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die Centralisation der Magyaren zu sanatisiren, der sie für diese Rechte ihr Blut verspritzen hieß,--derselbe Ban erklärt jetzt, daß es Angesichts der Allgewalt seines Herrn kein Recht mehr gebe, daß mit dem selbstständigen Ungarn auch daS selbstständige Kroatien gestrichen sei. Elender, niederträchtiger Verrath, schamloser, scheußlicher Meineid!
Wir wiederholen abermals : der Gesammtstaat Oesterreich ist verloren. Unter dem Standrecht, unter dem ewig gezückten Säbel werden sich dennoch die Provinzen erheben, die Czechen werden sich mit den Magyaren, die Magyaren werden sich mit den Slaven verbinden, — — wenn die Provinzen lange genug geblutet haben, lange genug betrogen, überlistet, geplündert sind, wenn die oktroyirte Verfâng hohnlachend zerrissen ist, die absolute Gewalt ihre E^ke abgeworfen hat, wird der mit Blut geleimte Staat über Nacht auScinanderfallen, Oesterreich wird zugleich mit seinen deutschen Provinzen die außerdeutschen verlieren.
Preußen und die veruneinigten Staaten Deutschlands. Die Krone Deutschlands ist noch nicht vergeben. Nachdem Preußen und Oesterreich gemeinschaftlich die deutsche VolkSsouveränctät ruinirt haben, wozu Oesterreich seinen Johann, Preußen seinen Waffenstillstand, alle beide die aufgelösten Kammern, die oktroyirten Landeskonstitutionen gegeben haben, wozu Oesterreich den Protest gegen die Reichs- verfassung, Preußen die Verjagung der Nationalversammlung und Oktroyirung der preußischen Reichsverfassung geliefert hat, zeigen sich die verschiedenen Wege, welche beide Monarchien bei diesen, dem deutschen Volke applicirten Fußtritten gegangen sind. Wir haben bereits gesagt, daß Preußen auf den Bankerott Oesterreichs speculirt hatte. Je näher derselbe kam, desto weiter streckte es seine Tatzen aus, je entfernter derselbe wurde, desto weiter wurden die Tatzen wieder eingezogen. Die Politik Preußens gegenüber Oesterreich ist eine absolut „schofle", perside, preußische. Man mag von Oesterreich sagen, was man will, in der deutschen Sache hat eS sich wenigstens cou- rageus benommen, es hat seine Ehre gewahrt, seinem Stolze nichts vergeben, es hat seine Angst unter seinem Trotze versteckt. ES hat den teuflischen Muth gehabt, mitten in seiner ungarischen und italienischen Verlegenheit durch den Mord eines Reichötagöabgeordneten zu imponiren.
Durch die Niederlage der Ungarn ist der romantische König, der seiner Zeit, wie andere Leute im schwarzen Frack, mit abgezogenem Hute vor dem Volk erschien, mit dreifarbiger Schärpe durch die Gassen ritt, aus dem Concept gerathen. Seine Stellung zu Oesterreich ist eine bedenkliche geworden. Die listige Politik, die den gutmüthigen Kaiser Franz Joseph zu übertölpeln gedachte, ist vom listigen Nikolaus übertölpelt.
Der wieder zu Kräften gekommene Franz Joseph hält nunmehr mit dem Kaiserkandidaten Abrechnung. Es zeigt sich dabei, daß der preußischen Majestät Gehülfen etwaö unschwäger- schaftlich gehandelt haben.
Als neuester Beleg dafür theilt die Wiener Zeitung den Entwurf der Unionsacte, die Preußen für die Verbindung Oesterreichs mit Deutschland aufzustellen geruhte, in zwei verschiedenen Fassungen mit, einmal in der, wie ihn Preußen seinen Kammern, und das anderem«! in der, wie ihn Hr. v. Canitz dem österreichischen Kabinet vorgelegt hat.
Da die in beiden Entwürfen abweichenden Punkte allerdings nicht von wesentlichem materiellem Belange sind, so theilen wir sie un|ern Lesern gar nicht mit. Wir registriren hier nur daS Gewicht, welches Oesterreich auf diese „zweideutige Haltung" Preußens legt. Es beweist für das eingetretene gegenseitige Mißtraue».
