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Zweiter Jahrgang.
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Die
o r n i s s e.
„Naum, Ihr Zerren, dem Flügellchlng Liner freien Keele!"
8sL 107.
Kassel. Sonnabend. den 8. September
1849.
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Dem deutschen Arbeiter.
Ich rede zu euch, die ihr seit Monden neben unö gestanden , die ihr mit unü daS Morgenroth der Freiheit begrüßt, mit unS den rauschenden Frühling des JahreS 1848^ verlebt habt, zu euch, die ihr nach den langen Jahren der Trübsal und der Entsagung, der bittern, trostlosen Entsagung auf daS Evangelium der Brüderlichkeit horchtet, die ihr für die neue Zeit der Geschichte gelitten, geblutet habt, zu euch, die ihr im Schweiße deâ Angesichts die blinde, wahnsinnige Gesellschaft auf euern Schultern tragt, die man von Stunde zz» Stunde, von Tag zu Tag getröstet hat, mit denen sie Arm in Arm gegangen, denen sie in der Freude ihrer errungenen Herrschaft an die Brust gefallen sind, die sie dann von sich gestoßen, wieder in die dumpfen Werkstätten, an die glühenden Maschinen, in die Höhlen dcü Elends geworfen, die sie wieder der einsamen, freundlosen Verzweiflung überantwortet, die sie mit dem Judasküsse verrathen haben, zu euch rede ich, auf welche zuletzt der ganze Jammer der Jahrtausende gewälzt ist, für die es keine Erhörung geben soll, die ihr hungern, hinsiechen, sterben müßt, damit die Kultur der Lüge, des Meineides , des Diebstahls, die Civilisation der geilen, brennenden Sunden nicht untergehe, damit es eine Anzahl AuS- erwählter gebe, in deren wahnsinnigem Jubel eure Seufzer verhallen, deren Glück eurer Thränen bedarf, die sich nicht freuen könnten, wenn ihr nicht elend, verachtet, mit Füßen getreten darniederläget, wenn ihr nicht verdammt wäret, von dem jungen Blute der eigenen Kinder euer Leben zu fristen, wenn ihr nicht verflucht wäret, die Gefängnisse zu füllen, ihren eisernen Gesetzen zum Opfer zu fallen, das unter dem Herzen eurer Weiber zuckende Leben dem Verbrechen zu weihen, eure Liebe, eure Ehre gegen eine Stunde Vergessenheit zu Markte zu tragen.
Blutende Armuth! Alâ sie vor 18 Monden dich auf die Gassen riefen, als sie dich feiern hießen, damit eine größere Arbeit vollendet werde, damit für Recht und Gerechtigkeit
gekämpft werde, damit sie gerächt würden für die langen Jahre der Schmach, für die Wunden, die ihrem Stolze geschlagen waren, als ihr Hammer und Schaufel verließet, als ihr zum ersten Mal seit eurer Jugend die Stirne höbet, den Nacken nicht mehr zu beugen hattet, als zum ersten Mal ein Strahl des Morgenroths auf eure Wange fiel, zum ersten Mal ein Lächeln um euren Mund zog, — da glaubtet ihr den Brief einer andern Zukunft in eurer Hand zu tragen, da glaubtet ihr, das Eis um die Herzen eurer Frohnvögte fei geschmolzen, da wähntet ihr, von den Gaben, die ihnen gegeben, würde auch euch ein Brosamen zufallen, da wähntet ihr, in ihrer Freude würden sie auch des Unglücks gedenken, bei ihren Festen würden sie des jammernden Elends sich erinnern, an ihrem Geburtstag würden sie auch euren Geburtstag feiern, sie würden euch, die ihr fern standet, zu sich rufen, euch Brüder nennen, sie würden die Schuld abtragen, die sie euch schulden, so lange die Welt steht.
Betrogene Armuth! Das Jahr 1848 ist vergangen, der Sommer des JahreS 1849 vorüber, — und daS Elend blutet wie zuvor, der Jammer windet sich wie früher. Von allen Rechten, die errungen sind, lautet keines für euch, von allem Glück, das ausgegoffen ist, ist keines in die Wohnungen der Verlassenen gedrungen. Wo ist die Thräne, die die Glücklichen getrocknet haben, wo ist daS Auge, das zu ihnen hinaufsähe, um ihnen für eine, für eine einzige Stunde Freude, eine einzige Stunde Erholung zu danken? Nirgends! Der Wucher hat gesiegt, und euch vergessen, der beleidigte Stolz ist zu Ehren gebracht, und hat das beleidigte Herz der Armen vergessen, der Ehrgeiz ist auf den Thron gehoben und tritt die bettelnde Noth mit Füßen,__ihr habt kein Recht, als das alte Recht der Verzweiflung, des Jammers, der schlaflosen Nächte, daS alte Recht der Gefängnisse, der eisernen Gitter, der Schläge, der Blutgerichte.
Schändlicher, schaamlvser Verrath! Nachdem ihr für sie, für eure Peiniger und Tyrannen gesprochen, hat man euch den Mund verboten, hat man eure Bitten Rebellion, eure Forderungen Anarchie genannt. Man hat euch wie Hunde gehetzt,