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^weiter Jahrgang.
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Hornisse.
„Kaum, Ihr Herren, rem Flügellchlag Liner freien Keele!"
KL 118
Kassel, Donnerstag, den 4. October
Der klcindeutfche Reichstag.
Nein, nein, nein! Der Unverstand unserer sogenannten Politiker, der Aberwitz der „besten Männer" wird für den Spott zu groß. Armes Deutschland! DaS Maas deiner Schande, die Summe deines Elends ist noch immer nicht voll, für deine Stirn werden immer neue Dornen geflochten, eine Schmach folgt der andern; deine Geschichte ist zum Spott der Nationen geworden , deine Revolution wird auf den Jahrmärkten fremder Völker gesungen von Bänkelsängern, von Witzbolden, von fahrenden Komödianten.
Unglückliches Volk! Als man deine Vertreter, die Vertreter von 45 Millionen Menschen, die nach den langen Jahren der Verachtung, der Sklaverei einmal aufathmeten, einmal den Lohn für die ungeheuere Arbeit der Jahrhunderte, für die stille, rastlose Arbeit an der geistigen Entwickelung deS Menschengeschlechtes erndten wollten, die keine andere Sehnsucht hatten, als die Sehnsucht nach einem stolzen, geachteten Namen, nach Anerkennung ihrer Treue, ihrer Ergebung, ihrer Zuversicht, keinen andern Wunsch, als im Rathe der Völker endlich einmal mitzutagen, nicht ganz verstoßen, ganz verlacht, verspottet, verhöhnt zu sein, in denen einmal der eingesargte, vergrabene Geist der großen Vorzeit, einer Zeit des Ruhmes und der Ehre, wieder aufwachte, die einmal Theil nehmen wollten am Recht aller Menschen, am Glück aller Nationen, die einmal frei, groß, stolz sein wollten, die einmal auf ihr heißeS, getretenes, mit Füßen getretenes Ehrgefühl pochten, die einmal ihre Manneswürde rcklamirten, ihr gestohlenes Herz, ihren Glauben, ihre Liebe, ihre Hoffnung, ihre Sehnsucht herausforderten, — — — als man die Vertreter dieser 45 Millionen Menschen wie eine Meute Hunde auöeinander- jagte, wie freche Buben aus die Schulbänke wies, als man die Forderungen dieser Vertreter für kindische Gelüste, für frechen Diebstahl, für verbrecherischen Blödsinn erklärte, als man das Volk von 45 Millionen Menschen auf den Mund schlug, ihm für seine vorgetragenen Wüusche Ohrfeigen gab;--da, nachdem alles Das geschehen, nachdem die große Erhebung zu einer Fratze geworden, die glühende Begeisterung durch Büttel und Soldaten zur Posse erniedrigt war, nachdem der Sturm des Jubels verrauscht, der Strom des Enthusiasmus versiegt, nachdem Deutschland wieder so klein, so winzig, so elend geworden war, als früher, nachdem cs seine Ehre verloren, auf feinen Stolz, feine Manneswürde resignirt, sich ganz bettelarm, sich ganz unglücklich gemacht hatte, da hätte man glauben sollen, das Schicksal der neuen Israeliten sei erfüllt, die unglückliche Nation habe nun genug geduldet, man werde
sie in Ruhe sterben, in Ruhe die letzten Seufzer aushauchen lassen, man werde ihr brechendes Auge nicht gewaltsam aufreißen, man werde ihr einen lindernden Balsam auf die blassen Lippen träufeln.
Nein, nein, nein! Das Ende des Elends ist noch nicht gekommen, die Tage der Schmach sind noch nicht vorüber; immer aufs Neue zerren sie daS armselige Volk, die wimmernde Nation wieder in die Höhe, immer aufs Neue werfen sie die 45 Millionen auf den harten, steinernen Boden ihrer Erniedrigung, immer aufS Neue lassen sie dem Volke seinen ganzen Jammer fühlen; — die Wunde seines Herzens soll sich nicht schließen, in teuflischer Lust wirft man dem geschändeten Volke seine Erbärmlichkeit, seine Ehrlosigkeit vor; man hat ihm seine Ehre gestohlen und spottet darüber, man hat ihm seine Begeisterung gemordet und höhnt es dafür, man hat es betrogen, hintergangen, man hat ihm seine Liebe, seine heiße, brennende Liebe abgeschwatzt und verlacht eö darob, mau hat mit tausend höllischen Künsten, mit Lug und Trug, mit Meineid und Schmeichelei, mit den teuflischen Künsten eines Verführers dem gutmüthigen , vertrauenden Volk sein Erbtheil auS den Händen gewunden und verlacht eS darob, __ __ __ das Maas unserer Schande ist noch nicht voll, die Summe unseres Elends ist noch nicht groß genug.
Elende Sophisten! Seht ihr nicht, daß ihr mit den ewigen Hoffnungen, die ihr dem Volke macht, mit den ewigen Täuschungen, die ihr dem Volke bereitet, die letzten Kräfte des Volkes verzehrt, daß ihr eö damit ganz abgestumpft, ganz gleichgültig gegen feine Schande, feine Entehrung macht, daß ihr die unglückliche Nation damit auf die letzte Rolle einer Bnhldirne vorbereitet, daß ihr sie damit ganz verrathet vernichtet, ermordet? Das Blut komme über euch!
Ihr wißt, daß ihr lügt, ihr wißt, daß ihr Schurken seid >zhr wißt, daß eure Feigheit, eure Charakterlosigkeit eure Niederträchtigkeit daß Volk bis auf diesen Punkt gebracht hat, ,hr seid zu eitel, um eure Sünde zu bekennen; ihr zieht ba3 unselige Drama die letzte Enttäuschung so lange als möglich hin. Elende Buben!
Die Revolution ist vollendet, die Revolution des Jahres 1848, die Revolution, welche die Professoren gepredigt Haven, ist vollendet. Up- glückliches Volk! DaS ist die einzige Wahrheit, an die du glauben sollst: diese Revolution ist vollendet. Sie ist vollendet und alle ihre Früchte sind deinen ^.prannen zugefallen, das vergossene Blut ist für deine Henker vergossen, die Todten, deren Andenken du feierst, sind für deine Mörder gestorben; die Revolution ist vollendet, «nd du hast Alles verlottert, Alles verloren, du hast zuletzt deine Ehre aufs