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Dieser Paragraph ist für die Gänse. Abgesehen von der bekannten Interpretation der Worte: „wird gebildet", wird die Bildung auf alle Fälle so geschehen, daß keine Bürgerwehr existirt. Die Berliner Kosaken halten die Bürgerwehr für ein revolutionäres Institut.
Hoffentlich wird daS Institut der Volksvertretung bald beseitigt werden. Man kann den Absolutismus billiger haben.
Schleswig-Holstein. Es frägt sich, ob es erlaubt ist, von Schleswig-Holstein noch zu sprechen. Nein, es kann nicht erlaubt sein. So lange der König von Preußen sich noch mit Kaiserideen trägt, muß er die Herzogthümer wie den schlesischen Weberdistrikt auö der Hofgeographie streichen lassen.
Man spricht von vergossenem Blute, das gen Himmel um Rache schreit. Nun gut, gut! ES gibt ja wohl Leute, die uns sagen können, ob in Schleswig-Holstein solch Blut vergossen ist.
Der Verrath in den Herzogthümern gehört der Geschichte. Wir, die wir ihn Schritt vor Schritt mitangesehen, die wir die ganze Maschinerie der Schandthaten miterlebt haben, — wir sind unfähig, ihn zu schildern.
Scheußlicher, abscheulicher ist noch kein Volk betrogen worden, als unsere Brüder im Norden. Angesichts dieser Gräuel sind die Würgereien in Ungarn, in Baden, in Mailand und Venedig weiß wie die Unschuld, gegen die preußische Negierung ist die österreichische unschuldig wie die Taube.
Einem Volke zujauchzen, Knaben und Greise in den Kampf rufen, unter donnerndem Jubelruf Weiber und Mädchen auffeuern, von ihren Männern, ihren Geliebten sich zu trennen, ihren Geliebten das Schwert umzugürten, die Begeisterung, den Enthusiasmus, die Aufopferung eines Volkes zu einem wilden, brausenden Strom anschwellcn lassen, an die Ehre des Volkes appelliren, mit Liedern und Gesängen den Heldenkampf verherrlichen, die Gluth der Revolution zu tausendfachen Flammen anfachen — — — und dann, dann, — dann dieses selbe Volk hinschlachten lassen, der aufgewühlten Begeisterung mit Kartäischeu antworten lassen, das arglose Volk verrathen, verlassen, dem Feinde überantworten — nein! eine solche Perfidie ist noch nicht dagewesen, eS ist der Mord eines GastfreundeS, der Todtschlag eines vertrauenden Kindes.
Wer hier vertheidigen will, ist ein Bube, ein ehrloser, verworfener Bube. Man kann Ungarn niedermetzeln, — gut! Man kann Baden mit Blut düngen — wohl! Es lassen sich für alles Das Gründe aufsinden. Es lassen sich Ausflüchte denken, die man anhören kann. Aber für daS Blut, das in den Herzogthümern vergossen ist, gibt es keine Gründe und keine Ausflüchte, eS ist vergossen worden zum Spiele, zum Zeitvertreib, vergossen auö Heuchelei, hinterlistig, schadenfroh vergossen.
Die Soldaten, die dort unten gefochten haben, schütteln den Kopf: „Es ist nicht mit rechten Dingen zugegangen!" Nicht? Nein, cs ist schurkisch, teuflisch zugegangen, es ist zugegangen so geheim, so grausig, wie eö an den Höfen zu- geht, so grausig, wie die Geschichten sind, von denen wir im König Hamlet lesen.
Kampf war heilig gesprochen! Der Kampf war e^Ml beendigt, zur Schmach der preußischen Krone beendigt , — warum spielte man dasselbe Spiel zum andern Mal? Warum sprach man die Begeisterung abermals heilig, wenn man sie abermals verrathen wollte? Warum erklärt die preußische Regierung nicht offen und unumwunden, daß sie auf Seiten der Dänen stehe?
