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Spiel gesetzt, mit zitternden Händen, mit Thränen in dem Auge, ein verzweifelter Spieler, ein wahnsinniger, bejammernS- wcrther Spieler, — du hast auch deine Ehre verloren, du hast nichts mehr, was du einsetzen könntest, nichts mehr, um deinen Henkern noch einen Satz anzubieten, du hast nichts mehr, als das armselige, verachtete, verspottete Leben, nichts mehr, als eine trostlose Erinnerung, eine Erinnerung, die uns zur Verzweiflung bringt.
Leichtgläubiges Volk! Statt über dein ganzes Elend, deine ganze Erniedrigung klar zu werden, statt deine letzte Kraft , deine letzten Blutstropfen, die du gerettet hast, aufzusparen für eine andere Zeit, für einen neuen Frühling, statt unter der Last deiner Schaam, deiner Neue dich für eine bessere Erhebung vorzubereiten, statt Tag und Nacht darüber nachzudenken, wie dieser Schandfleck zu tilgen, wie die Achtung der Nationen wiederzugewinnen ist, wie du diesen Theil deiner Geschichte vergessen machen willst, statt dich herauSzureißen aus diesem Gewebe deâ Verraths, der Uebertölpclung, der List und Dummheit, des Hoffens und Bangens, statt dich als Mann zu zeigen, der seine Sünden bekennt, seine Irrthümer eingesteht und zum zweiten Mal daS Werk seiner Freiheit beginnt, — — statt dessen lässest du dich von den Verräthern deiner Freiheit von Tage zu Tage vertrösten, immer aufS Neue verwirren, immer aufs Neue Hinhalten, statt dessen greifst du nach jedem Phantom, das sie dir vorschwindeln, mit dem sie dich immer tiefer ins Verderben ziehen, immer fester umgarnen, mit dem sie dich für Zeit und Ewigkeit vernichten wollen.
Begreifst du dieses Spiel nicht? Begreifst du nicht, warum sie dir vorlügen, daß noch nicht Alles verloren sei, daß du nur vertrauenssolltest, daß du die Hoffnung nicht fahren lassen solltest? Sie wollen dich müde machen, dich immer feiger machen, dich so tief, so grenzenlos demüthigen, daß du endlich allen Glauben, alle Hoffnung, den Glauben an dich selbst, an die Möglichkeit deiner nochmaligen Erhebung verlieren sollst.
Die Revolution ist zu Ende. Denke nicht mehr daran! Die Buben, in deren Hände du gerathen bist, die Professoren, die „besten Männer", sind ja deine ärgsten Feinde, deine schlimmsten Gegner; — unglückliches Volk! sei wenigstens noch so stark, daß du die Gemeinschaft mit diesen Elenden aufgibst^
Die Elenden wollen dich noch immer mit dem „ einigen Deutschland" fangen. Sie wissen, daß ein einiges Deutsch- land jetzt eine Unmöglichkeit ist, daß sie cS unmöglich ge- macht, daß sie alle Nägel in den Sarg unserer Freiheit ge—' schlagen haben, — — laß daö einige Deutschland fahren, reiße diese letzte Täuschung aus deinem Herzen, sage den Elenden, daß du nicht zum tausendsten, zum abertausendsten Mal betrogen, belogen, verrathen, verspottet und verlacht werden wolltest. Sage den Buben, daß die Nationen bereits mit Fingern auf dich weisen, daß du deine Schaam nicht mehr tragen könntest, daß du der Gaukeleien, der Rolle der Geäfften müde seiest.
Ein einiges Deutschland! Als ob nicht aufs Neue daö Blut in deine Wangen strömen, alle Wunden deines Herzens aufreißen müßten, — ein einiges Deutschland? Ein einiges Deutschland nach der verlotterten Revolution, nachdem dieselben Buben, die eS predigen, aus der Versammlung deiner Ver- treter fortgelaufen, feige, zum Rasendwerden feige fortgelaufen, nachdem die Vertreter der Revolution auSeinandergejagt sind; ein einiges Deutschland ohne Deutschland, eine einige Tyrannei ohne ein deutsches Volk, ein deutsches Volk mit 34 souveränen Gewalthabern!
