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sehen, den furchtbaren Riß der Gesellschaft mit euren Leichen zu füllen.

„ Die schlesischen Weber!"

Was nachher?

Die Augâburger Allgemeine Zeitung bringt neben der Nach­richt, daß sich ein Theil der preußischen Standrcchtötruppen in Baden durch Erpressungen von Champagner rc rc. für die Mühe ihrer Feldzüge zu entschädigen wüßte, folgenden Arti­kel aus Karlsruhe:

„Karlsruhe, 5. Sept. Wir befinden uns jetzt auf dem Standpunkte, dessen nothwendiges Eintreffen die Verständigen seit fünfzehn Monaten voraussagten, dem sie im Bekämpfen der verwerflichen Tendenzen allüberall vergeblich entgegengewirkt, und dem sie zuletzt als einzigem Rettungomittel der bedrohten Civilisation sehnsuchtsvoll entgegensehen mußten: auf dem Stand­punkt des Säbelregiments, auf dem Rechtsboden der KriegS- und Standgerichte. (Ohne -toeifel!) Dies ist die Kehrseite der Frakturschrist, welche in- und außerhalb der Paulskirche ge­predigt worden, das soldatische W auf das demokratische V. (Auf einen groben Klotz gehört ein grober Keil — versteht sich.) Aber wie herauökommen aus diesem trostlosen Zustande? und waâ nachher? DaS ist die viel erörterte Frage, die im SessionS- zimmer des Staatsraths, in der Studirstube deö Gelehrten, im Comptoir des Handelsherrn» im Salon der „Gesellschaft" wie in der Werkstätte des Handwerkers besprochen wird, auf die aber Jedermann die rechte Antwort schuldig bleibt. Wir haben jetzt nur zwei Parteien im Laude, die wir füglich als die hoffende, jetzt unterdrückte, und als die fürchtende, jetzt siegreiche, bezeichnen dürfen. Die Demokraten sind natür­lich nicht gebessert, sie knirschen nur, weil sie weder bellen noch beißen können, so lange der Maulkorb deS Kriegszustandes sie hindert (muß noch besser pacisicirt werden); aber sie hoffen, und, gestehen wir es, nicht grundlos (sollte man's für möglich halten?), sie hoffen auf die alten Mißgriffe deö neuen Mini­steriums, auf die Mißstimmung im Lande, welche bei der ungleich vertheilten Last der Einquartirung täglich steigt, auf die P r ä t e n t i o n e n (wohlverstanden!) de nos amis les ennemis, auf daS erfolgreiche Wirken der Wühler bei ihren Einquartierten — hier vor Allem muß man gestehen, daß das Resultat erfolgreich zu nennen ist, wenn man in Karls­ruhe aus der Promenade einen Gardelandwehrmann die Mar­seillaise, in Kehl daS Heckerlied brüllen hört, und sehen muß, wie die Offiziere lachend dabeistehen, oder achselzuckend vorübergehen. (Allmächtiger Himmel! Ist das preußische Treue?) — Sie hoffen auf preußisch-österreichische Händel in der deut­schen Frage, nachdem daS ungarische Drama auSgespielt hat, sie hoffen nach alle Diesem auf neue Bewegungen in Deutsch­land, sie sind rother als je, und die Farbe, die sie bezeichnet, ist noch zu erfinden. (Weißglühig!)

Die Frau eines Flüchtlings, Tochter einer angesehenen, wohlhabenden Familie, Mutter von sieben bis acht Kindern, antwortete einem konservativen Freunde, der ihr Worte deS Trostes zu sagen versuchte: sie werde, wenn auch getrennt von ihrem Gatten, ihre Kinder in seinem Geiste erziehen, und weine nur deßhalb blutige Thränen, weil sie ihrem Mann und seiner Partei den gegründeten Vorwurf machen müsse, er sei Schuld an dem jetzigen Zustande, da er versäumt habe, die Guillotine aufzuführen und zur rechtenZeit daâ Blut der Aristokraten (resp, der bürgerlichen Spitzbuben) zu vergießen! Haec ipsa verbal Die andere Partei ist der Hoffnungen baar, sie fürchtet alles von der Zukunft. (Muß sich von der Neuhessischcn curiren lassen.) Sie fürchtet, seit sie sieht, wir man wieder in ächt altbadischer Weise regiert, wie