Unter Hurrah und „Es lebe Deutschland!", unter den Schauern der heiligen Sache, stürzten die schleswig-Holsteinischen Heldenschaaren in den Kampf, wer nicht in die heilige
Schlacht gezogen, galt als ein Feigling, ein Landesverräter; Verwundete, Kranke, Krüppel schaarten sich um das flatternde Banner,--und das Alles umsonst, das Alles, um endlich dem Belagerungszustand entgegenzugehen, das Alleö, um schließlich dem Standrechte zu verfallen.
Das ist das deutsche Preußen, der preußische Patriotismus, daö ist der König, der deutscher Kaiser zu werden gedenkt. „Die Gesinnungen des Königs sind unwandelbar dieselben, ächt deutschen!"
Dieselben? Ja! Der dänische Krieg war nur eine MaSke, war das einzige Kunststück, daâ noch versing. Man braucht jetzt keine Masken, keine Kunststücke mehr, der dänische Krieg hat für den preußischen König kein Interesse mehr. Was geht den König von Preußen daö deutsche Volk an? Die schwarz- roth-goldene Komödie ist überflüssig.
Die preußische Regierung wird nächstens den Kammern ihre Rechtfertigung vorlegen. Was die Kammern antworten werden, ist außer Zweifel. „Der Herr hat'ö gegeben, der Herr Hat's genommen."
Ein wahrer Hohn, ein Spott auf sich selber ist aber die Entschuldigung mit „ englischem Einflüsse,". Es gehört mehr als die Bornirtheit eines konstitutionellen Unterthanen dazu, sich durch das englische Gespenst in unterthänige Verwirrung bringen zu lassen.
Unter „englischem Einflüsse" wird also die Ehre der deutschen Nation mit Füßen getreten, unter „englischem Einflüsse" wird Deutschland zerrissen, seine Nationalität vertilgt.
Und dazu soll Preußen an die Spitze Deutschlands treten, damit unter „englischem Einflüsse" Deutschland zu exi- stiren aufhört?
Ist der englische Einfluß mehr als der anerkannte Wille der Nation, mußten auf Englands Wunsch die preußischen Kanonen schweigen, die preußischen Fahnen sich senken?
Das Geständniß ist offen und ehrlich. Preußen will also nicht an die Spitze Deutschlands treten, um Deutschland, wie die kleindeutsche Sage geht, groß, mächtig und einig zu machen, sondern um seiner dynastischen Interessen willen, um über Deutschland mit den Mächten Europas stipuliren zu können. Preußen geht also nicht in Deutschland, sondern Deutschland geht in der Familie Hohenzollern auf.
Beim allmächtigen Gott! Man kann auch daS sich noch sagen lassen, daß die Lage der Dinge einen Krieg zur Unmöglichkeit mache, aber diese Lage ist dieselbe, wie vor dem Wiederausbruch deS Krieges. Das Blut der Tapferen ist doch absichtli ch geopfert.
Wie Schleswig-Holstein unter „englischem Einflüsse", so wird in Kurzem manches Andere „ unter russischem Einflüsse" zusammenbrechen. „Ein Krieg ist unmöglich." Die konstitutionellen Cosaken werden sich auch unter die russische Knute finden. „Es geht nicht anders."--—
Daß natürlich dermalen in den Herzogthümern unter dem Schutze der preußisch - dänischen „ L a n d e ö v e r w a l t u n g " kein Rechlszustand mehr existirt, versteht sich von selbst. Diese Landesverwaltung ist darauf berechnet, allen nationalen „Schwindel " mit Stumpf und Stiel auSzurotten, sic ist die Kehrseite der königlich preußischen Bundeâgenoffeuschaft. Wer sich ße9cn einen Befehl der Landesverwaltung, d. h. also gegen einen absolut ungültigen Befehl auflehnt, ist Rebell; alS Staats- diener wird er auö dem Amte gejagt. Zur Strafe für seine Theilnahme am preußischen Nationalkampf wird daS unter der Leitung des preußischen Landeüverwaltungömitglwd , deS Hrn. Grafen Eulenburg, zu förmlichen Knechtödieni c» gezwungen. Der Magistrat der Stadt Husum, welcher einei solchen Sklavendienst, die solenne Einholung des Stadtsckre a Davids, verweigerte, ist abgesetzt worden. Man glaub der Türkei zu sein.
(Beilage.)