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Die gekrönten Bundesgenossen schüttelten den Kopf. Das HauS wurde niedergerissen , es wurde ein anderes gebaut.

Die Schulmeister setzten sich heulend und wehklagend in die Ecken ihrer Studirzimmer, sie verhüllten ihre Häupter, sie zer­rissen ihre Kleider, — das Wunderwerk, für daS Tausende erwürgt worden, gefiel weder dem Volke, noch den Herren, weder den Kronen, noch den Schemeln, eS gefiel nur ihnen, den Professoren, den Schulmeistern.

Aber ein deutscher Professor weiß sich zu trösten. „Ehre verloren, Amt behalten!" Von dem niedergerissenen Gebäude geruhten die gekrönten Herrschaften einige Mauersteine, ein paar Schnörkel zu employiren, — die Professoren schrieen Ho­siannah, sie nahmen den Bastard an Kindeèftatt an, sie cchauf- sirten sich für den Bastard wie für ihr eigenes Blut.

Das geschlagene, getretene, geschundene Volk, daS Volk, das mit Kartätschen, Schrapnells, Slückkugcln zum Enthusias­mus für daö W u nd er w er k d er P ro ses sore n gezwungen worden war, dasselbe Volk sollte jetzt zum Enthusiasmus für den Bastard gepeitscht werden.

Das Volk verstand daS nicht. Das Volk protegirte das Wunderwerk der Professoren.

Man hätte erwarten sollen, daß die Professoren über die Aufopferung des Volkes für ihr eigenes Kind gerührt geworden wären, daß sie das Volk aufgemuntert, für das Volk gepre­digt , gebetet, gestritten hätten, bewahre! — der Teufel hatte einmal das Wunderwerk geheckt, die Professoren protegirten den Bnstaid. Mit demselben Fanatismus, mit dem sie früher das Volk niedermetzeln ließen, ließen sie es jetzt niedermetzeln.

Aus ten eitlen, ehrgeizigen Professoren waren ehrlose, käufliche Stallknechte, kriechende Lakaien geworden. Die Schul­meister plaidirten gegen Bezahlung für den königlichen Wech- selbalg. Das gelehrte Gesindel vertheidigte mit den elende­sten Scheingründen die neuen Mördereien, die neuen Metze­leien, die neuen Satansstreiche, die jetzt verübt wurden.

Und diese Professoren sprechen noch von KonstUutionalis- mus? Diese Lügner, Vcrräthcr, diese feilen Verkäufer ihrer Gewissen, diese Schacherjuden mit ihrem Gelehrtenstolze wol­len dem Volke ein System aufdringen, daö nirgends eristirt, als in ihren Heften, daö nicht hätte entstehen können, wenn man nicht die Geschichte absichtlich gefälscht, Thatsachen ver­leugnet, falsche Parallelen gezogen, die Entwickelung eines Jahrhunderts ignorirt hätte?

Daö konstitutionelle System ist nichts, als die Blamage für die deutschen Professoren, der Bankerott der politischen Gelehr­samkeit. Was man den deutschen Schulmeistern immer zugeru­fen hat: „Bleibe beim Leisten, Schuster!", „zur Politik ist ein deutscher Professor verdorben" — die Berechtigung zu dieser Sottise hat sich vollkommen herausgestellt, die Fürsten haben guten Grund gehabt, auf diese gelehrten Schwindler keinen Werth zu legen.

Das konstitutionelle System ist nicht etwa die Herrschaft des Volkes, sondern es ist die Ausbeutung des Volkes zu Gunsten eines Standes, zu Gunsten desjenigen Standes, der sein Auskommen hat, der sich mit der Politik befassen kann, d. h. dermalen zu Gunsten der Bourgeoisie.

DaS konstitutionelle System ist eine Möglichkeit, wenn wir die moderne Nationalökonomie ruiniren, wenn wir auf die Tage der Schutzherrschaft, des ökonomischen Interesses an den Schützlingen, zurückgehen, es ist eine Möglichkeit, so lange die Möglichkeit deü Empoikommcns für Alle und Jeden gegeben ist, cs ist eine Barbarei, eine Plünderung, ein moralischer Mord, sobald der Gegensatz zwischen Proletariat und Bourgeoisie sich entwickelt, die Bourgeoisie ein Interesse daran hat, daS Proletariat immer tiefer sinken, immer rechtloser werden zu lassen.

