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Oesterreich hat zu lange Mittelalter gespielt, um setzt das 19te Jahrhundert spielen zu können. Zur Zeit, als der dy­nastischen Gewalt noch Alles möglich war, hat cs aus Angst vor seiner eigenen Macht versäumt, in die neue Bahn einzu­lenken ; auS Furcht vor den Folgen der Josephinischen Resor- men hat es sich vom Josephinischen Geiste losgesagt, dem ein­zigen, der diesen unbehülflichen, ungegliederten Staat retten kannte.

Die österreichischen Nationen liegen da, wie sie gelegen haben, ohne Versöhnung, ohne Lermittelung, in jeder Minute rebellisch , in jedem Augenblicke mit dem Abfall drohend. Die Gesammtverfassung für das ganze Reich ist eine Unmöglichkeit, weil sie zu früh kommt, ein Uebergang zu derselben ist un­möglich , weil er zu spät ist.

Keine der österreichschen Nationalitäten ist zu dem Wiener Centralpunkt herangezogen worden, unter dem alten Regiment sind alle ccntrifugal geworden, haben alle ihre eigenen Ueber- kommcnhciten, ihre Sonderinteressen, ihre eigenen Hoffnungen, Wünsche und Träume gehegt und gepflegt.

Und wenn die österreichische Regierung jetzt begönne, ehr- li ch zu werden, liberal zu werden, was sie nicht thut! es wäre zu spät, Oesterreich ist verloren.

Weder Haynau, der blutige Terrorist, der Mann ohne Gnade und Erbarmen", der Würger und Henkersknecht, noch Radetzky, der alte Feldherr, der bei Novara gesiegt hat, noch Jellacic, der Dutzbruder Sophiens, der Kroatcuagitator und Apostat von den Kroaten, können mit ihren eisernen Fäusten das zerfallene Reich zusammenhalten, kein Blut bindet vie rebellischen Provinzen, Oesterreich ist verloren. Ein Wrack treibt es unter den europäischen Staaten umher, gestoßen und getreten von allen Seiten, von Rußland mit den mitleidigen Augen eines Fuchses, von Preußen mit offener Verachtung angesehen.

Oesterreich konnte über seine Lage nicht zweifelhaft sein. Als seine außerdeutschen Provinzen sich erhoben, sah es sich zu einer Macht dritten Ranges herabgewürdigt, es klammerte sich mit Verzweiflung an das deutsche Reich an, es pochte auf seine kaiserlichen Traditionen, wollte in seiner Stellung zu Deutschland retten, was in seiner Stellung als Großmacht verloren gehen muß. Die Dynastie Habsburg reclamirte den deutschen Kaiser.

Die Dynastie Hohcrzollern sah in dieser Reclamation die Anmaßung eines kindisch gewordenen Alten. Sie behandelte ihn mit vetterschaftlicher Schonung, ging aber gleichwohl ihre besonderen Wege.

In diesem Augenblick scheint Oesterreich noch einmal gerettet. Berauscht von dem Blute seiner Unterthanen fühlt es Kraft genug in sich, die preußischen Wege mit dem Schwerte zu durchkreuzen, seine Waffen noch einmal in die Wagschaale zu werfen, in der Preußen und Rußland ihre Weltstellung ab­wiegen. Die Kaiserkrone ist noch nicht vergeben.

Wenn Oesterreich nicht blödsinnig geworden ist, so kann seine deutsche Politik jetzt keine andere sein, alö sie es damals war, da Oesterreich gegen die deutsche Reichsverfassung pro- testirte. Wir haben gesagt, der Sieg Oesterreichs ist nur ein scheinbarer. Die Dynastie hat keinen anderen Nutzen davon, als den des Augenblicks, der augenblicklichen Möglichkeit , sei­nen deutschen Ansprüchen Nachdruck zu geben.

Mit den blutigen Waffen Radetzkys und HaynauS muß Oesterreich sich in rastloser Schnelligkeit die Stellung erobern, die es über kurz nöthig hat, wenn cs nicht preußischer Vasall, wenn es nicht Unterthan des preußischen Kaisers werden oder die Rolle Polens spielen will.

Die Zeit der dynastischen Schwägerschaften ist vorüber. Die moderne Politik der Monarchen kennt nur daS Gebot der Selbsterhaltung, der Sorge für'seigene Haus".

Oesterreich operirt in diesem Augenblicke nach zwei Seiten.

