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Dieses Blatt wird Dienstags, Donnerstags u Sonnabends (die einzelne Nr. gegen den Betrag von 9 Hlr.) ausgegeben. Die Erpedi- tion befindet sich in der obern En­tengasse Nr. 132. Der Abonne- mentspreis ist vierteljährl. 18 Sgr.

^weiter Jahrgang.

Durch alle Postämter zu bezie­hen. Inserate aller Art werden ausgenommen u. die Spaltenzeile mit I Sgr., bei wiederholter Ein­rückung m. 8 Hlr. berechnet; diesel­ben sind in der Erpedition abzuge-' den, woselbst auch abonnirt wird.

Naum, Ihr Herren, dem Flügelschlag Einer freien Keele!"

M- 116, Kassel, Sonnabend, den 29. September 184®.

B3^ Da mit diesem Monat das Abonnement des dritten Quartals zu Ende geht, so bitten wir, die Bestellungen auf das zukünftige Quartal zeitig und zwar in den nächsten Wochen schon bei den betreffenden Postbehörden und für Kassel in der Expedition der Hornisse zu machen.

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Politische Wochenschau.

Frankreich Der 22. September ist vorüber. Der Jahrestag der Gründung der ersten französischen Republik hat die große Nation still und schweigsam getroffen, wie einen siebenzigsährigen Greis, der sein Haupt mit der Hand stützt und sich mühsam einzelner Geschichten seiner Jugend erinnert. Die Männer des Bergs predigen Ruhe. Sie haben das Stich­wort eines andern d'HerboiS noch nicht gefunden, die Zeit ei­nes neuen Septembers, der Todestag der neuen Gironde ist noch nicht gekommen.

Statt des rasenden Jubels, der vor 57 Jahren die Gas­sen der Hauptstadt erzittern machte, hört die neue Republik nur daS Seufzen der Verzweiflung, nur die Klagen der 2lr= muth. Kaum daß hier und da ein lungernder Arbeiter die Melodie der alten oder neuen Marseillaise murmelt!

Die Luft in Frankreich ist schwüler als je. Die Gedanken des schweigsamen Greises springen zuweilen in eine wilde, erschreckende Zukunft, zuweilen zucken die Muskeln seines Antlitzes, zuweilen fährt über seine Stirn ein Blitz, ein Wetterleuchten, das Anzeichen eines kommenden Sturmes.

Die Männer der Junitage, die Söhne der Barrikaden, haben den 22. September gefeiert, wie sic alle Tage feiern; sie haben in ihren Werkstätten gesessen, an den Maschinen ge­standen, sie haben im Schweiße ihres Angesichts für das Glück ihrer Herren gearbeitet, die Lager ihrer Tyrannen bereichert.

WaS bedeutet dem Arbeiter die Republik? Die Republik ist ihm zugefallen wie ein werthloses Opfer, ohne Kampf, ohne Mühsal. Die Republik war eine alte Schuld, die dem Volke abgetragen wurde, ein entwendetes Gut, das die Geschichte einem unglücklichen Volke zurückgab. Die Nation hat die Re­publik hingenommen, kalt, gleichgültig, als verstehe sich die Republik von selbst. Warum sollte der französische Arbeiter ben Jahrestag der Republik feiern?

Wenn der französische Arbeiter feiern will, so hat er seine Todten auf den Friedhöfen, die mit ihm gekämpft haben, mit ihm geblutet haben, die für ihn gestorben sind, deren Fahne nicht die der Republik, sondern die rothe Fahne der käm­pfenden Noth ist. Wenn der französische Arbeiter feiern will, so kann er an die Pforten der Gefängnisse gehen, in denen seine Brüder die Schlacht für die Brüderlichkeit büßen, so kann er zu den Witwen und Waisen, zu den Krüppeln und Kranken gehen, die ihm Alle erzählen können, daß der 22. Sep­tember noch nicht gekommen ist, daß die neue Republik noch keinen Geburtstag hat.

Der französische Arbeiter feiert nicht. Aber mitten in seiner heißen, zehrenden Arbeit hält er zuweilen inne, als ob ihm ein neuer Gedanken käm, ein ganz neuer Gedanke, der Gedanke, wie er seine nächste Revolution sicher stelle, wie er sie zum Siege bringe. Eine Maßregel, eine wilde, ver­zweifelte Maßregel wird in daS Buch seines Herzens notirt, sie wird dem Kameraden zugeraunt, eine Maßregel, vor der ihr entsetzt zurückbeben würdet, vor der eure Haare sich bleich färben, eure Wangen zusammenfallen würden.

Der französische Arbeiter lernt Alles in seiner Werkstätte, Menschen und Zeiten kennen, seine Kräfte berechnen, seine Gegner tariren, er lernt Schlachtpläne machen, den passende« Augenblick treffen.

Wer das französische Volk für ruhig hält, müßte blind sein. Wer aber glaubt, der französische Arbeiter kenne die Bah- neu der gegenwärtigen Unruhen nicht, der ist wahnsinnig. Der Arbeiter sieht ruhig den royalistischen Bündnissen, den Wich- lereien der Orlcanisten und Legitimisten zu, er weiß, wie im nächsten Moment daS Bündniß des fünften Heinrichs und des Grafen von Paris wieder zu trennen ist; der französische Ar­beiter verfolgt mit dem Blick des Diplomaten die bonaparti- stischen Schleichwege, die Bearbeitung der Armee, die Versuche deS Neffen, beim nächsten SturmKaiser seiner Armee" zu werden.

Der Arbeiter wartet, bis die Sturmglocke läutet; dann