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Die hochverräterische Regierung vertheidigte ihren Kreuzzug gegen die Freiheit, indem sie für die Freiheit zu kämpfen behauptete, indem sie die Restauration deS Papstes nicht ohne Bedingungen unterstützen, für die Rechte deö römischen Volks Garantien fordern wollte.
Das brennende Gewissen des napoleonischen Schurken hat eben so viel Theil an seinem Briefe, als die Lust an der Renommage, als die Liebe zum Eclat.
Der Brief ist zur guten Stunde gekommen. Er wird gegen die Juni-Insurgenten den Beweis liefern müssen, daß die römische Expedition wirklich im Interesse der Freiheit unternommen sei, daß die Absicht der französischen Regierung dieselbe geblieben sei.
Indem das Ministerium diesen Brief desavouirt, weist eS ihn nicht seinem Inhalte, sondern nur seiner Form nach zurück. Indem der Ochse ihn auf seinen Privatrücken nimmt, bindet er weder sich noch seine Gehülfen ; der Beweis der guten Absicht ist erbracht, ohne daß sie zur That gemacht werden müßte.
Der Brief deS gestiefelten Affen berührt nicht die äußere, sondern die innere Politik. Seine Heiligkeit der Papst werden über die Forderungen deS Präsidenten Verhandlungen anknü- pfen, der Ochse sowohl als der Papst werden Zeit gewinnen, der Cardinal Antonelli wird bis dahin die Restauration des päpstlichen Absolutismus vorbereitet haben, die Juni-Jn- [urgenten werden verurtheilt sein.
Wenn der Ochse nicht gegen alle Erwartung auf einen europäischen Krieg spekulirt, wenn Hr. Dufaure nicht endlich die Courage hat, seine aberwitzige Stellung aufzugeben, wenn er fortsährt, sich zwischen Hölle und Himmel möglich zu erhalten, sich von allen seinen Feinden wie ein Schuljunge dupi- ren zu lassen, sich wie eine ehrsame Stallmagd benutzen zu lassen, den Honetten Hampelmann zu spielen, so hat durch den Brief deS Präsidenten der Jesuit Fallour einen Sieg errungen, der honette Dufaure ist geschlagen worden. Das Ministerium wird dann vorläufig in seiner Jntcgriiät bestehen bleiben, aber der Honette ist von jetzt an in den Händen deS Jesuiten. Der Honette muß Concessionen machen. Der Ochse und die honette Republik, die Bonapartisten und die „ Rothenbezwinger " sind ohne Krieg ihrem Ende nah. Die Katzenpfoten der legitimisti- schen Partei strecken sicy immer weiter über Frankreich, die Changen der Bourbons werden immer größer.
Was bedeutet das französische Volk? Nichts! Auf die feige Revolution folgt die kourageuse Kontrerevolution, auf die halbe Freiheit die ganze Tyrannei.
Wer will in Frankreich den Bonapartisten , den Kaiser? Ein paar Feldwebel, ein paar Corporäle.
Wer will die honette Republick? Im Grunde Niemand.
Wer will die Regentschaft? Ein Haufen Krämer, Wucherer, Börsenmänner.
Wer will Joinville? Ein paar Enthusiasten.
Wenn dem so ist, warum sollte die europäische Contrere- Volution nicht die Bourbons restauriren, warum sollte sie nicht zugreifen und bis an ihr letztes Ziel gehen? Wenn ein Moment günstig ist, so ist es dieser. — —
Die Kammer, welche am I.Oktbr. zusammenkommen soll, vermuthlich aber ihre Sitzungen erst beginnt, wenn die Verur- theilung der Juni-Insurgenten und die Restauration deS Papstes ohne Bedingung eine vollendete Thatsache sind, wird ein großartiger Protest gegen den bonapartistischen und dufaure- schen Ochsen sein.
Derweilen amüsiren sich bie französischen Truppen in Rom auf'S Beste. Sie haben allerdings nicht wie das „herrliche Kriegs- Heer" in Baden ihre Champagnerfrühstücke und Abendessen mit requirirtem Confekt, dafür chikaniren sie aber die Cardinäle und deren Anhang. Die „große Armee" führt einen kleinen Stecknadelkrieg, einen Wanzenkrieg.
