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Beilage zu Nummer 113 derHornisse"

Oesterreich. Der Kaiserstaat beharrt auf der Centrali­sation seiner Staaten, natürlich dem einzigen Mittel, vorläufig einmal über den Strudel, in dem er in der Kürze versinken muß, hinauszukommen. Die tapferen Generäle haben sich für diesen Plan ausgesprochen. Daß hier keine friedlichen Staats­männer, sondern die Helden von Novara, Brescia und Te- meSwar um Rath gefragt werden mußten, muß unsern Lesern begreiflich sein. Es handelt sich um Blutkitt.

Es ist eine böse Sache um die Säbelherrschaft. Tiger und Hyänen an seine Völker zu hetzen, muß zuweilen böse Träume machen, das Blut verdicken, die Mahlzeiten bitter machen.

Iedennoch, über das Unvermeidliche muß man sich trösten lernen. Die Säbelherrschaft des kleinen Hunnen wird indessen zu thun haben. Unter den österreichischen Stämmen befinden sich noch einige wilde, naturwüchsige, vollsaftige, die noch keine Revolution gemacht haben, noch nicht decimirt sind, noch nicht durch Standrecht und Knutenhiebe mürbe gemacht worden.

Die Schutzbefohlenen des galanten Jellacic können sich z. B. noch nicht recht in die oktrvyirte Reichsverfassung finden. Sie treten ziemlich entschieden auf und reserviren sich die Kritik der Verfassung. In jenen Gegenden reift überhaupt daS neue Ge­witter für den österreichischen Koloß. Die erste Erhebung ist vermuthlich eine serbische.

Aber auch die Ungarn sind noch nicht besiegt. Trotz der na­menlosen Strenge, trotz fortwährenden Verhaftungen, Abschläch­tereien, trotz Galgen und Rad kocht es noch in den Herzen der zerstreuten Honveds, denken die umherstreifenden Schaaren derselben noch an keine Unterwerfung, denkt Komorn noch an keine Uebergabe.

In allen Hütten, wohin der tapfere Magyar kommt, wird Rache gegen Oesterreich gebrütet, die neue Verschwörung läuft von Dorf zu Dorf; bei seinem sterbenden Roß, auf dem Grabe der gefallenen Brüder schwört der Ungar ewigen Haß dem Hause Habsburg. Mag Kvssuth, Dembinski, mögen die Ge­brüder Perczcl, mag Bem und wie sie alle heißen, geflohen sein, die ungarische Bewegung ist noch da, ein ewig zuckender Leichnam, ein ewig schreckendes Gespenst.

Um Komorn zu cerniren, bedarf F.-Z.-M. Nugent 80,000 Mann, mehr denn ebensoviel Mannschaft ist nöthig, die Honveds zur Ruhe zu bringen. Wir denken nicht daran, als könne Ungarn seine Revolution noch fortsetzen, wir sagen nur, daß Oester­reich an dem Leichnam derselben eine Wache von anderthalb­hunderttausend Mann aufftellen muß.

Die auf Blut und Leichen gegründete Centralisation kann nur durch Blut und Leichen erhalten werden. Der friedliche Weg ist um so unmöglicher, als Rußland unablässig in die Fugen des Reiches seine Hände legen, unablässig Oesterreich zersplittern wird. Und wenn auch Oesterreich seinen Schwager in Rußland mit Gallizien abzukaufen versucht, der hinter- listige, zudringliche Schwager wird nicht Nachlassen, bis Oe­sterreich zum andern Mal am Rande des Verderbens steht. Wenn Oesterreich keine Freunde hätte, mit seinen Feinden könnte es vielleicht fertig werden.

Gleichwohl wird die Centralisation des KaiserstaateS vor- läufig gelingen. Oesterreich wird stark genug scheinen, um die begonnenen Ansprüche an Deutschland weiter geltend machen zu können.

