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„Naum, Ihr Herren, dem Flügelichlag Liner freien Keele!"
MslOti.
Kassel, Donnerstag, den 6. September
1849.
Unsere Aussichten.
„ Die Demokratie hat furchtbare Niederlagen erlitten." DaS ist der allgemeine Seufzer unserer Parteiblätter, jetzt, nachdem der „tapfere" Prinz von Preußen, dessen Betheiligung am Berliner Mißverständnisse ihn sicherer der Geschichte überliefert, als seine glorreiche Theilnahme am Badener „Feld- zuge", nachdem dieser Prinz mit seinem wandernden Standrechte bis in den Süden gezogen ist, um mit dem Blute der „Empörer" Acker nach Acker zu düngen, jetzt, nachdem Ungarn gefallen, Görgey, der tapfere Held, die Rolle des Leonidas mit der deS EphialteS vertauscht hat, jetzt, nachdem ganz Europa in Belagerungszustand erklärt und zur „ Ruhe und Ordnung " mit Waffengewalt begnadigt worden ist. Furchtbare Niederlagen! Freilich. ES wird lange währen, bis das Blut der Demokraten auf den Gassen Wiens und Berlins, das Blut zu Dresden, in Nom und Venedig, das Blut, daS in Strömen auf den Straßen der europäischen Nevolutionsstadt geflossen ist, das Blut, das aus den Bergen und Ebenen Ungarns nach der Donau rieselt, bis all' das heiße, sprudelnde Herzblut verraucht ist, bis die bleichen Schatten ihre Ruhe gefunden haben, bis die „Gebieter der Welt", die „mächtigen Herren", die Götter, welche „dem Herrn dienen"! ihrer Gespenster entledigt sind. Die Demokratie war es ja, welche den Fehdehandschuh der gekrönten Häupter aufnahm, die der eisernen Gewalt des Malmöer Waffenstillstands die eiserne Faust entgegensetzte, die der brutalen Vernichtung der Volkösouveränetät Schritt vor Schritt mit der Waffe in der Hand folgte, die mit der preißgegebenen Brust ihrer Jünger die nationalen und revolutionären Phrasen ihrer Gegner zu Ehren brachte, sie war es ja, dierast - und ruhelos, bei Tag und bei Nacht auf ihrem Posten stand, die sich in fast ununterbrochenen Kämpfen gegen den hereinbrechenden Absolutismus geschlagen hat.
Die Niederlagen der Demokratie sind die Burgen ihrer Zukunft. Die Demokratie ist eingestanden für die demokratische Monarchie , sie ist eingestanden für die konstitutionelle Monarchie, für jedes Recht, das sich daS Volk errungen hatte, für jeden Titel, der im Gesetze des Frühjahrs 1848 stand, die Demokratie hat all» selbst ihren Gegnern das Schwert geliehen, sie hat in jeder heißen Stunde, in jeder Sekunde der Gefahr ihnen den Arm geboten, — die Demokratie ist überall verrathen, überall verlassen worden; die konstitutionelle Partei, die Partei der souveränen Bourgeoisie hat sie in den Kampf gerufen und dann in die Acht erklärt, die Demokratie hat mit jeder Niederlage einen Sieg der Ehrlichkeit gegen
die Ehrlosigkeit, der Offenheit gegen die Hinterlist, des Muthes gegen die Feigheit, der Begeisterung gegen den Wucher und Schacher errungen.
Die Demokratie kann den Tagen, die jetzt kommen werden, mit Ruhe entgegengehen. All' ihre Fehler, all' ihre Verirrungen hat sie gebüßt, sie hat mit dem Leben von Tausenden ihrer Jünger die Thorheit gesühnt, an den guten Willen der Spießbürger geglaubt zu haben, geglaubt zu haben, daß die Hand, welche die Armuth plündert, welche aus den Thränen der Noth und Verzweiflung ihre Schätze sammelt, der Armuth, der Noth und Verzweiflung einmal Hülfe bringen werde, geglaubt zu haben, daß in der trockenen, gierigen Brust der Börsenspekulanten auch noch ein einziger Funken von politischer Ebre glimme, daß sie nicht Stück auf Stück, Lappen auf Lappen ihrer Rechte um den JudaSpreiS verschachern würden; die Demokratie hat sich vor Himmel und Erde gereinigt, sie kann ruhig und getrost der Welt das Buch ihrer Jugend vorlegen und den Ritterschlag für ihr ManneSalter fordern.
Die Demokratie ist unschuldig an dem Mord der deutschen Freiheit, unschuldig an der Vernichtung aller Völkerrechte, unschuldig an dem neuen Menschenhandel, der neuen Völkertheilung, die jetzt kommen werden. Sie schleudert den Vorwurf ihrer Uebereilung, der Uebereilung zu Gunsten der Freiheit, der Menschenliebe, der Bruderliebe, zu Gunsten der sterbenden, sich windenden Armuth, zu Gunsten der geschlagenen, rechtlosen Menschheit, zurück als Vorwurf der Uebereilung ihrer Gegner zu Gunsten der Gesinnungslosigkeit, der Gemeinheit, der socialen Plünderung, der neuen Tyrannei, der Uebereilung im Verrathe unserer Revolution, im Treubruche, in der Unterwerfung unter die neuen Machtgebote der eben be- siegten Despoten. Sie schleudert den Vorwurf der Anarchie zurück als Vorwurf der doppelten und dreifachen Anarchie, die jetzt hereinbricht, der Anarchie unter dem Schutze der Bajonette, jener Anarchie, welcher die Menschheit nur eine Ziffer im Budget ist, die mit unseren heiligsten Gefühlen spielt, wie ein „ Bube mit dem Wurm", die uns Schmach auf Schmach, Schande auf Schande inS Gesicht schleudert, die unsere Freiheitsbriefe wie Bettelbriefe zerreißt, die unS von Folter zu Folter treibt, die auf eurem RechtSboden Blutgerichte hält, auf eurem Gesetze die Vehme hält. Sie schleudert den Vorwurf der gemeinsamen Verschwörung aller Demokraten Europas, den Vorwurf des LandeöverrathS zurück als Vorwurf der Verschwörung aller Spitzbuben Europas, aller Wucherer deS Erdbodens, als Vorwurf deS doppelten und dreifachen LandeSverrathö, der die Russen in den Westen gerufen hat, die Civilisation der Zukunft mit der Civilisation der Cosaken