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Zweiter Jahrgang.
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„Raum, Ihr Zerren, dem Flügelschlag Liner freien Keele!"
«L 113. Kassel, Sonnabend, den 22. September 1849.
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Politische Wochenschau.
Frankreich und Rom. Der napoleonische „Hock" dauert fort. Der Eclat, auf welchen die heroische, in oheim- licher Trunkenheit zu Papier gebrachte, Coulissenreifferei deS gestiefelten Affen berechnet war, ist in sein totales Gegentheil umgeschlagen.
Der Affe hat sich mit seinem Handschreiben an rc. Ney gründlich blamirt. Der Affe hat nach losgegangenem Schüsse einen so kolossalen Schrecken vor seiner Bravour bekommen, daß er jetzt hinter seinem Ministerium herumtgnzt, wie ein verfolgter Pudel, wie ein Junge, der im Uebermuth ein paar Fensterscheiben demolirt hat und sich hinter einer Mauer gegen die Polizei sicher stellt.
Die ministerielle Mauer erklärt sich indessen gegen die Rolle des Sündenbocks. Es ist die Geschichte mit den Schul» buben. Keiner von allen will gepfiffen oder gesungen haben, alle sind unschuldig wie die Lämmer.
Die Unschuld des Ochsen ist gewiß. WaS kann Louis Napoleon dafür, daß sein Onkel ein großer Mann gewesen und viel Aufsehns in der Welt gemacht hat? Was kann Friedrich Wilhelm IV. dazu, daß einer seiner Vorfahren Friedrich der Große hieß? Nichts!
Die Frage ist nur, wie man die Blamage mit einigem Anstand in Vergessenheit bringt.
Vor allen Dingen ist der unverantwortliche Brief deS verantwortlichen Präsidenten eine reine Privatsache , ein letzter Beweis für die liberalen Gesinnungen deS kaiserlichen Büffels, eine vertrauliche Mittheilung auö dem Buche seiner patriotischen Gefühle.
Man mag sagen, was man will, der Ochse mag so dumm sein, wie ein anderer Ochse auch, — der Ochse hat aber ein gutes Herz! Der Ochse ist kein Staatsmann, aber eme ehrliche Haut, ein bon homme. DaS französische Volk wwd ihm das in Anrechnung bringen.
Nachdem der verantwortliche Ochse diesen unverantwortlichen Beweis auf Privatwege geliefert hat, ist er konstitu- tionell und demüthig genug, seinem Ministerium das Wei- tere zu überlassen. Der Ochse als Privatmann sinkt zum staatsmännischen Kalb herab.
Weder Dufaure noch Falloux brauchen ihre Entlassung zu nehmen. ES ist nichts nöthig, als eine Verständigung. AuS Mitleid für den armen, gutherzigen Louis, so zu sagen, um dem Kinde den Spaß nicht zu verderben, um ihn für seine unschuldige Renommage nicht zu hart büßen zu lassen, braucht man die heroischen Forderungen an Seine Heiligkeit nicht gerade zu desavouiren, man braucht nur zu erklären, daß es nicht so schlimm damit gemeint sei, daß man mit sich handeln lasse.
Wollen Seine Heiligkeit keine „allgemeine Amne- stie" verwilligen, so verstehen sich dieselben vielleicht zu einer theilweisen.
Jncliniren Seine Heiligkeit nicht zu einer „Säculari- sation der Verwaltung" oder einer „liberalen Re- gierung", so wird man daraus gerade keinen casus belli machen. Man kann sich ja verständigen.
Wenn Seine Heiligkeit nicht für den ganzen Code Napo leon gestimmt sind, so werden doch vielleicht einige Paraâra- phen — — rc. rc. °
Unter vernünftigen Leuten läßt sich natürlich Alles in's Reine bringen. Man arrangirt sich. General Nostolan wird ebenfalls ein Einsehen haben und seine Stelle behalten.
Der Theatercoup dcS gestiefelten Affen hat eine kleine Nebenbedeutung.
Bekanntlich wird in diesen Tagen der Prozeß gegen die diesjährigen Juni-Jnsurgenten beginnen. In der Vertheidigung wird die schmachvolle römische Expedition eine Hauptrolle spielen. Diese Erpedition ist eine VerfassungSverleßung, eine Verleugnung der französischen Revolution, ein Attentat auf die ersten Grundsätze der Republik. Diese Expedition ist daS brennende Gewissen des gestiefelten Affen und seiner Henkersknechte.