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«Zweiter Jahrgang.
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Die Mornisse.
„Naum, Ihr Herren, dem /lügelschlag Einer freien Keele I"
äs 122.
Kassel, Sonnabend, den 13. October
1849.
Politische Wochenschau.
Die deutsche Frage. Vermuthlich werden die gläubigen Deutschen am Jahrestage der Schlacht bei Leipzig auf das Angenehmste überrascht werden. Es scheint nämlich festzustehen :
1) Daß sich Preußen und Oesterreich über die provisorische Centralgewalt geeinigt haben,
2) daß Preußen die Wahlen zu einem Reichstag anordnen will, und
3) daß der König von Preußen seine hannöverschen und sächsischen Schwäger beim Worte zu halten und nö- thigenfallS vor ein Schiedsgericht zu stellen gedenkt. Der kleindeutsche Verwaltungsrath zu Berlin, dessen Politik eine so kolossal ehrliche und biedermännische ist, daß er über den Zustand seiner Verhandlungen für die Folge förmliche Bülletins versprochen hat, ist wenigstens hinsichtlich dieser drei Punkte im Reinen.
Die provisorische Centralgewalt, die bis zur nächsten Wal- purgisnacht eingesetzt wird, steht jedenfalls fest. Ein paar österreichische und preußische Prinzen werden das Schwert in die Hand nehmen und für Ruhe und Ordnung, sowie für daS BundeSeigenthum gebührende Sorge tragen. Falls sie sich gegenseitig in die Haare gerathen, waS auf alle Fälle möglich ist, appelliren sie an ein paar Fürsten, von denen jeder der beiden Kaiser einen unter unseren Dutzenden auSwählt. Voila tout! Wir haben unS über diese provisorische Centralgewalt schon so oft ausgesprochen, daß wir eine nochmalige Wiederholung für unnöthig halten. Die „Anbahnung" einer positiven Reform des deutschen Bundes ist so maßlos absurd und unhaltbar,, daß sie vermuthlich schon vor der Blocksbergsnacht der Teufel geholt haben wird. Die definitive Centralgewalt wird wohl in der Beseitigung aller und jeder Centralgewalt und damit in der Beseitigung eineâ deutschen Reiches bestehen.
Die konstitutionellen Tölpel suchen sich mit diesem Gedanken bereits zu befreunden. WaS liegt am Ende an einem deutschen Reiche?
„ Me wollen daâ deutsche Reich in der Sache und nit in der Form, und deswegen wollen me Rustland!" Superbe! ES spukt schon in den diplomatischen Plänkler- reihen der Gedanke einer Theilung Deutschlands, wonach Preußen die nördliche und Oesterreich die südliche Hälfte angewiesen erhält. Warum nicht? DaS halbe Deutschland soll eS sein.
Wir wollen hinsichtlich dieser Theilung einige Vermuthun
gen auSsprechen. Daß sie nämlich überhaupt t'tn Bereiche der Möglichkeit liegt, steht außer allem Zweifel. Möglich ist für den Kaiser Nikolas Alles, nur nicht ein Gedanke an Freiheit, an eine Vergrößerung und Erstarkung der preußischen oder öfter- reichischen Macht. Wenn die Theilung vor sich geht, so wird im Süden deS Reiches der Kaiser von Oesterreich an den Königen von Baiern und Würtemberg und im Norden der Kaiser von Kleindeutschland an den Königen von Hannover und Sachsen den Pfahl im Fleische finden. Kein Stück des getheilten Deutschlands wird ein einiges Halbdeutschland sein.
Die Consolidirung der beiden Brocken des ehemaligen heiligen römischen Reiches wird der Kaiser von Rußland aber noch auf andere Manier verhindern. Der Osten jedes dieser beiden Stücke ist nämlich eine offene Wunde, eine dem russischen Czaren preiögegebene Seite, ein steter Heerd der Revolution, in jedem Augenblick bereit, abzufallen, sich in seiner Weise zu consolidiren, zu kristallisiren. Der preußische und österreichische Osten sind zwei widerspenstige, abgetrennte Glieder eineâ und desselben Körpers, zwei Glieder, die über kurz oder lang aneinanderschießen, die Revolution gegen Preußen und Oesterreich vollenden werden. Bereits sind die Zuk- kungen dieser Glieder bemerkbar. Der Kaiser von Rußland wird ihren Abfall, den die nothwendige Centralisation Preußens und Oesterreichs immer näher rückt, sicher nicht verhindern. Der Osten beider Staaten sind die zwei Zügel, mit denen der Kosakenchef die beiden Hälften Deutschlands auf seine Heerstraße lenken, mit denen er sie knechten, vernichten wird.
WaS der liberale Blödsinn für ganz agreabel findet, ist somit der Tod, das letzte Lebenszeichen Deutschlands, ist eine „ Anbahnung" zu einer organischen Vergrößerung Rußlands, einer organischen Einengung Preußens und Oesterreichs, eines immer stärkeren Zurückwerfens beider nach Westen.
Die provisorische Centralgewalt ist die Anbahnung dieser Anbahnung.
Die zweite Ueberraschung, die'dem deutschen Michel bereitet werden soll, ist die Bescheerung eines kleindeutschen Reichstages.
„ Nun ist es geschehn ! Wie reden und sehn, Wir hören und reimen!"
Von der Hand zum Munde ist freilich noch weit. Indessen genügt für die konstitutionellen Tölpel die Versicherung, daß man sich bereits mit der Vorbereitung zum Auöschreiben der Wahlen beschäftige, hinlänglich, um sie zu einem infernalischen Jubelgeschrei zu begeistern. Der Reichstag war ja die heißeste, die letzte, die einzige Sehnsucht unserer (Schulmeister. In ihren Augen ist der Reichstag ein Specifikum