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Zweiter Jahrgang.
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Die Hornisse.
„Naum, Ihr Herren, dem Flügelschlag Liner freien Keele!"
Ms 117
Kassel, Dienstag, den 2. Letober
1849.
Das königliche Wort.
Die Kleindeutschen waren in Verzweiflung. Wer Augen hatte zum Sehen und Ohren zum Hören, der mußte wissen, daß der nach der deutschen Einheit gegenwärtig eingeschlagene Weg immer weiter vom Ziele ab-, immer mehr dem Despotismus, der Tyrannei, der Säbelherrschaft entgegenführe; wer nicht allen Verstand verloren hatte, mußte einschen, daß das ewige Vertrauen, die ewige Zuversicht, die erheuchelte, listige, machiavellistische Zuversicht in die „ gute Absicht des preußischen Königs" gerade daS Gegentheil von dem, waS man wünschte, erzielen mußte, nemlich Hochmuth, Uebermuth, Brutalität deS Königs, desselben Königs, den man bei der Ambition zu fassen, dessen Herz man durch eine mehr als hündische Treue zu fangen gedachte, den man im Namen der „Barmherzigkeit", der „Erkenntlichkeit", der „Dankbarkeit" auf gutem Wege erhalten wollte.
Blödsinnige Professoren! Als ob der König von Preußen sich von der Liebe seines Volkes, der Hingebung seiner Unterthanen, der romantischsten. weibischsten Hingebung „impo- niren " ließ, als ob dieser König dadurch nicht vielmehr in seiner Eitelkeit noch bestärkt, in seinem Gottbewußtsein noch unterstützt würde? DaS preußische Volk hat Jahre lang vertraut, Jahre lang in Demuth auf die „Gnade von Oben" gehofft, eS hat in rührendem Wahnsinn alle Marotten der Majestät ertragen, mitgemacht, — — daS preußische Volk ist dennoch betrogen, dennoch gemordet worden, daS ergebene Volk ist dennoch auf die Folter gespannt, in seinen heiligsten Erwartungen hintergangen worden.
„Wir haben kein Vertrauen mehr zu Euch!" — Das waren die Worte, die man im Frühfahr 1848 den Fürsten zurief, mit diesen Worten charakterisirte man die ganze Bewegung; es war eine Bewegung gegen daS Vertrauen, gegen den auf knechtischer Hingebung gegründeten Staat, eS war eine Bewegung für die freie Selbstbestimmung deü Volkes, für seine Macht- Vollkommenheit, eine Bewegung, welche die Dinge auf den Kopf stellen, die Majestäten und Hoheiten zu Dienern, gehorsamen , aufmerksamen, fleißigen Dienern, die früheren Unterthanen zu gesetzgebenden Herren machen sollte. Der Staat deS Vertrauens ist der mittelalterliche, unwiederruflich verlorene Staat, der Staat der geheimen Verräthcreien, der Meineide, der Felonie, des Hinterlistigen Banditenmordes Die Revolution des Jahres 1848 sollte den Staat der Gerechtigkeit, der eisernen, kalten, unbeugsamen Gerechtigkeit gründen, einer Gerechtigkeit, vor der eS kein Ansehn der Person gibt, keine LehnStreue, keine blinde Zuversicht, keine freiwillige Sklaverei, keine politische Romantik.
Die Kleindeutschen waren in Verzweiflung! Die Thatsachen riefen ihnen zu: Noch einen Schritt, und der Staat der Gerechtigkeit ist geopfert, noch einen Schritt, und die Thatsachen werden den Irrthum eurer Marimen beweisen, sie werden Euch beweisen, daß ihr die Freiheit gemordet habt, daß euer Vertrauen Feigheit, eure Treue Verrath, eure Hingebung das Symptom eurer Sklavenseelen war.
Die Kleindeutschen athmen wieder auf. Warum? Haben sich ihre Marimen als richtig erwiesen, sind Vertrauen und Hingebung wirklich zu imponirendcn Mächten geworden, hat sich die Majestät vor der VolkSsouveränetät gebeugt, haben die Professoren „auf gutemWege" erreicht, was der trotzigen Revolution verweigert ist?
Nichts von alledem! Der König von Preußen hat nur in einer Privatunterredung versichert, daß er nicht einen Titel seiner Verheißungen aufgeben werde. Das ist Alles!
Der Jubel der Kleindeutschen ist ihr Schwanengesang. Damit ist erklärt, daß vor dem königlichen Worte alle Thatsachen ihr Gewicht verlieren, daß das königliche Wort die einzige Hoffnung , die einzige Zuflucht ist. Das Wort der Majestät füllt wieder wie früher den ganzen Staat aus, sein Wille ist wieder der Gesammtwille, der Anfang und daS Ende, daö Alpha und Omega des StaatSrechtS.
Schaamlose Professoren! Was geht uns daS Wort eines Monarchen an? WaS geht einem freien Volke der einzelne Wille an? Seit wann ist es konstitutionellen Rechtens ge- worden, sich auf ein königliches Wort zu berufen? Ist der konstitutionelle Staat noch nicht befestigt? Wie? Und ihr sagt doch, durch die Revolution sei das konstitutionelle Prinriv für alle Ewigkeit gesichert! f
Ihr werdet einwenden: das königliche Wort gelte euch nur als Bestätigung, daß das konstitutionelle Prinzip gesichert sei. Elende Sophisten! Das königliche Wort war nothwendig euch aus der Verzweiflung zu reißen , euch zu beweisen, daß L Recht, daß wir Unrecht hätten. Ohne das königliche Wort waren alle Thatsachen gegen euch gewesen. Das könig- llche Wort ist also die höchste Thatsache, die Thatsache über
Fahrt nur so fort. Der Ruhe und Ordnung, eurem Blödsinn zu Liebe habt ihr dem Könige von Preußen Dutzende seiner königlichen Worte zurückgegeben, eurer Reaktion zu Liebe habt ihr geduldet, daß Seine Majestät die Nation um ihre Freiheit betrogen hat. Ihr habt Seiner Majestät den besten Willen, daS beste Verständniß, die besten Absichten vindicirt, ihr habt alle seine politischen Antecedentien mit dem Schleier der Vergessenheit überdeckt, mehr! ihr habt eure Angriffe gegen daS königliche System für Mißverständnisse erklärt,