^Die Centralisation Oesterreichs und ein staatsrechtliches Verhältniß zu Deutschland schließen sich gegenseitig auS. Der Vund, welchen Oesterreich mit Deutschland zu schließen ge- venkt, »st also eine Mißgeburt, er bedeutet für Oesterreich die

Revolution oder für Deutschland die ewige Ohnmacht, die Versumpfung, den Untergang in dem Pfuhle der Stabilität.

Das wissen wir Alles sehr wohl. Oesterreich konnte nur zu Deutschland gehören, wenn die deutsche Revolution ihr Programm nicht verleugnet, wenn sie die Selbstständigkeit aller Nationen proklamirt hätte.

Die Revolution ist aber verrathen, die Politik in die Hände der Dynasten gegeben, Großdeutschland ist unmöglich gemacht.

Mit der Unmöglichkeit des letzteren ist auch ein Klein­deut sch land undenkbar. Die Herstellung eines Kleindeutsch- landS bedarf derselben revolutionären Kraft, als die Herstel­lung GroßdeutschlandS. Indem die Professoren die Revolution vernichteten, vernichteten sie den Anfang und das Ende, daS Ganze und den Theil.

Die Professoren, welche zu feige waren, die Revolution gegen die Dynastien zu vollenden, erwarten jetzt, daß der König von Preußen daS verlassene Gut, die herrenlose Erbschaft an­treten solle. Eine verlassene Revolution ist aber nicht wieder aufzunehmen. Der König von Preußen, der geholfen hat, die Bewegung zu morden, kann sich unmöglich an die Spitze der Bewegung stellen. Die Bewegung ist vorüber.

Die Herstellung KlcindeutschlandS, die Revolution deS Königs von Preußen wär eine neue Revolution. Wo sind die Anzeichen dieser Revolution? Sind diplomatische Noten, sind russische Manifeste, sind freundschaftliche Conferenzen Symptome der Revolution? Ist das Verhöhnen der Nation, ist die offene Reaktion im eigenen Lande, ist die Schmach in Schleswig-Holstein der Beginn der königlichen Revolution?

Der König von Preußen denkt nicht an Revolution, und deshalb unterliegt er den diplomatischen Intriguen so gut, als die Professoren in Frankfurt und Gotha ihnen unterlegen sind. Er mag schwatzen, was er will, pochen, wie er will, trotzen, wie er will, alles Das sind Frankfurter, Gothaer Phrasen, der König von Preußen hat zu thun, was er soll.

AuS vielen Gründen ist es purer Wahnsinn, vom guten Willen der preußischen Majestät, von der guten Absicht seines Ministeriums zu sprechen. Der König von Preußen weiß von dem Ausgang der deutschen Sache gerade so viel als wir, er weiß, daß er sich schließlich dem Willen Rußlands und Oester­reichs zu unterwerfen hat.

Wird dieser gute Willen so weit gehen, ein lebenskräftiges Kleindeutschland zu schaffen? Oesterreich bis auf ein Völker- rechtliches Verhältniß von Deutschland auszuschließen? Wird er es, zumal wenn Baiern und Würtemberg Kleindeutschland entgegen sind?

Kleindeutschland, d. h. ein starkes, mächtiges Deutschland, ist dem Interesse Oesterreichs ebensogut als dem Rußlands entgegen.

Oesterreich wird sich um seiner Zukunft willen seinen Ein- fluß in Deutschland sichern, mehr, eS muß ihn ganz aufge­ben, oder eS muß sogar ein Uebergewicht behaupten. Nach­dem eS seine Länder centralisirt, nur mit Waffengewalt cen- tralisirt hat, wäre eine Einwirkung der deutschen Civilisation, des sogenannten .deutschen Fortschrittes auf Oesterreich die öster­reichische Revolution; Oesterreich muß daher die Entwickelung des Kaiserreichs für Deutschland maßgebend machen und nicht umgekehrt.

Es wird sich den veränderten Text des alten LiedeS vor­behalten :

Nur immer langsam voran, nur immer langsam voran, Damit die vfictrcicbtfcfje Landwehr mitkommen kann.

Der deutsche Fortschritt wird durch die natürliche schwere