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blufften Gesichter der liberalen Tambours für seine Gemäldesammlung zeichnen lassen. Kaiser Nikolas weiß, daß er nur einen Feind hat, der der Rede werth ist: die Demokratie!
Die Demokratie hat Sympathie im Volke, die konstitutionelle Partei nicht. Die Demokratie hat Feuer und Flammen in ihrem Gefolge, die Wildheit der Begeisterung, des Enthusiasmus, die Zähigkeit des religiösen Fanatismus, die Energie der Verzweiflung. Wie unsere Brüder in Baden starben, so wird die ganze Demokratie zu sterben wissen, wenn sie die Jugendjahre überlebt, sich einen vollkommnen Verstand der Bewegung angeeignet hat. Die Junitage in Paris geben ein mattes Bild der Aufopferungsfähigkeit, mit der unsere Partei dereinst kämpfeii wird. — —
Die erste Nachricht über die Verhandlung in Warschau ist die Forderung der deutschen Großmächte, die russischen Truppen aus Ungarn zurückzuziehen. Rußland hat sich bereit erklärt.
Wie? Das ist die konsequente Contrerevolution? DaS »st der Anfang der großartigen Pläne Rußlands? Rußland fügt sich den deutschen Großmächten, und eben diese Großmächte werden russische Vasallen gescholten?
Die russische Politik ist konsequent und schlau. DaS Zurückziehen der russischen Truppen ist von den deutschen Mächten gefordert worden, „umkein Mißtrauen zu erregen", d. h. um den Schlachtplan nicht zu früh zu verrathen, um das deutsche Volk noch zahmer, geduldiger zu machen, um den deutschen Michel noch tiefer einzuschläfern, um ihn mit aller Behaglichkeit erdrosseln zu können.
Die Vorsicht war unnöthig. Der deutsche Michel hat in seiner zuvorkommenden Weise den Kopf bereits auf die Schlachtbank gelegt, das deutsche Lamm stirbt mit derselben Hingebung wachend wie schlafend.
Der Kaiser NikolaS gibt gern nach , sobald er in der Hauptsache Recht behält. Wenn ihm der König von Preußen verspricht, die Sache ohne Eclat abzumachen, wenn der König von Preußen nur einen kleinen Aufschub verlangt, um sein Gewissen zu salviren, um eine anständige Manier, in andere Bahnen einzulenken, ausfindig zu machen, wenn der König von Preußen nichts verlangt, als ein tempns utile, um ein anderes Cvüüme anzuziehen, so hat der Kaiser Nikolas nichts dagegen einzuwenden, im Gegentheil! — Die Lage des romantischen Königs ist keine beneidenswerthe. Vom Cäsar zum russische» Polizeibeamten ist ein weiter Sprung. DaS preußische Volk ist an seinem hohen Monarchen große Sprünge gewohnt, aber dieser letzte Sprung bedarf einiger Stationen, einiger Zwischenakte.
Der Kaiser NikolaS hat nur das Interesse, daß die Con- trerevolution in Deutschland ausgeführt wird, — er hat keineswegs den Ehrgeiz, sie mit eigener Hand zu vollziehen. Der Kaiser Nikolas will den Richter, aber nicht den Scharfrichter, er will den Poeten, aber nicht den Akteur, den Feldherrn, aber nicht den Corporal spielen.
Zu Scharfrichtern, Akteurs und Corporälen hat er die deutscher? Regenten ausersehen.
Die Politik Rußlands bringt ihm den Nebenvortheil, daß die deutschen Regenten sich bei den Völkern vollständig diSkre- ditiren, daß sie allen Haß, alle Rache, allen Ingrimm der Völker auf si ch^aden; die deutschen Regenten sollen dem Kaiser Nikolas als Blitzableiter dienen, Kaiser NikolaS wird den Vortheil ohne den Nachtheil, die Lust ohne die Last, den Sieg ohne den Krieg haben; der russische Czaar wird Angesichts der Heldenthaten der Großmächte den Beinamen „der Gute!" erhalten.
Warum sollte Kaiser NikolaS sich o^ne Noth die Hände blutig machen? Warum sollte er sich an den Standgerichten, den Blutgerichten, den Metzeleien der „lustigen Person" Preußens betheiligen? Warum sollte er daö ganze Register der kvntrercvvlutionären Schandthaten mitdurchmachen? Der
russische Czaar wird erreichen, was er erreichen will: die gänzliche Verachtung der deutschen Fürstenhäuser, und die Vorbereitung auf daö Regiment der Kosaken.