DaS konstitutionelle System ist eine Möglichkeit, so lange eine starke, charakterfeste Aristokratie besteht, ein Adel mit

adeligen Tugenden, mit Männerstolz, Selbstbewußtsein, mit Aufopferung und feiner Sitte, eS ist eine Unmöglichkeit, eine logische Absurdität, sobald an die Stelle deS Adels der hab­gierige Schacher, die Bourgeoisie tritt, der Geiz, der Neid, der plebejische Hochmuth , die aufgespreizte Gemeinheit.

Das konstitutionelle System war eine herrliche Sache, so lange eS in den Lehrbüchern stand, jetzt, wo man die leben­dige Probe daraus machen wollte, ist eS verloren.

An seine Stelle tritt die Demokratie, oder die absolute Bureaukratie. Von der letzteren haben wir diesmal zu sprechen.

Zuvor aber soll in wenigen Worten dargethan werden, daß die Professoren bei dem Versuche, ihr konstitutionelles System einzuführen, die welthistorische Prügelei zwiefach gebilligt ha­ben. Sie haben sich erst vorwärts und dann rückwärts durch­geschlagen, beidemal sind sie aber in ihrem achllleischcn Zorn über die Grenze hinauögestürmt.

(Schluß folgt.)

Die deutsche Frage.

Die „gute Presse" hat über die deutsche Frage halb den Verstand verloren. Wenn diese Frage noch lange in der Schwebe bleibt, werden wir der „guten Presse" bald entle­digt sein. Ihre Redakteure werden sich im Irrenhause befinden.

Die „deutsche Frage" ist eine schamlose, aber eine possir- liche. Sie ist schamlos als eine Frage über unser Leben, unser Eigenthum, über unsere Ehre und Freiheit, als eine Frage, deren Beantwortung nicht von uns gefordert wird, sondern von unsern Tyrannen, bei deren Beantwortung wir nicht einmal gehört, nicht einmal um Rath gefragt werden. Die deutsche Nation ist so elend, so tief gesunken, so schmachvoll verrathen, daß sie dermalen über sich, über ihre Existenz von ihren ewigen Feinden verhandeln läßt, daß sie sich daö Maaß ihrer Freiheit von ihren Tyrannen zuwägen läßt, daß sie über sich stipuliren läßt, wie über einen Handelsartikel; die Exi­stenz der deutschen Frage ist eine Infamie, sie ist das Brand­mal, der KainSstempel deS deutschen Volkes, sie ist der Be­weis, daß Deutschland zu einer politischen Buhldirne hcrabge- suykcn ist, daß eS sich seinen Tyrannen zu eigen gegeben, sich rechtlos gemacht hat. Die Existenz der deutschen Frage, die Existenz dieser Schmach hat cs bereits dahin gebracht, daß Wetten angcstellt werden über den zu hoffenden Grad unserer Freiheit, über die Art unseres Foistbcstehcns; daß auf die Größe der Zugeständnisse parirt wird, wie allenfalls von einem Engländer auf die Güte seines Nenners, auf die Nace seiner Hunde.

Die deutsche Frage ist schamlos, aber sie hat ihre koinl- schcn Seiten. Wie ein Hund nach einem Stückchen Fleisch schnappt, so schnappen unsere kleindeutschen Politiker nach „günstigen Nachrichten", „freudigen Berichten". Eine preu­ßische Note mit kleindeutschen Tendenzen wird wie eine eroberte Fahne bohnenstangenhoch in die Luft gehoben, cö werden darob Bälle gehalten, Toaste auögcbracht, Sammlungen veranstaltet. Jede preußische Grobheit gegen Oesterreich ist ein Fund, ist eine Errungenschaft, eine politische Demonstration, ein Beweis für die weitere „ Anbahnung der guten Sache".

Mitten in diesem kleindeutschen Dusel kommt dann plötzlich einmal eine Nachricht einer Verständigung zwischen den beiden deutschen Großmächten. Die kleindeutschen Politiker frieren zu Bildsäulen fest, ihre Augen stieren wie von Glaè, — über nein! diese Verständigung ist eine Unmöglichkeit, eine Zeitung lüge, eine Verleumdung.

Es ist gar nicht anders möglich: es muß so gehen, ^te die Professoren, wie der Edle von Gagern in fetn.cnL^ -I“ Kopfe beschlossen hat. Man müßte den Glauben an die Mensch