Cardinal Antonelli, der päpstliche Mephisto, denkt: „Was
geniren mich die Wanzen? Hab' ich doch meine Freude d'ran!" Cardinal Antonelli geht trotz der französischen Flohstiche auf sein Ziel los. Die römische ^Freiheit hat ihr vollkommenes Ende.
Anders als die französischen, ergehen sich die spanischen Truppen im Kirchenstaat. Die „ heilige Schaar" prügelt sich gemüthlich mit den Wirthen, behandelt daS römische Volk en canaille, frißt und säuft, kurzum, die „heilige Schaar" flegelt sich mit dem bengelhaften Uebermuth, der einer „heiligen Schaar " zukömmt.
Von allen Truppen, die jetzt in Italien stehen, werden die österreichischen die einzigen sein, die nicht als „dumme Jungen" abziehen.
Die deutsche Frage. Durch die kleindeutschen Zeitungen laufen allmählich verschämte Bekenntnisse, daß es mit der deutschen Einheit so eine Sache sei. Man spricht von einer Partei, welche Seiner Majestät, deren angestammte Liebe für ihre beschränkten Unterthanen natürlich außer Zweifel ist, j zuweilen zwischen die allerhöchsten Beine liefe und von dergleichen mehr.
Daß Seine Majestät, der Besitzer der lieben Berliner, die zu Zeiten mit Kartätschen gefüttert werden, in Sachen der deutschen Einheit gar nichts zu sagen haben, begreifen die Kleindeutschen nicht.
Wir wiederholen: Der König von Preußen war so lange Kleinkaiser, als Bürger Nikolaus ihm dieses Plaisir gestattete. Der russische Pavian hat zuweilen ein Interesse daran, mit dem König von Preußen Demonstrationen zu machen. Daß aber die Bäume nicht in den Himmel wachsen, dafür ist gesorgt.
Die Kleindeutschen haben sich in ihrer maßlosen Bescheidenheit und kindlich-rührenden Resignation bereits in die Ansätze zu einem neuen deutschen Bunde gefunden.
Auö dem völkerrechtlichen Verbände mit Oesterreich wird ein staatsrechtlicher. Schadet nichts!
„Preußen wird jedenfalls den engeren Bundesstaat in'S Leben treten lassen."
Warum nicht? Der engere Bundesstaat ist neben Aufrechthaltung der Bundeöakte, für welche Seine Majestät in heiliger Allianz-Begeisterung förmlich schwärmt, ein ganz gemüthlicher Bummelverein mit einerlei Münze und Maaß, einerlei Büttel und Polizei, einerlei Standrecht und Zuchthaus. Die vereinigten Staaten können in aller Behaglichkeit gemeinschaft- lich Kegel schieben oder Sperlinge fangen.
Bei Aufrechthaltung der Bundeöakte hat der engere Bundesstaat ohngefähr die Geschäfte des AbteS von St. Gallen.
Die Kleinveutschen halten sich natürlich für gescheidter alS den russischen OberknäS und alle Unterknäse zusammengenom- mcn. Mit der pfiffigsten Miene von der Welt gehen sie auf den neuen Bund, auf Hölle und Teufel ein; in ihrem Herzen steht die Ueberzeugung fest, daß bei einem kleindeutschen Parlament, worin die edlen Basiermänner sitzen, der neue Dun eine bloße Redensart, eine pure Null wär. Die Kleindeutschen haben wirklich die Absicht, Seine Majestät von Preußen und die ganze contrerevolutionäre Politik mit dem kleindeutschen Parlament zu prellen, über die Ohren zu hauen.
Die Eitelkeit der Pudelhündchen ist bekannt. Ein Par fl' ment imponirt freilich den Herrschaften so viel, daß man £ nach Belieben zum Henker und noch einige Stückkugeln hin " her jagt, — zur Aufmunterung im Laufen! — Die k c deutsche Partei hat aber vermuthlich besondere Kunstgriffe i petto, die noch Niemand kennt, und die erst, wenn s an wirkliche Prellen geht, losgelassen werden. ES »st wohlgethau, seinen Schlachtplan nicht vor der Zeit zu rathen. ,
Wer Anderen eine Grube gräbt, fällt leider zuweilen 1