der Adel, diese Stütze deö Thrones, welcher beim ersten Flin­tenschuß, der am Zeughause fiel, das Hasenpanier ergriffen hatte, jetzt mit gewaltigen Loyatitätöstiefeln umherstolziert und mit Gnaden und Stellen belohnt wird (Täuschungen des konsti­tutionellen Systems!); sie fürchtet, weil sie sieht, daß die treue­sten Diener des Landes, um Fürst und Staat gleichverdiente Männer, die mit Lebensgefahr ihre Posten behaupteten und dem aufgepflanzten Banner der Rebellion die blutrothe Spitze abbrachen, während ihre Chefs feige davongelaufen waren, vor­nehm bei Seite geschoben werden, um alten und neuen Pro- tègèö Platz zu machen, sie fürchtet, weil die andere Partei mit gutem Grunde hofft, sie fürchtet badisch zu bleiben, weil sie früher gefürchtet hatte, preußisch zu werden. Daâ Resultat dieser Hoffnungen und Befürchtungen wird eine groß­artige Auswanderung aller Besitzenden und Ordnungsliebenden sein, die sich theils leise, theils laut vorbereitet. Wir fragen wiederholt: was nachher?"

Was nachher? Das ist allerdings eine Frage, für welche die Augsburgerin keine Antwort hat, die wir aber ganz ein­fach s o beantworten:

Wenn die „hoffende" Partei lange genug gehofft, und die „fürchtende" lange genug gefürchtet hat, wird die hoffende Partei zu Gunsten der fürchtenden alle diejenigen zum Teufel jagen, die letzterer dermalen durch das „altbadische Regiment" solchen Schrecken entsagen , und dann zu ihren eigenen Gunsten die fürchtende Partei dito zum Teufel jagen. So ist beiden Parteien geholfen.

— Herr von Haynau beabsichtigt, in Umgarn kriegârecht- lich einzuschreiten gegen:

1) Alle 'k. k. Officiere, Militair- und Civilbeamte, die zu den Insurgenten übergegangen sind, oder sich sonst an der Revolution betheiligt haben,

2) alle Mitglieder des Landesvertheidigungsausschusses,

3) alle, die im Militär- oder Civilstande eine höhere Charge, z. B. die eines Negierungskommissärs, oder Anführers einer Truppenabtheilung und dgl. bekleidet haben,

4) alle Ankläger oder Richter bei den RevolutionStribunalen; rc. rc. rc.

Herr von Haynau ersucht diese Personen in Bausch und Bogen, sich doch binnen 3 Monaten vor dem Kriegsgericht zu stellen. O ja! Eine ziemliche Anzahl dieser „Rebellen" wird sich Hr. von Haynau auâ der Comorner Festung auf dem Wege einer „ glücklichen" Belagerung verschaffen müssen.

— Der Kaiser von Oesterreich , der König von Preußen und der König von Sachsen haben sich in Töplitz ein rendez- vous gegeben.

— DaS preußische Kriegsherr beabsichtigt, sich noch circa drei Jahre den Vergnügungen eines „glücklichen" Feldzu­ges im weinreichen Baden zu überlassen.

— Herr von Haynau, der Sieger von Ungarn, wird das gegen die Schweiz und weiter bestimmte Armeekorps befehligen.

— Die Kriegsgerichte und Zeitungsverbote nehmen in Ba­den rc. ihren Fortgang.

— Detmold ist dem Dreikönigâbunde beigetreten. Glück­lich „ unnergestoppt".

— Dr. Gottschalk ist in Köln an der Cholera gestorben. Der „rothe Republikaner" hat keine Gefahr gescheut, der l«' denden Armuth Hülfe zu bringen.

— Daâ „herrliche Heer von Nürnberg" hat neuerdmgâ seine Fäuste in dèr Weise geübt, wie eâ in Süddeutichlan bei den „herrlichen Heeren" jetzt in der Mode ist.

—~"~ (Beilage.)