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Angenommen aber auch, guter Wille sei nicht der Beweg­grund ihres Handelns: ist es den Fürsten zu verargen, wenn sie die Frage stellen: „brauchen unsere Unterthanen zu schwatzen, wennschon Kanonen, Flinten und Säbel laut und deutlich reden?" und: „meinen unsere Unterthanen, wir würden deS ewigen Klagens nicht müde?" —

DaS Hauptmittel, die Völker zum Schweigen zu bringen, besteht nun in keiner anderen, als in der politi­schen Aesthetik oder der Lehre vom Politisch-Schönen, worin natürlich die Sätze vom Erhabenen so wenig sehlen dürfen, als in jedweder bürgerlichen Aesthetik.

Alles, was daS Erhabene erwecken und kraft dessen daS Schweigen hervorbringen kann, wie: Standrecht, Bela­gerungszustand u. s. w. wird berührt und angewendet.

Schade, daß für politische Aesthetik auf deutschen Hochschulen noch kein Lehrstuhl existirt!

Dem Schlüsse dieses Aufsatzes nahe, gesteh' ich frei, daß eö mir, nach öfterem Reden gegen die Fürsten, wahrhaft wohl um'ö Herz ist, auch einmal für sie gesprochen zu haben.

Mich hat das Gewissen gedrückt; — ich mußte Buße thun; — von nun an werde ich daS fürstliche Institut bis zum letzten BlutS- und Tintentropfen vertheidigen!

Ich habe mich selbst bekehrt, und hege nur noch folgende bescheidene Wünsche:

1) daß die Völker — zum Heile ihrer Landesväter und zu dem ihrigen — den Segen des Schweigens so recht von Herzen einsehen, und — schweige» möchten; daß deshalb

2) daS Musterbuch aller Erfahrung, die Geschichte, die nie lügt, nie gelogen hat, in besserer Bearbeitung erscheinen möge — etwa von Herrn von Gerlach in Berlin —, weil sie einem ewigen Schweigen der Völ­ker widerspricht, und deshalb Kleingläubige noch kleingläubiger zu mache» geeignet ist;

3) daß der Satz, der falsche, recht bald berichtigt werden möge: Einzelne wie ganze Völker sagten oft mehr durch Schweigen, als Reden, und

4) daß ihr, die verführten, übelberichteten, auf Irrwege gerathenen, noch unbekehrten Leser der verdammten „Hornisse" euch auch bekehren möchtet!

O, geht in euch, schlagt voll De- und Wehmuth an eure Brust und thut Buße! Stärket euch im Glauben, abonnirt auf die „ Neuhessische", und rufet mit mir: „ es leben unsere Fürsten, von Franz Joseph an bis zum Grafen von Rumpen­heim — tausendmal hoch! " —

Geschrieben steht und „also ist zu lesen" bei dem Evan­gelisten Lukas im 15. Kapitel und 7. Verse:

„Ich sage euch, so wird auch im Himmel über Einen Sünder, der Buße thut, eine größere Freude sein, als über neun und neunzig Ge­rechte, die der Buße nicht bedürfen."

Marburg. Dr. D. F. v. Fenneberg.

Vor dem Schlafen.

Es ruht der Fürst, der oft „geruht", den Kammerherrn zu fragen

Nachts, was in Stadt sowohl, wie Reich, sich Neues zuge- tragen;

Das Kammerschwänzchen räuspert sich:--„ zu Folge dem Befehle

Bericht' ich denn — traun, Wahres nur! — Gott strafe meine Seele!

Das Standrecht ward neu ausgeübt, Stockstreiche gab's die Menge,

Auch wird für die Hallunken schier daS Zuchthaus schon zu enge,

Weshalb'â denn auch wär' wohlgethan und gar nichts könnt e schaden,

Wen» jedeS HauS ein Zuchthaus würd' für all' die Demokraten!

Denn, soviel' Stern' am Himmel steh'n, gibt'â ja von dem Gelichter,

Befreit eS auch jetzt säuberlich vom Barte die Gesichter!

Ach, stünden nur die Bärte noch! Wer wollte darob schelten? Für das, waS er im Stillen wär', müßt' Jeder frei düvn gelten!

Die Presse — sie ist unterdrückt; ihr bischen Toben, Lärmen — Braucht daS, o Durchlaucht, unserem'S im Mindesten zu härmen?

Kein Buchhändler, kein rechter mehr, wird sich damit beschaffen, Schreibt heut' zu Tag' ein LumpiuS noch gegen Fürst und Pfaffen!

Zur Volksversammlung läd't man nicht mehr ein mit Hellen Schellen,

Jm — Wirthshaus sitzen wiederum hübsch Meister und Gesellen.

— So geht eö, Herr; es ist genug; nicht länger darf ich stören!" —

Und bald darauf ließ auch der Fürst ein tiefes Schnarchen hören.

Marburg. Dr. D. F. v. Fenneberg.

1. Mord in Ungarn.

In Pesth: Ladislav Csanyi, früher ungarischer Minister. Baron Jeszenak. (Beide erhängt.)

In Arad: Vierzehn Generale der großen Rebellen- armee, an einem Tage ermordet: Ernst Kiß, Feldmacschall­lieutenant, Graf Carl Vecsey, Ludwig Aulich, Ignaz v.Török, Georg Lahner, Joseph Schweidel, Ernst Pölt v. Pöltenberg, Joseph v. Nagy.Sandor, Karl Knezich, Karl Graf Leiningen, Aristides von Dessewsky, Johann Damjanich, Wilhelm Lazar.

Sämmtliche Todesurtheile waren bestätigt von der Leichen- Hyäne von Brescia und von Ungarn, die auf diese Weise den Empfang des Großkreuzes des kurhessischen Löwen auf das Würdigste feierte. — Ach, es gibt mehr Ordenssterne im alten Europa, als — Hanf.

Und Görgey sitzt in Klagenfurth und verzehrt den Lohn seines Verraths!

2. Mord in Baden.

Steuber erschossen in Mannheim.

Die Morde in Baden sind nach der Neuhessisch-Preußischen gleich einem Splitter in unserm Auge (soll heißen im Auge der neuhessisch-badisch-preußischen Reaktion), während die Morde in Ungarn gleich Balken sein sollen.

Man sollte denken, Baden verhalte sich zu Oesterreich, wie ein Splitter zu einem Balken.

Gewisse Menschen sehen nur bei Fremden die Balken^ na­mentlich wenn diele in Oesterreich wohnen und sie in Klein- deulschland. — Daß sie aber bei sich- auch nur einen Splitter sehen, ist höchst selten; eö zeigt an, — daß sie bald sterben müssen.