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Beilage zu Nummer 118 der „Hornisse"

Die Mecklenburger.

(Eingesandt.)

Den 30. v. M. lag ein Theil der Ztcn Eskadron des Großherzoglich Mecklenburg-Schweriner Dragoner-Regiments dahier über Nacht in Quartier. Im Hause des Wirthes Ebert logirte ein Soldat, der sich durch seine Trunkenheit, und in Folge dieser durch sein lärmendes, tobendes Betragen auszeich­nete, womit er bis in die Kammer eines sehr krank darnie­derliegenden Mannes im zweiten Stocke vordrang. Der Sol­dat wurde vom Bruder jenes Kranken in artiger, höflicher Weise gebeten, sich doch mit Berücksichtigung dieses Umstandes ruhig zu verhalten. Die Erwiederung bestand in einem der» ben Rippenstoß. Der Bruder sah sich daher genöthigt, bei dem betreffenden, in dem gegenüberliegenden Hause einquartir- ten Offizier Anzeige zu machen. Derselbe kam auch sogleich, und cs ergab sich bei der Untersuchung, daß die Soldaten deS genannten Wirths (eS waren ihrer sieben) Betten zum Schlafen verlangten. Der Offizier fand das in der Ordnung, indem er meinte, daß die Soldaten lange genug auf Stroh gelegen hät­ten. Als nun der Wirth erwiederte , daß keine übrigen Betten vorhanden seien, da alle besetzt wären, erklärte der Offizier, daß die Betten für die Soldaten geräumt wer­den müßten!

Dabei muß noch bemerkt werden, daß die hiesigen Ein- wohner von den Soldaten dermaßen tyrannisirt wurden, daß der genannte Wirth Ebert, ein Mann von 76 Jahren, sein Bettzeug den Soldaten geben und sich selbst auf Stroh legen mußte.

Bei dem Wirth C. Becker schlugen sich die Soldaten mit den Knechten, wobei sie dieselben zu Boden warfen, und mit den Sporen an Füßen, Kopf und Brust verwundeten. Der Offizier (ein Lieutenant), dessen Namen nicht bekannt gewor­den ist, wohnte dem ruhig bei *).

Bernsdorf bei Marburg, den 1. Oktober 1849.

*) Die Redaktion bemerkt dazu, daß derartige Excesse im Heiligen rö­schen Reiche jetzt an der Tagesordnung sind. Das Prätorianerregiment treibt schon recht erbauliche Knospen. Die baierischen Soldaten hauen die preußischen, die preußischen die österreichischen, alle zusammen prügeln das

Volk. Die bewaffnete Anarchie ist »ns so wenig auffallend und liegt so sehr im System, daß wir bis jetzt gar nicht davon gesprochen haben. Daß sie aber bei unsern Gegnern nicht mehr Aufsehen macht, ist nur durch ihre konsequente Dummheit und anbefohlene Unterthanenblindheit zu er­klären.

Nachdem es sich herausgestellt hat, daß sich die Herren Scheffer,' Motz, Dehn-Dolhfciscr , Ab^ee rc. zc. im Laufe von anderthalb Jahren vollkom­men gebessert und dem neuhesssschen System ewige Treue geschworen haben, so können wir gegen ihre Berufung zu Ministerstellen für die Folge nichts mehr einwenden, — — im Gegentheil!

Die Deuhessische.

Was macht wohl der Prozeß puncto: Domäne Wilhelmsthal? Wippermann.

Ja, meine Herren! wir sind nicht mehr im Jahre 48, wir schreiben

49. Merken Sie Sich das. Wippermann.

Was machen wohl gewisse Lieferungen an den Hof zu Normalprei­sen, deren Rechtâgrund ich prüfen wollte? Wippermann.

Ich habe ja gesagt, daß wir 49 schreiben. Wippermann.

Was machen wohl gewisse Fuhrlöhne, die statt durch die Hofrechnun­gen durch die Staatsrechnungen laufen. Wippermann.

Schwercnoth! wir schreiben ja 49? Wippermann.

Was machen wohl---Gott verd---, es ist 49. Laßt mich in Ruhe. Wippermann.

Der Baustein, den sie verworfen haben, ist zum Eckstein geworden. Die früheren Depulirten Schneider und Herben er sind am 24. v. M. in Marburg wieder gewählt worden.

Also keine Majestätsbeleidigung mehr? Da mag der Teufel heilig und unverletzlich sein!

F W

Sollte nicht das Institut der Geschwornen einer kleinen Umänderung bedürfen? Das Gesetz ist in der Revolutionszeit so ein bischen überrum­pelt worden. Man könnte ja den frühere« Majestätsbeleidigern die Um­arbeitung übertragen. Lin Marburger Peamle.

Bekanntmachungen.

(662) ^ ZN» Detlevie, Hedwigstraße Nr. 995, der Realschule gegenüber, offerirt unter allen beliebigen Spielarten ganze und getheilte Kaufioose zur am 3. Oktober beginnenden Hauptziehung der Frankfurter Lotterie.

(G91) Lampendochte aller Art,

von vorzüglicher, anderseits noch nicht erzielter Güte, gas- ähnlich hell und sehr sparsam brennend. Daö Geheimniß von deren Fabrikation ist allein in meinem Besitze, und bürgt das von Professor Schaub dieserhalb veröffentlichte Zeugniß für die ausgezeichnetste, beste Qualität. Desgleichen auch Dochte für Henschel'sche Lampen bei

F. E. Buch.

(692) In ber Ziegengasse Nr. 161 sind Logis zu vermiethen, oder ohne Möbeln, erstere mit Aufwartung.

^^" Einladung zum Abonnement.

Die „Neue Deutsche Zeitung" wird nicht eingehen. Durch den Wunsch geleitet, der demokratischen Partei ein größeres Organ zu erhalten, haben einige wackere Männer ihren Fortbe­stand gesichert.

Damit die demokratische Partei ihre Kräfte konzentriren könne, hat sich die von Hebert Slum mitbegründete „ Deutsche Deichstagszeitung " mit der „Neuen Deutschen Zeitung" vereinigt, so daß jene zu er- • scheinen aufhört und ganz in der „Neuen Deutschen Zeitung" auf- geht. Der Redakteur der „Deichstagszeitung" Dr. X Georg Günther, tritt mit in die Deduktion der „Neuen Deutschen Zeitung".

So fordern wir denn Alle, die fich für den Fortbestand der „ Neuen Deutschen Zeitung" interessiren, dringend auf, ihre Bestellungen bei den betreffenden Postämtern recht bald zu machen. Ohne thätige Theilnahme der demokratischen Partei wäre dem Unternehmen nur vorübergehend geholten.

Die Tendenz des Blattes bleibt unverbrüchlich dieselbe. £urd)

Mehrung ihrer Kräfte wird die Redaktion dem Inhalt noch meyr Fett­haltigkeit geben können. Der Preis bleibt derselbe, für Frankfurt viertel-