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Armuth ist, ich rede zu euch allen, die ihr in der Stadt und auf dem Lande dem Wucher und dem Betrüge in die Hände gegeben seid, die ihr mit der geringen Habe, dem kleinen Besitze euch schlagt gegen die Allmacht deS Kapitals, die ihr rettungs­los verlassen, dem Proletariat verfallen seid, die ihr mit uns kämpfen, mit unS untergehn oder siegen müßt.

Ihr seid es, denen in den Märztagen am Meisten ver­heißen war, die ihr am gläubigsten auf die Worte derHerren" hörtet, die ihr jubelnd dieMänner des VolkS" auf den Thron höbet, die Männer, die für euch sorgen wollten, die eure Noth mitangesehen hatten, die da wissen wollten, wie .ihr im Geheimen littet, im Stillen weintet, ihr seid es, die sie vor Allen gegen ihre Feinde trieben, die ihr daö Negi- ment deö Adels, das stolze, übermüthige Regiment, die ihr das Regiment der Akten und Büreaukraten stürzen mußtet, damit das Regiment der Bürgerfreunde beginnen, damit die Gerechtigkeit herrsche, die Armuth nicht mehr geplündert, die Arbeit nicht mehr verachtet werde, damit die Plagen und Qualen, die tausendfachen, namenlosen Quälereien zu Ende gingen, damit ihr für die Arbeit euren Lohn erhalten, damit ihr frei, glücklich, zufrieden werden solltet.

Arme Männer! Die Revolution ist vollendet, die Män­ner des Volks", die Männer, auf die sie euch hingewiesen, mit deren Namen sie den Lärm der Erhebung überschrien, die Freunde der Handwerker" haben daö Ruder des StaateS in der Hand, sie haben 18 Monate eure Geschicke gelenkt,-- wo ist das Glück, daS bei euch einziehen sollte, wo ist der Segen, auf den ihr gehofft hattet, den sie euch verheißen, mit dem sie eure Stimmen gekauft, eure Treue eingehandelt haben?

Die mächtigen Herren, die Herren des Kapitals, der Börse, der Spekulation haben euch zugerufen, der Mittelstand müsse geho­ben, euer Fleiß müsse belohnt werden, sie haben gerührt, Thränen im Auge, mit Bewunderung von eurem Harren und Dulden, von dem rerborgenen Kummer eurer Familie gesprochen, sie haben euch auf die Schulter geklopft und seufzend gesagt, euch müsse geholfen werden! arme Männer! Wo sind die Her­ren, deren Mund damals von eurem Lob überströmte, wo sind die Verbesserungen eurer Lage ", die damals euch ver­kündet wurden, wo ist die Selbstständigkeit, die Unabhängig­keit, die für euch verheißen wurde? Ist der Wucher vernich­tet, ist das Kapital euch zugänglich geworden, müßt ihr nicht mehr betteln, jammern, Himmel und Erde zum Pfande geben, umehrliche Männer" zu bleiben, um euch von Tage zu Tage durchzuschlagcn" ? Habt ihr Trost für eure Weiber und Kinder gefunden, sind die bangen, qualvollen Stunden vorüber, wo ihr daheim saßet und auf dem bleichen Gesicht eurer Weiber das Gebet laset:Gott verhüte, daß er mir stirbt! Ich müßte betteln gehn!" ?

Rechnet nach, ob seit den 18 Monden auch eine Stunde deö JammerS weniger geworden gegen früher, eine Stunde der Verzweiflung euch erspart, ein Seufzer euch erlassen wor- den ist. Sagt, ob ihr nicht immer noch hofft auf diebesse­ren Zeiten", dieglücklichen Zufälle", diegünstigen Cvn- juncturen " ?

Unglückliche Männer. Die besseren Zeiten " werden nicht kommen, die Tage derZufälle", derConjuncturen" sind vorüber. Das Kapital hat die Revolution geschlossen und euch im Elend gelassen, hat seine Altäre mit Blumen geschmückt, und eure Werkstätten sind so dumpf, so traurig, so elend, wie zuvor.

Auch euch hat nian verrathen, euch, die ihr Alles für sic gethan, auf jedes Wort von ihnen gelauscht hattet, jeder Bitte von ihnen zuvorgekommen wäret.

Das Kapital, der Reichthum, der große Besitz regieren und machen ihre Gesetze für sich; sie haben den Adel, die Bürcaukratie verjagt, sie haben die Faulheit von den Thronen

gestoßen und dem Wucher die Krone aufgesetzt, sie sind herab­lassend mit euch gewesen, um euch jetzt mit Füßen zu treten.