Armes Deutschland! Unter der Masse von Noten, welche deine Despoten wechseln, unter dem Wüste von Acten sollst du auferstehen, sollst du der Sonne deiner Freiheit entgegen- jubeln; waS der Sturm der Begeisterung nicht erreicht, waö deine eigne Kraft nicht errungen hat, das sollst du auf dem
Wege der Gnade, der Barmherzigkeit erhalten, dem kriechenden Hunde sollen sie gewähren, waS sie dem stolzen Manne verweigert haben. Geh', erniedrige dich abermals, bettele, winsele, weine und schreie um das Gnadenbrod, winsele mit den Buben, die dich so weit gebracht haben, — — für all' diese neue Schmach, diese neue Erniedrigung, für diese abermalige Verschleuderung deiner Ehre wirst du neue Fußtritte, neues Hohngelächter erndten. Armes Volk! Nein! Ich beschwöre dich, demüthige dich nicht noch mehr vor deinen Despoten, eS ist doch umsonst, es ist doch vergebens, sie werden dich nur um so ärger treten, du wirst nur um so mehr bluten, um so tiefer verachtet sein. Nette den letzten Funken deiner Ehre, eS ist deine einzige Hoffnung für eine spätere Zeit.
Die Elenden wissen, daß sie lügen. Sie wissen, daß unter den Noten und Akten daâ einige Deutschland erstickt wird, daß ihr Bankbruch, ihr spitzbübischer, ehrloser Bankbruch endlich an den Tag kommt, daß die Zeit deS letzten Geständnisses, der Abrechnung nicht mehr fern ist. Um ihr Leben zu fristen, rufen sie dich zu neuer Genossenschaft auf, sie verlangen deinen Protest gegen die Noten und Diplomaten, sie verlangen, daß du mit ihnen den König von Preußen beschwören sollst zu einer rettenden That zu schreiten.
In ihrer Verzweiflung verlangen die Elenden die Berufung eines Akeichsta^s
Wohl! Begeistere dich auch für diesen Reichstag, für diese neue Illusion, diese neue Täuschung, dieses neue Lebenselixir, laß dich wieder Monate lang, von einem Tage zum anderen hinziehen, um endlich wieder auSgelacht zu werden.
Der König von Preußen kann ohne Erlaubniß Oesterreichs keinen Reichstag berufen. Die Berufung des Reichstags ist die Revolution, der Bürgerkrieg. Die Elenden wissen nicht, was sie thun.
Ter Berufung des Reichstags, der revolutionären That des Königs von Preußen, würde die revolutionäre That des Kaisers von Oesterreich, der andere Reichstag folgen. Wie wir früher Gegenkaiser hatten, so würden wir jetzt Gegenparlamente haben, Deutschland würde zum geschichtlichen Skandal herabsinken, es würde sich selbst zerfleischen, in seinem Blute versinken. Die Berufung deâ Reichstags wäre das Ende des Reichs, die Theilung Deutschlands, der dreißigjährige Krieg ohne einen andern Frieden, alö den schmachvollen, der unsere Vernichtung diktirt.
Begreifst du auch das? Begreifst du diesen neuen Wahnsinn, den man dir zumuthet? Unglückliches Volk! Es sind dieselben Männer, die jetzt nach einem Reichstag als letztem Anker ihres politischen Renommees schreien, dieselben Männer, die aus Angst vor einem Bürgerkrieg deine Souveränetät verzettelt, deine Revolution verschachert haben, dieselben Männer, die vor jeder revolutionären That znrückbebtcn, die und Bluthunde , Unmenschen, Barbaren gescholten haben, als wir der Freiheit einen Tropfen Blut zum Opfer bringen, als wir für unsere Einheit mit dem Leben einsteheu wollten. Es sind ^e- selben Männer, die keinen Krieg wollten, weil er ein Freiheitskrieg geben könnte, keine revolutionäre Begeisterung wollten, weil sie das Volk aus seinem Schlafe rütteln könnte. ,
Nichtswürdige Feiglinge! Hinter dem Schilde des König von Preußen, hinter der Brutalität seines Regiments schreieu die Elenden nach dem, daâ sie verdammt haben, wie Hun e bellen sie in der Thür ihres Herrn, — der erste Donner er Geschütze würde sie in den Kellern, würde sie vergraben, winselnd und stöhnend finden.
Der König von Preußen beruft keinen Reichstag, un wenn er ihn beruft, so ist eâ kein Reichstag, sondern ctl Farce, eine Komödie, eine diplomatische Escamotage.
Die Revolution ist beendigt. Um deiner Zukunft wl betheilige dich nicht an den Bubenstreichen deiner Mörder,^ rg stcre dich nicht für die tölpelhaften Anstrengungen demer Ö61111 ,