Im Gefühl seiner scheinbar geretteten Weltmacht sucht eS die- selbe mit der Kraft der Verzweiflung zu befestigen, im Gefühl seiner Hinfälligkeit sucht eS sich in Deutschland fcstzuklammern.

WaS die letztere Operation anlangt, so bleiben die Fort­schritte derselben natürlich demblöden Unterthanenverstande" so lange verborgen, bis es den Herren gefällig ist, sie zu of­fenbaren. Die Zusammenkunft der Monarchen in Teplitz, die Gerüchte über die Ernennung Haynau's zum Befehlshaber der Westarmee, die beabsichtigte Zusammenkunft des Kaisers, Ra- detzky's, deS Generals Heß lassen invessen einige Vermuthungen über den Eifer, mit dem diese Angelegenheit betrieben wird, zu.

Neben der deutschen Frage ist aber für Oesterreich noch die andere zu lösen, Mpie spezifisch österreichische. ES versteht sich nämlich, daß die österreichische Dynastie die Möglichkeit wenigstens festhält, den Gesammtstaat zu retten, die Dy­nastie glaubt sogar an die Wahrscheinlichkeit dieser Rettung.

Das einzige Mittel ist der Absolutismus, nicht jener schwindelhafte, mystische, mittelalterliche Absolutismus, nicht der Schaukelabsolutiömus Metternich's, nicht jener Absolutis­mus der Intriguen, der Polizei, der Meineide und Reserva­tionen, sondern der moderne Absolutismus, derselbe, welcher jetzt überall gelehrt und gepredigt wird, der Absolutismus der brutalen Gewalt, deâ Standrechts, der S ä b e la b so l u t iSm u S.

DaS Blut, daö in Europa vergossen ist, ist nur die Quelle, zu der sich die Ströme Blutes noch gesellen müssen, die noch vergossen werden. Die Monarchien haben keine Wahl mehr.

Von diesem Augenblicke an kann es in Oesterreich weder eine Lombardei, noch ein Venedig, weder ein Ungarn, noch ein Kroatien geben. Wie in den Tagen deS französischen Ter­rorismus die widerspenstigen Köpfe der Reaktion fielen, so müssen dermalen die widerspenstigen Nationalitäten fallen, Oesterreich muß seine trotzigen Glieder mit der Gewalt des Standrechts unterwerfen.

Die Durchführung der oktroyirten Verfassung ist nur ein Vorwand für diesen Völkermord, diesen Vandalismus der Cen­tralisation. So wenig Preußen seine Verfassung halten wird, so wenig Oesterreich.

Nach fürstlicher Auffassung sind die verbrieften Rechte der Magyaren durch ihre Rebellion verwirkt. DaS selbstständige Ungarn ist gestrichen. Es ist deshalb unnöthig, noch ein­mal , wie wir beabsichtigten, auf die letzte Katastrophe in Un­garn zurückzukommen, unnöthig, von der Ehre Görgey'ö zu retten, so viel zu retten ist, die schaamlosen Angriffe auf KossuthsEigennutz und Herrschsucht" zurückzuweisen. DaS aber müssen wir bemerken, daß es Wahnsinn ist, in demselben Augenblicke den TerroriSmuS Kossuths zu verdammen, den Ter­rorismus zu Gunsten der Freiheit gegen die Niederträchtig­keit, die Ehrlosigkeit, den Verrath, in demselben Augenblicke, wo zu Gunsten der Tyrannei, der Knechtschaft, zu Gunsten der Anniaßung eines gekrönten Knaben mit seiner blutgierigen Mutter ganz Oesterreich gestandrechtet, mit Knuten geschlagen, geschun­den und getreten wird.

Aber nicht blos die Konstitution der Magyaren, auch die Konstitution derRetter auS der Noth", der Kroaten, muß vernichtet werden. Der moderne Absolutismus kennt keine Dankbarkeit, keine Rechte der Freunde, er kennt nur Pflichten der Knechte, nur Machtgebote der Herren.

Der Banatrath hat sich gegen die oktroyirte Verfassung aufgelehut, er weist auf die ReichStagSartikel vom Jahr 1790, auf die Ursachen, warum Kroatien gegen die Magyaren auf­gestanden sei, der Banatrath wird vom Ban Jellacic ge­deutet, daß er zu schweigen und zu gehorchen habe. Die Kroaten sind gebraucht und werden zur Seite getvorjen.

Der Ban Jellacic war es, der im vorigen Jahre die selbst- ständigen Rechte der Kroaten, die alten, verbrieften Rechte benutzte, um die Besitzer dieser Rechte gegen die Eigenmacht