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Der deutsche Spießbürger will nichts mit der Politik zn schaffen haben, er will nur und allein Geschäfte machen; er will nicht regieren, weil er seine Zeit besser nöthig hat, er will einstarkes" Regiment, damit er nicht einen Theil der Last auf seine Schultern nehmen muß. Der deutsche Bour­geois ist politisch absolut ebrlos.

Ueber diese Wahrheit täuschte sich der ausgewanderte Revo­lutionär , wie wir uns Anfangs alle darüber getäuscht haben.

Seine badische Schilderhebung hätte ihn eines Besseren belehren sollen. Sie hätte ihm lehren sollen, daß das revo­lutionäre Geschrei der Spießbürger noch himmelweit entfernt ist von der revolutionären That, daß eine polternde Faust noch keine bewaffnete ist. Sie hätte ihm lehren sollen, daß es keine Revolution mehr gibt, außer der prvlerari- scheu Aus seiner eigenen Revolution hätte er lernen kön­nen, daß daS Jahr 1848 eine todte Quelle war, die eher vertrocknete, eh' sie zu Tage kam. Er hätte wissen müssen, daß die neue badische Revolution nur eine fortgesetzte Täu­schung über die politische Ambition der Philister war, daß diese Bastardbcwcgung auch nur Bastardkinder zeugen würde, daß ein großartiger Charakter, daß Hecker selbst die innere Fäulniß der Erhebung wohl verdecken, aber die Bewegung nicht retten konnte.

Die Bewegung ist an den Führern zu Grunde gegangen. Mag sein! Aber gewiß ist, daß jeder bessere Führer an der Bewegung zu Grunde gegangen wäre.

Und weil diese Revolution nun so traurig verlaufen ist, deshalb ist Europa der Revolution nicht fähig, deshalb ist es altersschwach?

Wenn Hecker mit dieser Erklärung seine letzten Illusionen, seine ganze Naivetät anSgehaucht hätte, wir würden ihm Dank wissen. Seine Erklärung enthält nichts als eine verspätete Anklage der deuschen Spießbürger, der deutschen Professoren, dieses Geschlechtes, mit dem wir ein- für allemal gebrochen haben, gegen daS wir gerade die Revolution fordern. Was Heckeranekeln" mußte, war ja eben die Niederträchtig­keit, Feilheit und Ehrlosigkeit der Bourgeoisie, war die Ge­meinschaft, die man mit dieser Menschenklasse gemacht hatte, die Leichtgläubigkeit, mit der man sich ihrem Verrath in die Arme stürzte.

Europa ist altersschwach. Ja, dieses Europa ist alters­schwach. Und eben deswegen harren wir mit Sehnsucht auf die neue Revolution, die diesen Wust der Geschichte, diesen Wust des Polizeistaats, diesen Wust von politischen Verkom­menheiten von unS werfen soll. Eben deswegen hoffen wir auf die andere Erhebung, die mit einem Schlage den ganzen Bettel der gegenwärtigen Gesellschaft zertrümmern soll, dieser Gesellschaft, in der keine Begeisterung, kein Enthusiasmus mehr aufkommen kann, in deren Treiben Alles versengt, ver­brannt, erstickt wird, wo die lodernde Gluth deâ Herzens geächtet, der freie Aufflug der Gedanken mit Beschlag belegt ist, wo Alles in Maschinerie und Raffinement untergeht.

Die andere Revolution wird ihre Führer so gut finden, als jede Revolution sie findet, welche berechtigt ist, welche lebensfähig ist, sie wird sie so gut finden, als Ungarn seinen Kossuth sand.

Diele Führer werden nicht blos Enthusiasten, nicht blos begeisterte Männer sein, sie werden sich auch nicht durch die ekelhaften Beigaben jeder Revolution müde und krank machen lassen, sie werden nicht verzweifeln und sich nach der Einsam­keit sehnen , sic werden sich niederwerfen lassen, um stärker, wilder, eiserner wieder aufzustehen, sie werden in dem Sturm der Revolution sich wohlcr fühlen, als im Sturm, der durch die Urwälder braust.

He cker's Person ist uns eine zu liebe, als daß wir sei­nen Brief weiter kritisiren möchten.

U n g a * rt.

(Fortsetzung.)