Die russischen Truppen gehen übrigens nicht in das Innere des Reiches, sondern bleiben an unsern Grenzen. Bevor die europäischen Verhältnisse im Interesse deS Czaaren geordnet sind, wird er eine achtunggebietende Stellung einnehmen, d. h. zu deutsch: der russische Czaar wird in jedem Augenblick bereit sein, die etwaige Nachlässigkeit, den Rückfall der Monarchen in ihre sentimentalen VolkSbeglückungSversuche zu ahnden, beziehungsweise ihnen mit Mordinstrumenten auszuhelfen!
Die Contrerevolution geht ihren Gang !!!
Der politische Takt der konstitutionellen Partei.
Man sollte denken, die konstitutionelle Partei käme schließlich noch einmal zu Verstand. Man sollte glauben, die konstitutionelle Partei wäre endlich auf dem Culminationspunkt ihrer Kinderfurcht vor der Anarchie angekommen. Nachdem sie in ihrer Herzensangst eine Freiheit nach der andern in die fürstlichen Casernen getragen, auf ein Recht nach dem andern verzichtet hat, sollte man erwarten können, daß sie jetzt einmal Halt! machte, daß sie so viel Courage hätte, sich nicht geradezu dem Teufel in die Arme jagen zu lassen.
Aber die konstitutionelle Partei ist unaufhaltbar. Und wenn ihr tausendmal zugerufen wird, daß es ja keine Noth mehr habe, daß die Anarchie gehängt und geköpft sei, daß die Russen auf den Gräbern der Revolution stünden, daß sie einmal Athem holen, sich einmal umsehen solle, — — die konstitutionelle Partei lauft Hals über Kopf weiter, sie kreischt Zeter und Mordjo: die Revolution, die Anarchie, die rothe Republik! Vorwärts, marsch!
ES war ein alter konstitutioneller Lehrsatz, daß jede Freiheit mißbraucht werden könne, daß man sie aber darum nicht aufgeben müsse. Ein Flußbad bleibt immer eine zuträgliche Erholung, wenn auch einmal Einer umS Leben kommt.
Die gelehrten Tölpel haben diesen Lehrsatz mit dem andern vertauscht: „Ein Recht, daS mißbraucht werden kann, ist ein Unrecht!" Durch ein solches Recht guckt die Revolution, die Anarchie, die rothe Republik! „Schafft mir daS Recht von der Welt, schafft mir den Gedanken vom Halse!"
„ Und wird der ganze Verlag verboten,
„ So schwindet von selber die Revolution."
Die Ehrlosigkeit der konstitutionellen Partei muß eine» Vorwand haben. ES wäre zu miserabel, so ohne allen Grund seine Prinzipien verleugnen, seinen Glauben wechseln, sich zum fürstlichen Stallknecht erniedrigen. Trotz der Todtenstille, welche jetzt eingctretcn ist, trotz der Kirchhoföruhe, in der wir jetzt leben, bringen also die konstitutionellen Wichte Tag für Tag neue Gerüchte von demokratischen Verschwörungen.
„ In der Schweiz werden Höllenmaschinen angefertigt. Alle Schreiner und Schlosser sind mit den Guillotinen beschäftigt. Die Verschwörung geht von der Nordsee bis nach Neapel, von Warschau biâ nach Madrid. ES ist haarsträubend." _
Statt alle diese Ungeheuerlichkeiten für contrerevolutionäre Puffâ zu erklären, rennt die konstitutionelle Partei wieder ein paar hundert Meilen weiter in die sibirische „ Ruhe und Ordnung hinein. Das Gespenst ist da: Vorwärts, marsch! Nach der Schlacht bei Jena haben die Preußen aus Furcht vor französischen Bajonetten einen anständigen Marsch gemacht, gegen die Flinkigkeit der konstitutionellen Partei war'S aber e:u Schneckcngang. _
Die fürstlichen Regierungen haben sich daâ gemerkt. ®0' bald eine Kammer nicht mehr pariren will, holt ein Mrn>i ein paar „Enthüllungen" aus der Tasche, lügt eine ß ' Heime Verschwörung zusammen, citirt eine Rede auâ em