, was er benutzen kann, vor allen Dingen die Christen in der Türkei Die Be­wegungen im Südostwinkel Europa's lassen die mächtige Hand eines trefflichen Minirers erkennen. England wird vielleicht in nicht sehr ferner Zeit seine angemessene Sprache wiederholen müssen.

Die ungarischen Flüchtlinge werden so ziemlich als Gefan­gene behandelt. Daß Bem zur Religion der Türken übergetre­ten ist, beweist schon für die gastliche Aufnahme, die den Christen später zugedacht ist.

Die Flüchtlinge sind in 3 Lager, ein polnisches, italienisches und ungarisches eingetheilt, von denen ein jedes durch einen Obersten befehligt wird.

Kossulh hat den englischen Gesandten um Vermittelung zur Befreiung seiner Familie aus den österreichischen Henkers- fäusten gebeten.

Die D. A. Z. berichtet über die türkische Frage folgender­maßen :

„ Co nst antino p e l, 3. Oktober. Noch immer sind wir in Erwartung über die Aufnahme, welche die gegebene Ant­wort beim Petersburger und Wiener Hofe finden wird. Schon jetzt deutet man auf die preußische Gesandtschaft dahier als mit der Vermittlungsrolle beauftragt, im Falle sich wirklich der politische Horizont finster gestalten sollte. Unterdessen ist die Regierung thätig, die an so vielen Stellen ausgebrochenen Unruhen zu stillen. Kriegsschiffe sind nach dem Archipel abge­gangen, um denselben von Seeräubern und anderen Ruhestö- rern zu säubern. Neuerdings wird ein Aufstand an der Grenze in dem Paschalik von Monastir (Thessalien) gemeldet, und von mehreren Seiten sind Truppen nach den unruhigen Punkten abgegangen. Mehr Bestürzung hat unter den christlichen §>«' wohnern ein Aufstand der Einwohner von Orfa hervorgebracht- Nach den offiziellen Aeußerungen des Journals von Konstanti­nopel gilt es hier eine Zählung der Einwohner. Diese sollen sich dagegen alö gegen eine Neuerung empört haben.

Vermuthlich sind aber auch hier gewaltige Excesse gegen Christen und Franken, als Repräsentanten des Geistes, welchem jene Neuerungen geschehen, vvrgefalleu, wenigsten deutet darauf hin eine Correspondenz aus Aleppo, dessen chr>!^ lich -fränkische Einwohnerschaft voll Angst de» Pascha mit emc^ großen Theile seiner Truppen nach Orfa abgehcn sah, um ‘ dortigen Unruhen zu stillen. — Nachschrift: D i e s e n M o ' gen ist hier eine Abtheilung englischer Beobach^ tungSschiffe angekommen, dieselben werden, ich eben erfahre, den Do Spor mit bewachen he Ise j sie sind mit 21 Kanonenschüssen türkischerseitS begrüßt wor e

(Beilage.)