Beilage zu Nummer 119 -er „Hornisse"
Aus dem Briefe des röm. Triumvir Mazzini an die französischen Minister.
(Schluß)
„Ihr wolltet den französischen Einfluß in Italien erhalten, vermehren, ihr habt ihn verloren, verloren bei den Völkern, denen ihr die Freiheit und Unabhängigkeit nahmt, verloren bei den Unterdrückern der Völker, die ihr durch den Bund mit ihnen von der Furcht vor euch befreit habt, verloren bei den Trabanten des Papstthums, weil eure Lage gegenüber Frankreich euch zwingt, sie mit ConcessionSforderungen zu belästigen, die sie nicht zugeben können, ohne ihr Princip zu verleugnen, ohne sich das eigene Grab zu graben. Euer Einfluß in Italien bestand in der Hoffnung, mit denen die Völker auf euch blickten, in dem Damoklesschwert, das ihr über den Fürsten hieltet; jetzt seid ihr von den einen verachtet, von den andern verabscheut wie ewige Betrüger. Frankreichs Name wird von einem Ende Italiens bis zum andern verachtet bleiben , bis entscheidende unzweideutige Thatsachen der Welt beweisen, daß eö wieder zum Bewußtsein seiner Mission gekommen ist.... Ihr wolltet dem Papstthum seinen Thron und seinen Glanz wiedergeben. Ich will euch sagen, was ihr bewirken werdet: Ihr habt die religiöse Frage erweckt und einer fallenden Institution den letzten Streich versetzt, ihr habt den Fürsten retten wollen und ihr habt den Papst getöd- tet, indem ihr den moralischen Zauber vernichtet, der ihn umgab, ihm eure Waffen liehet, ihn durch die fremde Intervention vor Italien, diesem Richter letzter Instanz in der religiösen Frage, erniedrigtet, indem ihr zwischen ihm und seinem Volke eine Blutfurche grubt, in der daS Papstthum untergehen wird. Das einzige Mittel, eS auf einige Zeit noch zu retten, war, eS aus der Sphäre der politischen
Einflüsse zu entrücken und in der reinen und unabhängigen Region der Geister schweben zu lassen. Diesen letzten Weg deS Heils habt ihr ihm auf immer verschlossen. Das Papstthum ist todt. Rom und Italien werden eö dem Papst nie vergessen, daß er, wie im Mittelalter, die fremden Bajonette gerufen hat, um die italienischen Herzen zu durchbohren.
Jetzt beginnt ihr, meine Herren, diese Dinge zu begreifen. Schon erfährt ihr die Rache RomS. Die römische Republik ist gefallen, aber ihr Recht lebt unsterblich fort, ihr Schatten wird oft euren Schlaf stören und wir werden ihn zu erwecken wissen. Die politische Frage ist unberührt, die römische Konstituante ist, ohne sträfliche Zugeständnisse, nur der Gewalt gewichen und hat euch für die Zukunft alle gesetzliche Basis entzogen. Wir haben nicht kapitulirt, daâ Recht RomS ist so stark wie am Tage, an welchem die republikanische Form dekretirt wurde. Der Wille des Staats, gesetzlich und frei ausgesprochen, bleibt die normale Lebensbedingung, der von nun an niemand sich entziehen kann. Ihr selbst habt dieses Recht n£,1 geleugnet.... Rom ist das Herz Italiens, daö Palladium der italienischen Mission. Die Stadt, die vielleicht in ihren Mauern das Geheimniß des religiösen Lebens der Zukunft birgt, kann geduldig den kurzen Verzug ertragen, den die Entwickelnng ihrer Geschichte durch eure Waffen erlitten hat.
Sie, meine Herren, sind Minister Frankreichs, ich bin nur ein Verbannter . . . Und doch vertausche ich mein LooS nicht, mit dem Ihrigen. Ich nehme mit mir in mein Exil die heitere Ruhe eines reinen Gewissens, ich kann meine Blicke ruhig auf daS Antlitz des Nächsten heften, ohne Furcht, daß Einer mir sage: Du hast wissentlich gelogen . . . Gott bewahre Sie, meine Herren, vor dem Tode in der Verbannung. Sie würden eine solche Stütze in ihrem Gewissen nicht finden."
Bekanntmachungen.
(691) Lampendochte aller Art,
von vorzüglicher, anderseits noch nicht erzielter Güte, gas- ähnlich hell und sehr sparsam brennend. DaS Geheimniß von deren Fabrikation ist allein in meinem Besitze, und bürgt daS von Professor Schaub dieserhalb veröffentlichte Zeugniß für die ausgezeichnetste, beste Qualität. Desgleichen auch Dochte für Henschel'sche Lampen bei
F. E Buch.
(692) In per Ziegengasse Nr. 161 sind Logis zu vermiethen, mit oder ohne Möbeln, erstere mit Aufwartung.
Von der Frau Witwe deö Berggeschworenen und Markscheiders Earl Ey zu Wahlershausen bin ich beauftragt, fol- ^nde, derselben eigenthümlich zustehende Immobilien dasiger Gemarkung, als 1) ^ Acker 6^ Ruthen Haltendes, in der Wil- helmshöher Allee unter Nr. 20 gelegenes, in sehr gutem Stande MendeS Wohnhaus, in welchem vier heizbare Stuben, vier Kammern, drei Küchen, geräumiger Boden und Keller sich be- Mden; 2) hieran stoßend eine Scheuer, ein Pferdestall und rwer große Schweineställe; 3) ein Waschhaus und eine Holz- remtse; 4) zwei Stückchen sehr gutes Land (GemeindS-Nutzen);
hinter dem Hause ein mit einem Fahrthor, einem Brunnen, «ehr guten veredelten Obstbäumen und einer lebendigen Hecke versehener großer Garten; 6) 1 Acker Hnfenland auf den
Plätzen; 7) 4 Acker Gemeinderottland auf dem Kohlenbruche; 8) T Acker Rottland an der f. g. Dönche, ElgerShäuser Forsts, und 9) 4 Acker 5 Ruthen Erbland, der Vogts-Acker, auf'S Meistgebvt zu versteigern.
Ich habe daher zu diesem Zweck Steigerungstermin auf Montag, den 8. Oktober d. J., Nachmittags 3 Uhr, in die Wohnung meiner Frau Auftraggeberin zu Wahlershausen anberaumt, und lade hierzu, — indem ich noch bemerke, daß die- ses Besitzthum ganz in der Nähe der reizenden Wilhelmshöhe liegt, wegen der ebenwohl sehr nahe befindlichen Main-Weser- Bahn sich für einen Eisenbahn-Beamten besonders empfiehlt, zu dem Betriebe verschiedener Geschäfte, namentlich zur Wirth- schäft, sich eignet, und daß die Hälfte des KaufgeldS als Kapital stehen bleiben kann, — Kaufliebhaber ergebenst ein.
Kassel, am 25. September 1849.
Wilhelm Reinemann, Privatsekretär.
(728) Neue Bettschirme (spanische Wände) sind zu haben in der Hohenthorstraße Nr. 766, 3 Treppen hoch.
$ (730) Meine Leipziger Meßwaaren sind^ P angekommen. ffr
I jr. Schönfelds Wittwe. *