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Zweiter Jahrgang.
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Die W o r n i s s e.
„Baum, Ihr Herren, dem Flügellchlag Liner freien Keele!"
119 Kassel, Sonnabend, den 6. October 1849.
Politische Wochenschau.
Frankreich und Italien. Es gibt nur ein Pius, und daS ist Pius IX. Eigentlich ist Pius IX. ein ziemlicher Schwachkopf, was man so im gewöhnlichen Leben einen Simpel nennt, aber PiuS IX. hat das Vorrecht aller Monarchen der Welt: gescheidte Knechte zu haben. WaS ist Louis Na- poleon? Ein Ochse! Was ist Friedrich Wilhelm IV.? Der Sohn seines Vaters! WaS ist Franz Joseph? Ein gebildeter Eretin! Was ist Victörchen? Eine unermüdliche Ehefrau! WaS ist — — ? „Mit Ihm ist Gott, hört es, ihr Völker, und wälzt euch im Staube!"
Pius IX. ist ein gutmüthiges Weib. DaS wissen alle Katholiken, und sie haben Seiner Heiligkeit manches Donnerwetter geflucht, als Sie in Reformen und Neuerungen zu machen geruhten. DaS Manifest Seiner Heiligkeit ist daher nicht daâ Manifest des weinerlichen Pius, sondern der Kardinäle der Kirche. Nicht der Papst, sondern die unsichtbare Kirche hat gesprochen. PiuS der Neunte, der Ketzer, der Irregeleitete, ist von der Kirche auf den Weg des Heiles zurückgebracht worden, der Segen seines Glaubens ist wieder über ihn ge- kommen: der Papst hat gefehlt, die unfehlbare Kirche hat den Fehler corrigirt.
DaS Manifest deS Papstes trieft wieder von der Heilig- keit, Herrlichkeit, Machtvollkommenheit deS Nachfolgers Petri, er ist wieder Alles in Allem, in ihm allein ist Leben und Sterben, Segen und Fluch. Der Stuhl des heiligen Apostels ist in seiner Integrität erhalten, nicht ein Titel der überkommenen Macht ist vergeben! Fallet nieder und betet! Hier ist daS Kreuz, der Ning und der Stab, hier ist der sichtbare Arm, die hörbare Stimme des unsichtbaren Gottes.
Die Bekehrung des kindischen Mannes ist die letzte Offenbarung der universellen Kirche. Mit diesem Wunder hat sie ihren letzten Geist auSgehaucht. DaS römische Volk, schon lange daS ungläubigste von der Welt, daö mit der katholischen Religion wie ein Kind mit seiner Puppe spielte, das mitten
der Orthodoxie ketzerte, apostasirte, atheisirte; dieses selbe römische Volk wird durch die abermalige Verschmelzung des weltlichen und geistlichen Regiments, dadurch, daß man mit den Konsequenzen deS letzteren Protest gegen die Reformen in ersterem einlegt, so total unkatholisch, unpäpstlich gemacht, daß es einer größeren Offenbarung als einer katholischen bedürfte, um die Kirche bei der nächsten Revolution zu retten.
Daâ Manifest des Papstes, wonach daS Volk auf die Rolle der gläubigen Schaafe angewiesen, von aller Theilnahme am Regiment ausgeschlossen, wonach wieder Alles „Wir", „Unser ",
„Ich" ist, hat den Unmuth, die Entrüstung, die bereits in Rom herrschten, noch vermehrt. Die heilige Polizei, die Gefangenwärter werden zu thun bekommen. Seine Heiligkeit werden in sehr unheiliger Weise unter ihren vielgeliebten Unterthanen wirthschaften müssen, sie werden nicht genug Ketzergerichte und Zuchthäuser beschossen können. Das Regiment Seiner Heiligkeit muß sich dazu bequemen, dito in das Säbelregiment überzugehen, d. h. mit Ring und Stab va banque zu spielen. Wenn Seine Heiligkeit lange leben, wird der Kirchenstaat eine besondere Steuer zur Ernährung der Rebellen in den Gefängnissen zahlen müssen.
Pius IX. hat seinen Eollegen ein Beispiel gegeben, auf daß sie ihm nachfolgen. Sein Staat ist der Musterstaat. Allerdings ist der Papst vorläufig noch Bischoff in partibus, er geruht, sich in Portici aufzuhalten! — allerdings ist eS in Rom noch nicht ganz geheuer, indessen unterliegt es keinem Zweifel, daß eine vernünftige Contrerevolution die Rückkehr Seiner Heilgkeit „anbahnen" wird. Der Papst kann gerade so ruhig sein als Friedrich Wilhelm I V., falls er beabsichtigen sollte, seine Kammern wieder einmal auseinander zu sagen. „Ich und Mein Haus, wir wollen dem Herrn dienen!" „Ich bin ein mächtiger Herr!" — — —
Dem Manifest deS Papstes gegenüber steht der französische Vagabund wie ein vor den Kopf geschlagenes Kalb. „Was war das?" DaS ist ein päpstliches Manifest, kleiner Napoleon, — verstehen Sie daS? Das ist die päpstliche Antwort auf Ihren grotesken Brief, daS ist der Respekt vor der großen Nation, vor dem großen Regulator der Freiheit. Wo ist die „allgemeine Amnestie, die Säkularisation der Verwaltung, die liberale Negierung, der Code Napoleon ?" WaS werden Sie thun ?
Die Lage ist kritisch. DaS Manifest des Papstes ist eben so brutal, eben so empörend, eben so tyrannisch, alS der Brief deS stutzigen Ochsen burlesk, albern, kindisch war. Man sollte glauben, die französische Armee wäre dem Manifest gegenüber in Rom möglich geworden, — ein kleiner Tyrann ist immer besser als ein großer! Im Gegentheil! In Nom existiren nur zwei Parteien, die radikale und die contrerevolutionäre. Die radikale Partei ist durch die Armee deö französischen Ochsen betrogen, niedergemetzelt worden, die radikale Partei erträgt lieber den päpstlichen Absolutismus, als die französische Ehr- losigkeit. Die contrerevolutionäre Partei wirft die große Na- tion als nunmehr überflüssig über Bord. Die französische Armee steht im Kirchenstaat ganz isolirt, ganz allein, ganz und gar blamirt. Daö ist daö Ende der großen Expedition, die der römischen Freiheit eine feste Grundlage geben sollte.
Wie wir gesagt haben: Falloux hat gesiegt, der honette Dufaure ist geschlagen. Der „Honette" schämt sich, den Re-