Der Politik Preußens ist durch Oesterreich ein Halt! zugerufen. DaS Ministerium Brandenburg-Manteuffel, und mit ihm die ganze klein-kaiserliche Partei, steht wie angedon
nert. Der König von Preußen sieht sich genöthigt, sein Ministerium zu deöavouiren, auf seiner Conferen; zu Töplitz war er ohne verantwortlichen Minister, statt dessen begleitete ihn Hr v Gerlach
Hr. v. Gerlach! — Ein panischer Schrecken kommt über die „gute Presse". Hr. v. Gerlach ist ja ein Scheusal, ein Russe, ein Kosak! Wehe über Israel! Alle Regierungen müssen sich von Hrn. v. Gerlach lossagen, sie müssen gegen diese „neue Wendung der Dinge" protestiren.
Noch gestern erzählten alle klein-kaiserlichen Blätter, mit der deutschen Sache stünd's ganz gut, heute hat sich der Wind gedreht, Hr. v. Gerlach ist mit dem Kleinkaiser in Töplitz ge- wesen. Wehe über Israel!
Das sind die Folgen der optimistischen Phrasen, deö wahnsinnigen Vertrauens, der verschacherten, feige, elend verlotterten Volkssouveränetät. Es ist Alles wie früher, die Geschicke der Völker werden in den Regionen gelenkt, wohin ein unter- thäniges Auge nicht zu blicken wagt, man muß annehmen, was uns gnädig beschieden wird. Der stolze Bürger hat wieder in sein Hundeloch zu kriechen und die Bissen zu fressen, die ihm vorgeworfen werden.
Die Geschicke der Völker sind wieder dem Zufall, der Laune, den geheimen Konferenzen verfallen. Die feile Bourgeoisie, der elende KonstitutionaliSmuS, die blödsinnigen Schreier haben ihre Ehre in die Banken der souveränen Wiü- kühr gelegt, ihren Männerstolz auf das fürstliche Leihhaus getragen. Für „Ruhe und Ordnung" haben sie die Nation an ihre Zwingherren ausgeliefert.
Herr von Gerlach! Wer ist dieser Gerlach? Dieser Gerlach ist nicht etwa ein Gegensatz des Hrn. v. Radowitz, sondern es ist Radowitz selbst in russischen Diensten. Radowitz bedeutete den russischen Absolutismus in preußischem Interesse, Hr. v. Gerlach bedeutet denselben Absolutismus in russischem Interesse.
Daß es nach dem Morde unserer Revolution für Deutschland keine Freiheit, auch nicht jene Bastardfreiheit, die man konstitutionelle Monarchie zu nennen pflegt, geben konnte, war deutlich. „ Der Absolutismus ist die einzig mögliche Regie- rungSform der modernen Despoten." ES kam nur darauf an, ob kraft dieses Absolutismus Deutschland eine sogenannte Einheit erhalten sollte oder nicht. Hr. v. Radowitz vertritt diese absolutistische Einheit, Hr. V. Gerlach ist da
gegen.
Nach der Niederlage der Ungarn ist nicht mehr Hr. v. Radowitz, sondern Hr. von Gerlach der Prophet. Und daS ist die Umstimmung in der Politik, von der wir sprachen! Noch freilich wird Radowitz versuchen, seine Partei zu retten, es 'st, wie wir anbeuteten, möglich, daß der französische Ochse dazu als Mittel dienen soll, mehr als möglich ist eS aber, daß fortan nicht Radowitz, sondern Hr. von Gerlach regiert.
Die Allianz BaicrnS und Würtembergs mit Oesterreich wird immer inniger, Oesterreich schiebt seine Truppen immer weiter^ nach Westen, — — der Kleinkaiser wird mit dem Groß- kalter weiter unterhandeln müssen, durch diese Unterhandlung ist Radowitz verloren, Gerlach gerettet.
Oder will Preußen den Krieg? Will eS ihn Hand in Hand mit Frankreich? ~ DaS ist Wahnsinn! Man kann mit dem französischen Ochsen wohl drohen, aber nicht Krieg führen.
Preußen und Oesterreich werden sich verständigen müssen, sie werden eS auf alle Fälle müssen, mag Louis Napoleon auf eigene Faust oder im Auftrage fremder Nationen Politik machen.
Mittlerweile dauert der kleine Krieg zwischen dem Erzherzog und dem Prinzen von Preußen in Frankfurt fort. Die neue deutsche Zeitung erzählt darüber Folgendes:
„Frankfurt, 12. Septbr. Die Unterhandlungen zwischen Habsburg und Hohenzollern über die künftige Gestaltung der provisorischan Centralgewalt haben noch immer zu
(Beilage.)