Ein Schreiben aus Altarad vom 23. August in der BreSl. Z." von einem Manne auS der Umgebung Bathyany'S, an einen Beamten Kossuth'S gerichtet, spricht ganz dieselben Ansichten aus:

Mein lieber Getreuer! Ich zeige Ihnen heute Schmerz, Schmach, Schande und Sturz der ganzen Freiheit in meinem Briefe an. Ich bin aus Arad hier angekommen, und matt und krank ergreife ich die Feder, um Ihnen von dem schänd- lichen Sturze Ungarns Kunde zu geben. Die ganze Kata­strophe gestaltete sich in drei Mal 24 Stunden so gräßlich... Kossuth, der Mann Europa'S, ist nicht mehr Kossuth! Er wurde gezwungen, abzudanken und Görgey zum Diktator zu ernennen; er ist mit einem Einem Schlage vernichtet worden. Görgey, der Verräther aller Verräther, war an Allem Schuld. Schon als die Russen nahe bei Pesth waren und wir es räu­men mußten, nahm Görgey von der Regierung keinen Befehl mehr an und handelte nach eigenem Willen. Man sprach schon damals davon, doß er mit den Russen fleißig parlamen- tire. Wir wurden auch aus Szegedin verjagt, und Görgey kam noch immer nicht zu Hülfe. Er hielt 5 Tage in Groß- wardein Rasttag und ließ unsern rechten Flügel ganz allein operiren. Da dieser ohne Stützpunkt war, so wurde unsere Armee auch hier geschlagen. Da kam Bem aus Siebenbürgen. Allein er wurde von der österreichischen Armee umringt und geschlagen; zum Unglück brach er noch den Arm. Dembinöki war ebenfalls verwundet."

Dermagyarische Korrespondent" derBreslauer Zei­tung" berichtet auS Ungarn, vom 28 Augusts

Fortwährend auf Reisen in Ungarn begriffen, habe ich reiche Gelegenheit, die unbeschreiblich schmerzvolle Stimmung des ungarischen Volks kennen zu lernen. Man erklärt allge­mein den Görgey für einen Verräther, denn über die Selbst­sucht dieses höchst übermüthigen Emporkömmlings war schon lange im ganzen Lande nur eine Stimme. Zur Aufhellung dieses so räthselhaften Schlusses der ungarischen Revolution wird folgendes beitragen. Mit der Erstürmung der Ofe­ner Festung hatte daö ungarische Revolutionöglück den Gipfel erreicht. Sofort traten nun für den Tieferblickenden die trau­rigen Symptome des Rückfalls und Verfalls hervor. Die Uneinigkeit, dieser Fluch der Revolution, welche Kossuth'S He- roische Persönlichkeit und beispielloser Einfluß. so lange ge­bannt hatte, nahm von nun an immer mehr überhand, sowie Görgey'S Trotz und Uebermuth keine Schranken mehr kannte. Nach der Erstürmung Ofens z. B. verlieh die Nationalver­sammlung in Debreczin dem General Görgey den Verdienst­orden erster Klasse und ernannte ihn zum Feldmarschalllieute­nant, welche Auszeichnung eine Deputation der National­versammlung dem General überbrachte. Aber dieser wies die Auszeichnung auf butale Weise zurück, indem er derselben nicht bedürfe. Kossuth aber wagte cs nicht, im Interesse der Sache einen General mit Mißtrauen zu behandeln, welcher weniger aus Herrschsucht, als auS brutalem Uebermuth jeder Autori­tät in's Gesicht schlug, alle befähigteren Generale, wie Bem, Dembinski, Vetter, Aulich u. A. absichtlich beleidigte, und seinen Generalstab auö unfähigen Speichelleckern zusanimensetzte. Die kostbare Zeit des Monats Juni vertändelte Görgey mit ungemeffenen Ansprüchen und Forderungen. Leider war gerade Kossuth'S Kurzsichtigkeit in den entscheidenden Momenten eben so groß, wie in anderer Beziehung seine Hingebung und ge­niale Schöpferkraft. Nach der unglücklichen Schlacht bei Raab schrieb Görgey nach Pesth, daß die ungarische Regierung dort nicht mehr sicher sei, sie müsse sich daher zerstreuen und ihm, dem General, alles Uebrige überlassen. Eine solche Zumu- thung mußte endlich Kossuth in Harnisch bringen, jetzt war