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des ganzen österreichischen Staatskolosses gehemmt werden, Deutschland wird zu warten haben, bis es von den Kroaten eingeholt ist.

Mag die Form der Verbindung zwischen Oesterreich und Preußen ane fallen, wie sie will, die Sache wird bleiben, wie wir sie dargestellt haben. Der gegenwärtige Streit der Dy­nasten über Bildung der Centralgewalt dreht sich lediglich um die Frage des Uebergewichls. So lange dieser nicht im Interesse Oesterreichs entschieden wird, ist an keine Einigung zu denken.

Wahrhaft komisch ist, beiläufig gesagt, die grüne Poli­tik der Neuhessischen in dieser Frage. Ihr zufolge wird das Bündniß zwischen Österreich und Preußen der Entwickelung Deutschlands gar nichts verschlagen. Kleindeutschland bleibt so selbstständig wie der liebe Gott! Freilich , über Krieg und Frieden und solche Bagatellen beschließen die Herrschaften je­denfalls in Gemeinschaft, — das schadet aber nach der Neu- Hessischen nichts. Im Gegentheil, die Kroaten sind ja ihre Ideale, Haynau ist ihr ein Halbgott, schon seiner Abstam­mung wegen.

Oesterreich legt sich die Mission zu, die deutsche Kultur in den Osten zu tragen. Als Gegenpräsent erhalten wir die Rothmäntel und die Bestie von Breöcia. So ist's in der Ordnung.

Nttßland. Die militärischen Rüstungen des Kaiserstaateö dauern fort. Wir sind weit entfernt, die Kräfte dieses unge­heueren Reiches zu überschätzen, wir halten eü aber für einen der größten politischen Fehler, sie zu gering anzuschlagen.

Die Pläne des Kaisers Nikolaus sind deutlich. Durch Oesterreich d ie H e rrsch aft über Deu tsch land, durch die Herrschaft über Deutschland die Vernichtung aller Freiheit.

Wahilich, betrachtet man den elenden, jämmerlichen Ver­kauf der letzten Revolution, betrachtet man die Geschwindigkeit, mit der sich die französische, die deutsche, die Bourgeoisie aller Länder unter das Joch der Tyrannei beugte, die Bereitwillig­keit, mit der sie ihre Ehre, ihren Stolz, ja selbst ihren Ei­gennutz dem Götzen der Reaktion opferte: — betrachtet man die Charakterlosigkeit, die Indifferenz, die Feigheit, den Man­gel an Ausdauer, betrachtet man daö Kastratengeschrei der Liberalen, die Phrasen des „moralischen Eindrucks", der „Macht der Ideen", alle die Zeichen einer überfeinerten, saft- und kraftlosen Civilisation, betrachtet man daS ganze welke, schlaffe, von Lüsten und Leidenschaften, von brennenden, geilen Begier­den zerfressene Wesen unserer Nation, — betrachtet man daS Alles, so kommt einem unwillkürlich der Gedanke:

Sollte die deutsche Nation wohl fähig sein, d e in r u s s i s ch e n E i n f l n ß zu widerstehcu? Sollte sich dieser Einfluß nicht blö zur Vernichtung unserer Civilisation breit machen können?

Wir stehen keinen Augenblick an, folgende Antwort zu geben:

Wenn die Vernichtung dieses Einflusses vonden Liberalen, den Konstitutionellen, der Bourgeoisie abhängt, so sind wir eher heute als morgen kosakisch.

Der russische Einfluß wird sich nicht mit in die Augen springender Heftigkeit geltend machen, die westliche Kultur wird nicht mit einem Schlage vernichtet werden, sie wird hinsie­chen, verbluten, erlöschen. Ein langsamer Tod ist aber das, waS die Bourgeoisie, der ConstüuüonaliömuS gar keinen Tod, sondern Leben nennt. Droht der Bourgeoisie mit dem Rad, und sie wird versuchen, Rebellion zu machen, droht ihr mit der Auszehrung, und sie wird Ehrenpforten bauen.

Der russische Einfluß kann nur durch einen europäischen K.rieg, durch eine neue Revolution vernichtet werden. Die

neue Revolution, der europäische Krieg ist aber die soziale Reform, die soziale Revolution.