Euren Bitten antworten sie mit der Ungunst der Zeit", euren Klagen mit der Klage, daß alle Geschäfte stocken, daß wir, wir die Schuld trügen, daß die Demokratie daS Auf­blühen der Gewerbe hindere.

Elende Lüge! Und wenn die Ruhe deS Grabes einträte, und wenn kein Laut mehr ertönte von Freiheit, von der verrathe­nen Revolution, kein Schrei mehr gehört würde über die Schand­thaten unserer Mörder, - Handel und Gewerbe würden doch nicht blühen, ihr würdet doch immer tiefer in'S Elend sinken, immer mehr geplündert, immer mehr verachtet, ver­lacht, verspottet werden. Man hat euch benutzt und sucht euch nun los zu werden, man schiebt von Stunde zu Stunde dieverheißenen Verbesserungen" auf, bis sie vergessen werden, bis ihr selbst sie vergeßt, man hat euch zum Narren gehabt, mit euch Possen getrieben, man hat eure Gutmüthigkeit, emr Vertrauen betrogen, euch zum Schemel der stolzen, herrsch- süchtigen Wucherer benutzt.

Ich will euch ein Beispiel aus unserer Nähe sagen. Der Verein für Volksrechte " hat den Vorschlag einesgewerb­lichen Vereins" gemacht. Wir haben gesagt, daß die Wirk­samkeit eines solchen Vereins die soziale Revolution, dieVerbesserung eurer Lage" wäre, daß daS Kapital also gegen ihn sein würde, daß es ihn verdächtigen, verleumden, dccimiren würde, wir haben eS voraus gesagt, waâ bereits zur Genüge geschehen ist. Les't das Blatt der Kasseler Gemeinheit, der Hessischen Gaunerei, das offizielle Blatt aller Niederträchtigkeiten der Bourgeoisie, allen Betruges, der mit der Armuth gespielt wird, les't die Neuhessische Zeitung vom 11. September, die Abendausgabe: Die Bourgeoisie sagl sich hier feierlich von jenem Vereine loS, sie weist AllcS von der Hand, waS an einsociales Parlament" erinnert, sie will nichts als die Bevormundung dec Gewerbe durch die Po- lizei, d. h. durch sie, durch daS Kapital, durch die Ministe­rien, d. h. durch sic, die Bourgeoisie. Sie will Alles so haben, wie ist, wie es immer gewesen, nein! sie will Alles so betrügerisch, hinterlistig haben, so raffinirt, so gemein , wie cs noch nie gewesen ist.

Die Bourgeoisie tröstet euch damit, daß alle Geschäfte stocken. Ich aber sage euch, daß ein Geschäft nicht stockt, daß ein Geschäft in der alten, ewigen Blüthe steht, das Geschäft des vornehmen Schachers, der nobeln Spekulation, des Wuchers, der Gaunerei. Ich sage euch, daß dieses Ge­schäft nur blühen kann, wenn eure Geschäfte stocken, daß die Herren dort oben nur schwelgen können, wenn ihr hungert. Wir sagen euch, daß sie deshalb die Revolution gemacht, die Aristokratie gestürzt, alle Regierungen gestürzt haben, damit das eine Geschäft immer mehr lcgalisirt, immer mehr zur Blüthe gebracht werde; ich sage euch, daß der Unterschied zwischen früher und jetzt nur darin besteht, daß früher Bour­geoisie und Armuth den Launen und dem Leichtsinn der Bevorzugten " überantwortet waren, und daß jetzt die Masse der Armen der absichtlichen Plünderung der Reichen über­antwortet ist.

Wahrlich! Das Regiment der Aristokratie waren nur die Ruthen, mit denen ihr geschlagen wurdet, jetzt aber hab ihr daö Regiment der Scorpione. Die Aristokratie hat euch auâ Leichtsinn, aus Uebermuth, auS Hochmuth und Ver­achtung geplündert, sie hat Alle, Alle geplündert, sie hat Alle geplündert, um Alles verschwenden zu können; die Bourgeoiue plündert euch auS Gier, auö Heißhunger, auS jenem vampyr- artigen Blutdurst, sie plündert euch ohne Ende auS Lust an eurem Elend, sie will nicht haben, um zu genießen, zu ver­schleudern, sie will haben, um zu behalten, um zu 9° Die Aristokratie ist daS Regiment der vornehmen Sünden, r glänzenden Lasters , der prunkenden Schwelgerei, die ^vur-