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Dieser Blatt wird Dienstags, Donnerstags u Sonnabends (die einzelne Nr. gegen den Betrag von 9 Hlr.) ausgegeben. Die Expedi­tion befindet sich in der obern En­tengasse Nr. 13'2. Der Abonne- menlspreiè ist Vierteljahr!. 18 Sgr.

Zweiter Jahrgang.

Durch alle Postämter zu bezie­hen. Inserate aller Art werden ausgenommen u. die Spaltenzeile mit I Sgr., bei wiederholter Ein- rückung m. s Hlr. berechnet; diesel­ben sind in der Expedition abzuge- ben, woselbst auch abonnirt wird.

Die Mornisse.

Raum, Ihr Herren, dem Flügelschlag Liner freien Keele I"

W- 123. Kassel, Dienstag, den 16. October 184».

Batthyany

Batthyany ist erschossen. Der ungarische Erminister sollte gehängt werden, indessen konnte er wegen einer Halswunde, die er sich beigebracht hatte, nur erschossen werden. Das Er­schießen war eine nothwendige, eine leider! nothwendige Gnade. Der standrechtliche Bericht kennt diese Gnade nicht, diesem Berichte nach ist Batthyany nicht erschossen, sondern wirklich gehängt.

Diegute Presse", die ehrlose, niederträchtige Presse unserer Professoren hat natürlich weder gegen das Schießen noch gegen das Hängen etwas einzuwenden. Ludwig Bat­thyany ist gehängt oder erschossen. Was genirt das?

Batthyany war freilich kein Mann der Revolution, er war eben nur ein Uebergangöminister, nur ein imponirender Name, ein mächtiger Magyar, ein gemeiner Soldat, ein ge­fangener Parlamentär, er war nur ein versöhnender, vermit­telnder Charakter, nur ein Mann der anständigen That, nur ein Charakter, wie ihrer der aufrichtige Revolutionär der De­mokratie, dem Fortschritt, der Revolution keine mehr wünscht, er war eben nur ein Mann der honetten Revolution.

Ludwig Batthyany ist dennoch gehängt worden. Die Ver­folgungen der Hyänen gehen schon einen Grad tiefer. Nach­dem sie die Führer der entschiedenen Revolution auf daâ Nad geflochten haben, wenden sie sich bereits an daâ zweite Glied, an die entfernten Anstifter, an die Nachzügler, die verlorenen Theilnehmer der Bewegung.

Ludwig Batthyany ist Robert Blum! Die österreichische Contrerevolution kennt kein Ansehen der Person, keinen Un­terschied zwischen Abfall und Abfall, zwischen Revolution und Revolution. Die österreichische Contrerevolution verfolgt die Revolution bis in ihre letzten Quellen, bis in ihre Wiege, bis in die Ahnungen der Gerechtigkeit und Freiheit.

Die österreichische Regierung nimmt Rache für Latour und Lamberg. Sie macht eine blutige Demonstration, nicht gegen die Demokratie, sondern gegen die Freiheit überhaupt, nicht gegen eine Partei, sondern gegen alle Parteien, die nicht ihres Glaubens, ihrer Religion sind. Mit dem Tode Bat- thyanyâ ist nicht die Demokratie, sondern die Freiheit über­haupt, sind alle Gegner des Absolutismus, der unbedingten Gewalt der Tyrannen, verdammt worden.

Die österreichische Regierung geht ihren Gang. ES ist fast ein Jahr vorüber, als wir riefen: daS Blut Robert BlumS wird ein blutiger Saamen, ein blutiger Frühling werden. Wir rufen jetzt: Das Blut BatthyanyS wird ein noch blutigerer

Saamen, ein dreifach blutiges Frühjahr sein. Auch diese Prophezeiung wird eintreffen.

WaS bedeutet der Reichstag und Deutschland? WaS be­deutet noch die Nation und ihre Verfassung? Der Jubel deS JahreS 1848 ist verklungen, die Tage der Begeisterung, der Träume und Hoffnungen sind vorüber. Auf daS zerschmetterte, geknebelte, in sich gekauerte Volk würde selbst die Reue der Fürsten keinen Eindruck machen, daS Volk wird in seinem Kerker immer weiter rechnen, sich immer tiefer in seine Ge­danken vergraben, es wird rechnen und grübeln, bis eS mit sich abgeschlossen, keine Vorbehalte und Rückzüge, keine Rück­sichten und Gnade mehr hat. DaS verzweifelte Volk wird kalt, theilnahmloâ, ruhig und verschlossen auf den Kampfplatz treten' ohne Erbarmen und ohne Thränen, die blinde Gerechtigkeit, die eiskalte Vergeltung.

WaS soll daâ Entsetzen? Waâ sollen die Schreckensrnfe über die gemordeten Herzen? Die Fürsten thun, waâ sie thun müssen, die Demokratie muß irch au daü Blut gewöhnen. Die Demokratie ist der verfolgte Jude, das gehetzte Wild; Tau­sende ihrer Jünger werden niedergemetzelt, erdrosselt, gehängt, todtkrank unter daâ Beil geführt. Waâ soll das Entsetzen? Die Fürsten thun eben, waâ sie für gut halten.

Wo ist der Elende, welcher der Demokratie vorwerfen könnte, daß sie nicht zu sterben wüßte? Unsere Gegner sehen theilnahmloö dem Mord ihrer Brüder zu, laßt also daâ Klagen, daâ Entsetzen, die Schreckenörufe, gönnt euren Feinden nicht die Lust eines Nero , eines hohnlachenden Barbaren.

Verbergt eure Thränen, verschließt euren Mund. Mit kaltem Auge, mit ruhiger Miene seht daâ Blut eurer Brüder fließen, die Fürsten thun eben, waâ sie thu» müssen, die De- mokratie muß sich an Blut gewöhnen.

Die Demokratie, welche einen Schrei deâ Entsetzens für die Contrerevolution hat, hat keinen Muth für die Revolution, für die letzte, die so heiß, so glühend ersehnte Revolution.

Gewöhnt euch an daS Blut! Entsetzt euch nicht mehr vor dem Blute unserer Brüder.

Das Steuerverweigerungsrccht.

* Das Steuerverweigerungsrecht ist daS vorbehaltene Revo­lutionsrecht gegen die eigenen Diener, eS ist der Protest ge­gen die Macht der öffentlichen Meinung, eS ist ferner eine schlechte, unsinnige, und somit gar keine Revolution und