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Zweiter Jahrgang.
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„Naum, Ihr Herren, dem Flügclschlag Einer freien Keele!"
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Kassel, Sonnabend, den 15. September
1849.
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Politische Wochenschau.
Frankreich und Italien. (Der Neffe als Onkel.) Der napoleonische Vagabund, der seit dem 20. December v. I. auf dem französischen Präsidcntcnstuhle sitzt, der daö französische Volk, schon von Lamartine verrathen, vom honetten Cavagnac mit Füßen getreten, geradezu inS Angesicht geschlagen hat, den französischen Stolz, die französische Ambition, die französische Ritterlichkeit zum Gassen- scandal gemacht, die „große Nation" zu Pariser Gamins erniedrigt hat, dieser kollerige Hanswurst, der zu Gunsten der europäischen Monarchen, zu Gunsten der Restauration, der Contrerevolution den Franzosen die Zeit vertreiben mußte, der, von allen Seiten geohrfeigt, die Ungarn verbluten, den Bürger Oudinot Rom bombardiren und pacisiciren ließ, der vom Odilon - Barrot'schen, Thiers'schen, vom Bonapartischen und legitimistischen Gebrüll absolut verrückt geworden ist, dieser selbe gestiefelte Affe hat in einem Anfall kindischer Bravour folgendes Schreiben an den Adjutanten Ney in Nom erlassen:
„ An den Obersten Edgar Ney. — Mein lieber Ney, die französische Republik Hal eine Armee nach Rom geschickt nicht um die italienische Frei- deit zu ersticken, sondern im Gegentheil , um sie zu regeln, sie vor ihren eigenen Exzessen zu bewahren und ihr eine feste Grundlage zu geben, indem sie den Fürsten, der sich zuerst kühn an die Spitze aller nützlichen Reformen gestellt hat, auf den päpstlichen Thron wieder einsetzte. Mit Leidwesen erfahre ich, daß die wohlwollende Absicht des heiligen Waters, so wie unsere eigene Thätigkeit gegenüber den feindseligen Leidenschaften und Einflüssen, welche die Proscription und Tyrannei zur Basis der Rückkehr des Papstes machen, unfruchtbar bleiben. Sagen Sie in meinem Namen dem General, daß er in keinem Falle gestatte, daß unter dem Schatten der dreifarbigen Fahne irgend eine Handlung geschehe, die den Charakter unserer Intervention entstellen kann. Ich verstehe die weltliche Macht des L^pstes so: „Allgemeine Amnestie, Säcularisation der Verwaltung, Eode Napoleon und liberale Regierung." Es hat mich persönlich verletzt, als ich die Proklamation der drei Kardinäle las, in der des Namens Frank- nchâ und der Leiden seiner braven Soldaten keine Erwähnung geschieht. J e ®e|d)impfung unserer Fahne oder unserer Uniform trifft mich gerade 6 Herz. Empfehlen Sie dem General, er möge es zu verstehen geben,
daß wenn Frankreich seine Dienste nicht verkauft, es wenigstens fordert, daß man ihm seine Opfer und seine Intervention Dank weiß. Als unsere Armeen die Runde durch Europa machten, ließen sie als Spuren ihres Zuges überall die Zerstörung der Mißbräuche der Feudalität und die Keime der Freiheit zurück. Man soll dereinst nicht sagen, daß im Jahre 1849 eine französische Armee in einem andern Sinne handeln und andere Resultate hecbeiführen konnte. Bitten Sie den General, in meinem Namen der Armee für ihr edles Benehmen zu danken. Ich habe mit Bedauern vernommen , daß sie nicht einmal in Bezug auf ihr leibliches Wohl befinden so behandelt wird, wie sie es verdient. Ich hoffe, daß der General diesem Zustand der Dinge auf der Stelle ein Ende machen wird. Keine Rücksicht darf genommen werden, wenn es gilt, unsere Truppen angemessen einzurichten Empfangen Sie, mein lieber Ney, die Versicherung meiner aufrichtigen Freundschaft. Paris, 28. August 1849.
Ludwig Napoleon Bonaparte."
Ist das nicht komisch, burlesk, wahnsinnig? Der Ochse hat seine Armeen nicht nach Rom geschickt, „um die italieni- sche Freiheit zu ersticken, sondern um sie zu regeln". Der große Regulator der Freiheit hat gleich bei der Expedition seiner Armee erklärt, daß er nur gegen die „Anarchie" zu Felde ziehe, daß er nur gegen die Excesse der Freiheit, gegen die Republik intervenire, nur gegen das souveiäue, nicht aber gegen daS besonnene, gute, gehorsame, sußfällige Volk. Der fahrende Ritter hat sich während seiner Gefangenschaft einen Schusterleisten für die Freiheit aller Nationen geschnitzt, er hat sich für den Fall, daß der Neffe einmal Onkel werden sollte, eine Weltbeglückungschablone parat gehalten. Warum hat der kleine Hanöwurst sich nicht mit dem großen Dahlmann associirt?
Als dem albernen Geck von der europäischen Contrerevolution die Mission ausgetragen wurde, in Rom reaktionäre Weltgeschichte zu machen, spreizte sich der Bursche, wie ein Junge, dem zum ersten Mal gestattet wird, ein selbstständiges Geschäft zu machen, der Neffe blähte sich wie ein Puterhahn, weil ihm erlaubt wurde, den Onkel zu spielen. WaS bekümmerten sich die Monarchen Europas um den Willen des französischen Präsiventen? Was gehn Nikolaus rc. die napoleonischen Chablonen und Schusterleisten an?
Der gestiefelte Affe sieht sich auf einmal übertölpelt, bei