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Dante'schen Hölle" sperrten, mit denen ihm Heinrich Heine gedroht hatte.
Im weiteren Deutschland setzte man keine Hoffnungen mehr auf den königlichen Messias , man that Buße für seine Leichtgläubigkeit mit Herwegh's Worten:
Ich wußt', ein König ist ein irrer Stern,
Und nur der Zufall regelt ihm die Bahnen —
Doch warnt' ich vor dem Schweis, nicht vor dem Kern,
Dem Schweif von Sclaven und von Charlatanen.
Ich dachte mir: Dein eigen Fürstenherz
Sei mehr als ein Register seiner Ahnen,
Und ich vergaß, daß stets ein dreifach Erz
Euch, selbst im Tod, von Euerm Volk noch trennt. —
Und selbst in Preußen war man damals bereits soweit gekommen im Ueberdruß über all' diese schönen Phrasen, denen die widersprechendsten Thaten folgten, daß man mit Prutz spottete:
Es war einmal ein großer Prinz,
Dem war eS angeboren,
Und Hof und Hauptstadt und Provinz
Gebrauchte Nichts, als Ohren.
Er sprach bei Tag, er sprach bei Nacht,
Die Länge und die Breite,
Er sprach noch eh' er aufgewacht,
Demosthenes der Zweite.
Deklamiren
Und Parliren,
Ei, waS spricht der Prinz so schön!
So suchte denn der König die Erregung, die er selbst zum Theil heraufbeschworen, zu unterdrücken. Die Folge davon war, daß sich der Gemüther eine tiefe Erbitterung bemächtigte. Die Anzeichen von einem drohenden Sturm häuften sich.
Auf den Bürgerversammlungen in Königsberg, in den großen Zusammenkünften in BreSlau, selbst aus dem Carneval in Köln wurden Reden gehalten, die die Seelen der Bureaukraten mit Besorgniß erfüllten und die Herzen der Absolutisten mit Wuth und Rache. Reibereien zwischen den Offizieren, den treuen Vasallen, und zwischen den „ Wühlern" kamen an die Tagesordnung. Unbestrafte Verwundungen von Civilisten, Belobung bornirter Sklavendienstbarkeit mit Worten, wie: „auch die Treue im Uebermaaß ist schön!" erhöhten die steigende Aufregung.
Alles Schließen der Klubbö, alle Verfolgungen der Wortführer wurden zu ebensoviel neuen Niederlagen der Krone.
Und als für die erregten Gemüther durch die übertriebensten Präventivmaßregeln ein jeder politische Tummelplatz verschlossen war, warf sich der Sturm der Zeit auf das einzige Terrain, auf welchem noch eine freie Bewegung möglich war, auf das Gebiet der Religion.
Es entsprang diese Erscheinung zugleich aus dem dunklen Gefühl, daß man auf diesem diejenige Staatspartei bekämpfen und schwäche» müsse, die auch auf dem Felde der politischen Reform jeder Neuerung mit fanatischem Verdammungsspruch eutgegentrat, eine Partei, welcher der König in seinem innersten Herzen angehörte, die Partei der Pietisten.
Vielleicht wird es nicht lange dauern, und diese Erscheinung wird sich noch gewaltiger wie damals wiederholen.
Damals waren es die Lichtfreunde, die auf dem Gebiete der Religion den Kampf mit den Absolutisten ausnahmen.
Auch zu dieser Erscheinung hatte der König selbst beigetragen. Hatte er nicht mit großen Worten von der Freiheit der Kirche gesprochen? — Wie war er mißverstanden. Konnte ein Friedrich Wilhelm IV. von einer andern Kirche gesprochen haben, wie von der historischen? Und nun kamen diese prote
stantischen Freunde , diese Ketzer, und machten daraus die Freiheit der Religionsübung und die Freiheit der Ueberzeugung in der Kirche selbst!
Durch das Leben deS Königs geht ein ewiges Mißverständniß, ebenso wie durch seine Seele der ewige Widerspruch, die Schwäche und die Verworrenheit.
Zuerst wurden die Lichtfreunde ziemlich höflich über ihr dummes Nichtverstehen unterrichtet; dann wegen ihrer Hartnäckigkeit verwarnt und zuletzt bestraft.
Da bereitete plötzlich das Auftreten Ronge's und die Stiftung der deutschkatholischen Gemeinden eine neue Verlegenheit. Das Meer schwoll höher und höher, und die Provinzialland- tage vermehrten das Drängen nach einer Beendigung dieses Zustands der nicht erfüllten Versprechungen.
Kurz, man sah sich genöthigt eine kleine Konzession zu machen, — und der König berief den ersten preußischen vereinten Landtag.
Neue Hoffnungen und neue Enttäuschungen!!
Der König beeilte sich, sofort durch eine selbstverfaßte Thronrede (11. April 1847) sein Volk und seine lieben Getreuen zu belehren, wie diese Konzession gemeint sei. Die Hauptlehren, die er seinen unmündigen Kindern im Tone väterlicher strenger Ermahnung zu geben geruhte, waren folgende:
„ Ehren wir sein Andenken (des verstorbenen Königs) auch in dem Stück, daß wir sein endlich und eben vollendetes Werk nicht gleich durch Neuling sh ast in Frage stellen. Ich versage im Voraus jede Mitwirkung dazu."
„ Als Erbe einer ungeschwächten Krone, die Ich Meinen Nachfolgern ungeschwächt (oh! oh!) bewahren muß und will, weiß ich mich vollkommen frei von jeder Verpflichtung (natürlich! als Gottes Stellvertreter auf Erden!) gegen Nichtausgeführtes."
„Mein und Meines VaterS treues Volk hat alle die Gesetze, die Wir Beide ihm, zum Schutz seiner höchsten Interessen —--gegeben, mit warmer Dankbarkeit empfangen. Und wehe dem! der ihm seinen Dank verkümmern und ihn gern in Undank verkehren wollte!"
„.... Der König von Preußen beginge einen noch viel größern Fehler, wenn er nicht von seinen Unterthanen daö fordern wollte, was die Krone des freien Mannes ist, den Gehorsam um Gottes und des Gewisses willen."
„ Es drängt mich zu der feierlichen Erklärung, daß eS keiner Macht der Erde je gelingen soll, Mich zu bewegen, das natürliche, gerade bei uns durch seine innere Wahrheit so mächtig machende Verhältniß zwischen Fürst und Volk in ein konventionelles, konstitutionelles zu verwandeln, und daß Ich es nun und nimmermehr zugeben werde, daß sichzwischen unseren Herr Gott im Himmel (und seinen Sohn, den König) und dieses Land ein beschriebenes Blatt, gleichsain als eine zweite Vorsehung, 61 n' dränge, um uns mit seinen Paragrapheu zu regieren und durch sie die alte heilige Treue zu ersetzen."
Solche Worte sprach der König mit scharfem, heftigem Accent, mit heftigen, unschönen Handbewegungen, mit fr«0 ' hafter Gereiztheit und verhaltenem Ingrimm über die Zug^ ständnisse, die ihm abgenöthigt worden, zu den seines Volkes, die zum ersten Mal um den absoluten Thr der Hohenzollern versammelt waren. , , .
Und im Landtagöabschied vom 24. Juli wurden dre Hau? forderungen des Landtags, der sich durch die Thronrede e nicht sehr hatte abschrecken lassen, mit mißachtendem ~ schweigen übergangen.