Die Bourgeoisie würde gegen einen europäischen Krieg nichts einzuwenden haben. Um auS diesem Zustande deS Hof­fens und LerzweiflenS herauszukommen, würde sie die Söhne der Armen ruhig in die Schlachten schicken, sie würde ihnen Charpie nachsenden, Gottesdienst für sie halten, sie würde Alles thun, was die Bourgeoisie zur Rettung ihrer Freiheit zu thun pflegt.

Schweigt von der socialen Reform, und die Bourgeoisie wird der Ehre der deutschen Cultur einige Thaler zum Opfer bringen.

Aber die sociale Revolution wird nicht gemacht, sie macht sich selbst, man kann nicht davon schweigen, denn die Steine reden davon. Wohlan, so erklärt die Bourgeoisie sich als Feindin der deutschen Cultur, so verachtet sie diese Civilisa­tion, die bis in die Hütten der Armen gedrungen ist, sie wird lieber russisch werden, als daS Recht der Noth, deS Elendes, daS Recht der Gerechtigkeit anerkennen.

Die deutsche Bourgeoisie wird sagen: „ES geht nicht anders!" und wenn sie diese schwere Wahrheit hinuntergewürgt hat, wird sie der russischen Cultur mit derselben Treue und Verehrung, mit demselben ritterlichen Muthe anhängen, wie dermalen dem König von Preußen.

Die russische Cultur ist aber ebenfalls die Vernichtung der deut­schen Bourgeoisie! Aber daS begreift die Bourgeoisie nicht. Sie begreift überhaupt nicht, daß jemals eine Zeit kommen könnte, wo daS Recht der Bourgeoisie für ein Unrecht oder wenigstens für kein Herligthum gehalten wird.

Wenn eS möglich wär, die Bourgeoisie aus ihrem ver­rannten System zu reißen, — wahrlich, — der Augenblick dürfte nicht fern sein, wo um eineö höheren Interesse willen, um der Cultur, der Civilisation, der Humanität willen die Bourgeoisie von ihren Thronen herabsteigen, den Forderungen deS Proletariats Rechnung tragen müßte.

Wer hat immer von unserer Cultur gesprochen? Ihr! Nun denn, für dieses Heiligthum ist kein Opfer zu groß. Bringt die Opfer, gebt dem Armen, was ihr ihm schuldig seid.

Aber nein! wie ihr immer nur gesprochen, gefaselt, ge- schwatzt habt, so rft'S euch auch mit der Cultur nicht Ernst. Eine Cultur , welche Forderungen an eueren Wucher stellt, ist keine Cultur mehr, sie ist Barbarei. Elende! O, ich möchte nur die Buben sehen, die jetzt mit moralischer Ent­rüstung, mit sittlicher Feierlichkeit für unsere Civilisation pre­digen, — ich möchte nur sehen, wie schlangengewandt sie sich der russische» Cultur beugen.

Aber, wie gesagt, die russische Cultur vernichtet euch eben­falls. Die Alternative ist einfach die: Russische Cultur und euer Ruin, oder deutsche Cultur und sociale Reform!

Die Bourgeoisie entscheidet sich für das erstere. „ ES wäre doch möglich, daß man unter russischer Cultur den Ruin ver­meiden könnte, jedenfalls wird man nur so unter der Hand ruilllrt." Freilich, freilich! — — —

Auch der Kaiser Nicolaus ist für Verpflanzung der west­lichen Cultur in den Osten. Kaiser NicolauS sieht ein, daß sich trotz aller Bemühungen der revolutionäre Geist in ft'h^ Länder schleicht, daß er sich einschmuggelt, eindrängt, daß dw Polizei ohnmächtig gegen ihn ist. Nichts ist gefährlicher, a der revolutionäre Geist auf Schleichwegen. Kaiser Nicolau ist daher genöthigt , ihm die offene Landstraße anzuweisen. Er ist genöthigt, seine Ausbreitung vom Rhein biö zum Ural y befördern. Kaiser Nikolaus wird den revolutionären Geist hv möopatisch zu vertheilen wissen. Unter russischer Oberaufsich wird der so »ertheilte Geist ziemlich unschädlich sein. _ Die russische Politik ist düster, unheimlich. ?

und hört von dem ungeheuren Reiche nichts, eS scheint To stille zu herrschen, — da entstehen über Nacht kolossale, v